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Spaniens ältester Nationalpark
Wandern auf den "Gipfeln Europas"

Eindrücke von Spaniens ältestem Wanderweg
Eindrücke von Spaniens ältestem Wanderweg FOTO: dpa, zeh
Cangas de Onís . Im grünen Norden des Landes lockt Spaniens ältester Nationalpark Picos de Europa mit einer Bilderbuch-Bergwelt. Dazu gibt es viel Geschichte.

Die Bergluft ist noch kühl. Silbrig glitzert der Lago de Enol in der Morgensonne. Stiere grasen friedlich am Seeufer. Vorbei an kleinen Almhütten aus massivem Stein, über saftige Wiesen und Gebirgsbäche führt der Pfad zunächst hinauf ins Hochtal Vega de Canraso. Der Weg zu Pedro Pidals Grabstätte ist wunderschön. Doch nun wird er auch anstrengend. Im Zickzack geht es steil über 500 Höhenmeter den Hang hinauf. Von weitem beobachtet eine Herde von Gämsen, wie sich die Wanderer den Weg durch das Labyrinth aus Kalksteinfelsen kämpfen.

Dann endlich stehen die drei Madrilenen Cesar, Gerardo und Elena nach knapp fünf Stunden vor dem Grabstein, auf dem der letzte Wille Pedro Pidals eingemeißelt wurde: "Als großer Liebhaber des Nationalparks Covadonga möchte ich in ihm leben, sterben und auf ewig ruhen, in Ordiales, dem märchenhaften Königreich der Gämse und Adler. Dort, wo ich himmlisches Glück erfahren habe, wo ich Stunden voller Bewunderung und traumhafter Gefühle erlebte". Heute heißt der Nationalpark Picos de Europa, und wer auf dem 1764 Meter hohen Ordiales-Bergsattel steht und direkt hinter dem Grabstein die tiefe Steilwand hinunterschaut, kann nur all zu leicht verstehen, warum der Markgraf von Villaviciosa ausgerechnet an diesem Ort begraben werden wollte.

Das sind Spaniens schönste Küstenwanderwege FOTO: dpa, pla

Weit und breit ist nur wilde, ursprüngliche Natur zu sehen. Von hier aus kann man fast das gesamte Zentral-Massiv des Parks überblicken. Nur 20 Kilometer vom Atlantik entfernt ragen die Picos imposant bis auf 2600 Meter in die Höhe. Ihren Namen "Gipfel von Europa" erhielten die malerisch zerklüfteten Berge von den spanischen Seefahrern. Waren die Gipfel doch das erste, was sie bei ihrer Heimkehr vom europäischen Festland sahen.

Pedro Pidal (1869-1941) kannte diese atemberaubende Bergwelt im grünen Norden Spaniens, in der sogar noch Wölfe und Bären zu Hause sind, wie seine Westentasche. Jahrelange ging er hier auf Jagd. Der Naturliebhaber und Politiker war es auch, der 1915 auf einer USA-Reise im Yellowstone-Nationalpark das Konzept geschützter Naturreservate kennenlernte und in Spanien einführte. Bereits 1918 weihte Alfons XIII. in Covadonga in den Picos de Europa den ersten Nationalpark Spaniens ein, der seit seiner Erweiterung 1995 nicht nur der älteste, sondern auch der größte des Landes ist. Heute erstreckt er sich auf 65 000 Hektar über Asturien, Kantabrien und Kastilien-Leon.

Den Nationalpark zunächst auf Covadonga zu taufen, hatte einen historischen Grund: Im Jahr 722 stopppte der westgotische Kriegsherr Pelayo in Covadonga die Araber, die in nur zehn Jahren fast die gesamte Iberische Halbinsel besetzt hatten. In den Berghöhlen formierte er den Widerstand und leitete 770 nach der Schlacht von Covadonga die Rückeroberung Spaniens ein, die erst 1492 unter den katholischen Königen mit der Einnahme Granadas endete. Pelayo wurde zum ersten König Asturiens gekrönt. Noch heute trägt der spanische Thronfolger den Titel Fürst von Asturien. Seitdem ist die Höhle mit der Basilika, in der Pelayo begraben ist, ein Nationalheiligtum und Wallfahrtsort. Der Trubel im Sommer ist enorm. Auch zu den etwas höher gelegenen Covadonga-Seen wie dem Lago de Enol zieht es Tausende. Doch es gibt unzählige Wanderwege, die von den Seen in die Bilderbuch-Bergwelt führen und die nicht überlaufen sind.

Amalia Menéndez hingegen freut sich auf die Urlauber. In ihrer kleinen Steinhütte am See verkauft die 84 Jahre alte Spanierin ihren Bergkäse, frische Eier und Milch. 20 Ziegen, ein paar Kühe und Hühner besitzt sie. Viele Tiere hat sie allerdings verloren. "Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Wölfe hier", sagt Amalia. Ihre Hütte besteht nur aus einem einzigen Raum. An der Wand sind auf schmalen Holzregalen die Käse zum Reifen aufgereiht. Es riecht nach Holzfeuer.

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Langsam geht die Sonne unter. Die Tagesausflügler kehren wieder in die weiter unten liegenden Bergdörfer wie Cangas de Onís, Arenas de Cabrales oder Bulnes zurück. Bulnes ist eines der wenigen spanischen Dörfer, das immer noch keine Straßenanbindung hat. Strom gibt es erst seit 1988. Seit 2000 führt eine Bergbahn in das niedliche Steindorf. Hier beginnt eine der wohl schönsten Wanderrouten zum 2519 Meter hohen Naranjo de Bulnes.

Fast acht Stunden dauert die Wanderung. Doch sie lohnt sich. Die Schluchten sind spektakulär, die Steilwände gigantisch. Der wie ein überdimensionaler Zahn aussehende Naranjo de Bulnes ist zwar nicht der höchste, aber der wohl schönste Berg der Picos de Europa. An der 500 Meter hohen Steilwand kommen jedoch nur erfahrende Kletterer hoch, die für den Auf- und Abstieg unter dem Gekreische unzähliger Adler und Geier fast den ganzen Tag brauchen.

Von Bulnes ist es nicht weit bis nach Poncebos. Hier startet der 28 Kilometer lange Wanderweg durch die atemberaubende Cares-Schlucht, eine der schönsten Bergwanderrouten Spaniens. Man sollte aber schwindelfrei sein, denn die Felsen fallen steil 100 Meter senkrecht ab. In den Picos de Europa findet jeder Wanderer eine Route nach seinem Geschmack - von der mehrtägigen Ruta de la Reconquista, der Rückeroberung, bis hin zu kurzen Wanderungen. "Für mich sind die Picos de Europa auf jeden Fall das mit Abstand spektakulärste Gebirge Spaniens überhaupt", meint Cesar später bei Fabada-Bohneneintopf, Cabrales-Käse und Sidra-Apfelwein.

(dpa)
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