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Israel
Alles für die Ewigkeit

Israel: Alles für die Ewigkeit
In Akko im Norden Israels waren die ganz großen Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Viele wollten die Kreuzritter-Festung erobern - und scheiterten. FOTO: Thinkstock/praga2012
Kreuzritter, Kindsmörder, die erste Modeboutique und Kapitalismus im Kibbuz - das Land der Bibel hat eine Menge interessanter Geschichten zu erzählen. Von Angela Böhm

Dieser graue Dreitagebart unter der spitzen Nase lässt Amos Baron ernst aussehen. Keine Spur von Humor ist bei dem 73-Jährigen zu erkennen. Bis er diesen mickrigen Feigenbaum entdeckt. "Das ist die erste Modeboutique der Welt", erklärt er trocken. Als Adam und Eva sich ihr Feigenblatt aussuchten, habe Adam gleich zum größten gegriffen. "Lass das", habe Eva gesagt. Das kleinere reiche auch. Dabei geht es gerade hier um das ganz Große, um die Macht der Mauern, um Stärke und Glauben, um die Ewigkeit.

Die kümmerliche Pflanze, deren Blätter durch das Alte Testament berühmt wurden, steht am Geheimtunnel der umkämpften unterirdischen Kreuzritter-Festung Akko im Norden Israels. 350 Meter lang wurde er in den Felsen geschlagen, um die gewaltigen Steinhallen, Gewölbe und Kammern unbemerkt mit dem Hafen zu verbinden.

Israel: Städte und Sehenswürdigkeiten FOTO: Shutterstock.com/ Oleg Zaslavsky

Mehrere Jahrhunderte war die Stadt am Mittelmeer mit ihren Kirchen, Klöstern, Moscheen und Minaretten das Eingangstor zum Paradies, zum Gelobten Land. Alle waren da: Alexander der Große, die schöne Kleopatra, Julius Cäsar, Apostel Paulus, Sultan Saladin, der mutige Richard Löwenherz, der demütige Franz von Assisi, der gleich ein Franziskanerkloster gründete, und auch der eroberungswütige Napoleon, der nach 61 Tagen Belagerung an den gewaltigen Mauern scheiterte. "Jeder wollte zeigen, wie stark und mächtig er ist", sagt Baron. Seit 30 Jahren zeigt er Besuchern als Fremdenführer die Geheimnisse Israels.

Mit seiner Macht protzte auf dem halben Weg zwischen Haifa und Tel Aviv auch König Herodes der Große. Das Monster, die Inkarnation des Bösen, der ewige Kindsmörder, der in der Weihnachtsgeschichte alle Neugeborenen töten lassen will, um Jesus aus dem Weg zu räumen. So jedenfalls verbreitete es der Evangelist Matthäus. Eine Version, deren Wahrheit Wissenschaftler heute bezweifeln.

Im Alter von 30 Jahren wurde Herodes von den Römern als König eingesetzt. Er führte das Land zur wirtschaftlichen Blüte und zeigte seinen Reichtum. Eine prunkvolle Stadt mit Tiefseehafen, Amphitheater, Hippodrom, Tempel und einem pompösen Palast samt Swimmingpool ließ er aus dem Sand stampfen. Zu Ehren Caesar Augustus wurde sie Caesarea genannt.

Verewigt haben sich mit ihren Bauten auch ein Häufchen süddeutscher Christen, die sich Templer nannten. In Haifa, Tel Aviv und Jerusalem gründeten sie Kolonien. Sie errichteten Häuser wie in der alten Heimat, mit roten Ziegeldächern und frommen Sprüchen über der Eingangstür.

Städtereisen Tel Aviv - Was die weiße Stadt bietet FOTO: dpa, pla

Sogar der deutsche Kaiser Wilhelm II. besuchte sie und lobte, "dass ihr gezeigt habt, wie man es machen muss, um in diesen Ländern dem deutschen Namen Achtung zu verschaffen". Mit der war es bald vorbei. Die Schwaben hissten Hakenkreuzfahnen und feierten Hitler, der die Juden vergasen ließ. Sie mussten Israel verlassen. Ihre Kolonien sind geblieben, stehen unter Denkmalschutz und sind gefragte Ausgehviertel.

Wie radikal sich im heiligen Land vieles ändert, will Zabo nicht recht realisieren. Der 75-Jährige mit dem langen weißen Bart gehört zu den Pionieren im Kibbuz "Ein Gedi" hoch über dem Toten Meer. Als sie hier anfingen, wollten sie aus einem Stück der Judäischen Wüste ein Paradies schaffen, in dem alle Menschen gleich und glücklich sind.

"Du sollst machen, was du kannst, dafür bekommst du von der Gruppe, was du brauchst - das war unser Ideal", sagt Zabo. In den vergangenen 60 Jahren haben sie dank einer versteckten Oase mit Trinkwasserquelle einen botanischen Garten mit über 1000 exotische Pflanzen aus aller Welt angelegt - und einen eleganten Wellnesstempel. Glücklich machen sie nun Urlauber, die die neue Geldquelle für den Kibbuz sind.

Das sozialistische Prinzip funktioniert längst nicht mehr. Der Vorzeige-Kibbuz hat nun einen Manager und jedes Mitglied eine Plastikkarte. Auf der wird abgerechnet. Wer mehr arbeitet, verdient mehr. "Das macht mich traurig", sagt Sabo und trauert seiner Wunschvorstellung von der Gleichheit aller nach.

Die Redaktion wurde vom Israelischen Tourismusministerium zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
 
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