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Meer oder Bergsee?
Wo Anfänger richtig surfen lernen

Wo man am besten Surfen lernen kann
Wo man am besten Surfen lernen kann FOTO: dpa, pla
Achensee/Kiel . Windsurfen für Einsteiger muss nicht teuer sein. Kurse gibt es auch in Deutschland. Aber wo fällt das Lernen leichter? Ein Selbstversuch am Tiroler Achensee und an der Kieler Förde.

Widerstandslos huscht das Windsurfboard übers Wasser. Der Rückenwind treibt mich vor sich her. Ein konstanter Luftstrom bläht das Segel, mein Board gleitet schneller, immer schneller. Keine unbequeme Böe, keine unerwartete Flaute bringt mich aus dem Konzept. Bei diesem perfekten Windsurf-Wetter droht mir selbst als Anfänger keine Blamage.

Windsurfen für Einsteiger - dafür muss ich als Deutsche nicht weit reisen. Ich kann zur Ostsee in den Norden fahren oder zu den Bergseen im Süden. Das wollte ich testen. Darum stehe ich nun auf dem Brett am Achensee in Österreich. Noch ahne ich nicht, wie sehr sich dieses Ausflugsziel von der windigen Wassersportstadt Kiel unterscheidet.

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Stattdessen stehe ich in voller Fahrt auf dem Surfbrett mitten auf dem Achensee. Ich werde mutig und hebe den Blick. Das lohnt sich: vor mir die sanften Kuppen der Karwendelberge, hinter mir die schroffen Klippen des Rofan, unter mir türkisblau schimmerndes Wasser. Das Geheimnis des karibisch blauen Sees ist sein heller Kalksteinboden. Die Einheimischen nennen den Achensee auch "Tiroler Meer", immerhin ist er mehr als neun Kilometer lang. Zugegeben, meine erste Surfstunde klappt überraschend gut.

Um 10.00 Uhr morgens war davon noch nichts zu ahnen. Als ich am Wassersportzentrum Achensee ankomme, ist tote Hose. Kein Blatt bewegt sich am Baum, die Flagge auf dem Bootssteg hängt schlaff am Mast herunter. "Was gibt es Schlimmeres für einen Windsurfer als totale Flaute", denke ich und bin enttäuscht.

"Der Wind kommt schon noch, hab etwas Geduld", brummt Surflehrer Uwe Pegert. Jetzt ahne ich, dass ich vielleicht doch bald auf dem Board stehen könnte. Pegert erinnert mich ein wenig an die Braungebrannten in den Hochglanz-Sportmagazinen. Die langen Haare baumeln auf seinen nackten Schultern, während er mir die Grundregeln erklärt.

Danach üben wir die Positionen im Trockenen. Zum Beispiel die Halse. Die 180-Grad-Drehung gilt als wichtigstes und spaßiges Manöver. Einen Anfänger wie mich kostet sie allerdings ziemlich viel Kraft. Ich ziehe das Segel dicht an meinen Körper und drehe es. "Denk daran, der Körper muss immer ein V mit dem Mast bilden", sagt Uwe Pegert.

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Damit ich ein wenig ruhiger werde, schickt mein Lehrer mich zunächst auf eine Wanderung über den Besinnungsweg. Das gehöre dazu, damit ich nicht ständig unruhig aufs Wasser schaue. Von Pertisau laufe ich hinauf zur Bergstation der Karwendel-Bahn - vorbei an 17 Stationen der Besinnung. Immer mit dem Panoramablick hinunter auf den Achensee.

Indes setzt langsam die herbeigesehnte Brise ein, auf die ich schon den ganzen Vormittag gewartet habe. Ich steige in die Seilbahn und fahre bergab Richtung Seeufer. "Der Höhenunterschied zwischen Bergen und See sorgt für eine Düsenwirkung, die uns kräftigen Wind beschert", hat mir Uwe Pegert vorher erklärt. Tatsächlich, auf meinen Lehrer ist Verlass: Punkt 15.00 Uhr setzt der Wind ein.

Ich steige in meinen Neoprenanzug, schließlich bin ich hier an einem Bergsee und nicht in der Karibik. Selbst im Sommer wird der Achensee nicht wärmer als 18 Grad. "Das ist noch gar nichts, wenn ich im Mai hier anfange, ist das Wasser acht Grad kalt - kälter als das Leitungswasser bei dir zu Hause", sagt Pegert.

Grinsend lasse ich meinen Lehrer am Ufer stehen und paddele los. Als ich auf dem Surfbrett bin, überkommt mich dann doch etwas Südsee-Feeling. Das türkisfarbene Wasser, die strahlende Sonne, die breite Seepromenade in Pertisau - da fehlt nur noch der Aperol Spritz im lässigen Korbsessel.

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Südsee-Feeling? Davon ist in Kiel an der Ostsee nichts zu spüren. Die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein bietet perfekte Wassersportbedingungen - vor allem eine kräftige Brise. Jedes Jahr im Juni findet mit der Kieler Woche die größte Segelveranstaltung der Welt statt.

Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Am letzten Tag der Kieler Woche kann ich noch die traditionelle Windjammerparade sehen, bevor ich mich selbst ins Wasser wage. Mit Zehntausenden Schaulustigen stehe ich im strömenden Regen am Ufer. "Kieler-Woche-Wetter halt, wie immer", sagt ein Kieler neben mir, lacht und rückt beiseite, damit ich unter seinem großen Regenschirm Platz finde. Die Zuschauer sind bestens ausgerüstet. Von dem "bisschen Regen" lassen sie sich nicht die Laune verderben.

Auch am nächsten Tag scheint die Sonne nicht, doch immerhin hat der Regen aufgehört. Durch die Stadt weht eine steife Brise. "Ja, das ist hier fast immer so, wir sind nun mal am Meer", sagt Volker Schöttke und grinst. Seit mehr als 15 Jahren betreibt er die Surf- und Segelschule Westwind am Falckensteiner Strand in Kiel.

Surf-Anfänger sind in der geschützten Förde gut aufgehoben. Darum wate ich nach einem kurzen Schnupperkurs gleich ins Wasser. Ein paar kräftige Windböen schieben mich auf meinem Surfbrett hinaus aufs Meer. Ich habe zu kämpfen - zurückkommen an den Strand ist gar nicht so leicht. Also steuere ich das Brett durch den kleinen Abschnitt im Wasser, der durch bunte Bojen markiert ist. Dabei beobachte ich die riesigen Segelschiffe in sicherer Ferne.

Zufrieden und erschöpft erreiche ich das Ufer. Ich atme die salzige Meeresluft ein und erinnere mich an die schöne Aussicht in den Bergen. Ganz so idyllisch ist es in Kiel nicht. Spaß gemacht hat es trotzdem.

(dpa)
 
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