| 08.17 Uhr

Lappland
Auf der Jagd nach dem Polarlicht

In der lappländischen Winternacht bekommen Besucher mit ein bisschen Glück auch tanzende Polarlichter zu sehen. Wer eine gute Kamera hat und weiß, was zu tun ist, kann die Verfärbungen am Himmel festhalten. Von Sascha Rettig

Die Fotomotive sind grandios. Nahezu unberührt liegt der Schnee über der weiten Wildnis Finnisch-Lapplands. Die Bäume sind zu bizarren Schneeskulpturen erstarrt. Die Äste trotzen dem Gewicht der frostigen Last. Nur das Standlicht der Schneemobile wirft ihre verschnörkelten Schatten in den Schnee, während das Örtchen Hetta in der Ferne in die Polarnacht glimmt. Die kleine Touristengruppe drückt die Stative standsicher in den Schnee und macht sich mit den Kameras über den Zauberwinterwald her. Nur Guide Kari Anunti schaut sich in aller Ruhe um. "Nicht viel Verkehr heute Abend", kommentiert der Same lakonisch die Menschenleere. Was noch viel entscheidender ist: Der Himmel ist so wolkenverhangen, dass keine Nordlichter zu sehen sind, die in diesen Jahren eigentlich besonders aktiv über die Himmel der Polarregionen tanzen.

Hoffentlich sind die Chancen in den nächsten Tagen besser. Dann kämen endlich auch die theoretischen Tipps der vergangenen Tage zum praktischen Einsatz. Einfach drauf los knipsen, funktioniert bei den Lichtspielen nämlich nicht. "Die Polarlicht-Fotografie ist sehr anspruchsvoll, weil man im Dunkeln und in der Kälte fotografiert", hatte Antti Pietikainen ein paar Tage zuvor zu Beginn der Reise in Muonio erklärt. Geschätzt über 200 000 Aufnahmen hat er bei seinen Natur-Streifzügen gemacht. Nun gibt er sein Wissen auf Foto-Touren an ambitionierte Touristen weiter.

Eine Spiegelreflexkamera mit großem Sensor sei schon mal ein guter Anfang, ebenso wie ein lichtstarkes Objektiv mit einem Weitwinkel, damit viel aufs Bild passe, sagt er. Weil die Fotos nachts mit langer Belichtungszeit entstehen, gehöre auch ein geeignetes Stativ zur Ausstattung. Ein Ersatz-Akku, SD-Karten mit ausreichend Speicherplatz und ein Fernauslöser komplettierten die Grundausrüstung.

Um die Lichter besonders intensiv zu sehen, empfiehlt Antti wegzugehen von den erleuchteten Straßen und Städten. Und auch für die Aufnahmen selbst hat der Finne noch einen Vorschlag: "Die werden in der Regel interessanter, wenn man das Polarlicht mit einem anderen Motiv kombiniert - der Landschaft etwa oder einer Person, die einen Schnee-Engel macht oder den Mond in den Händen hält."

Aber dazu muss sich Aurora Borealis erst einmal blicken lassen. Die Internet-Vorhersagen geben auch an diesem Abend kaum Hoffnung. Der Grund: Die Bewölkung. Dennoch bleibt es bei der Schneeschuhwanderung am nächsten Tag, bei der die Grundvoraussetzungen zur Nordlicht-Jagd zumindest ideal wären.

Gareth Hutton wartet dafür bereits in Kilpisjärvi im Dreiländereck zwischen Finnland, Schweden und Norwegen. Er ist kein finnischer Naturbursche, sondern ein Neuseeländer, der wegen der Liebe auf unbestimmte Zeit in Finnland blieb und sich inzwischen seine Kenntnisse als Outdoor-Guide zunutze macht und die Touren durch die Wildnis gern mit kleinen Crash-Kursen zur Polarlicht-Fotografie kombiniert - so wie nun auch auf der Schneeschuhwanderung durchs nordische Nirgendwo, hoch über dem Polarkreis.

16 Kilometer führt sie hin und wieder zurück durch die hügelige und tief verschneite Fjell-Landschaft - inklusive Hüttenübernachtung. Weil es zur Polarnacht bereits am frühen Nachmittag dunkel wird und der Himmel ohnehin bewölkt ist, stapft die Gruppe mit den Kunststofflatschen unter den Schuhen erst einmal los. Erst am Abend, während die Hütte durch das Feuerchen langsam aufheizt, geht es wieder um die Polarlichtfotografie: Der Blitz macht keinen Sinn und auch den Autofokus sollte man ausschalten, weil er in der Dunkelheit nicht funktioniert, meint Gareth. Er empfiehlt ohnehin, eine Kamera zu verwenden, bei der alle Einstellungen manuell vorgenommen werden können. "Man stellt die Schärfe auf "unendlich" und eine offene Blende ein, damit möglichst viel Licht auf den Sensor fällt", sagt der leidenschaftliche Nordlichtfotograf. Da jede Situation mit Polarlichtern anders ist, muss man mit den ISO-Werten, also der Lichtempfindlichkeit und der Belichtungszeit, experimentieren.

Als Gareth mit seinen Erklärungen fertig ist, lassen auch die Schneeböen nach. Der Himmel reißt auf und Sterne funkeln hell und klar. Kurz vor Mitternacht ist eigentlich eine gute Zeit für Polarlichter, die mal nur ganz kurz, meist aber etwas länger und teilweise Stunden dauern können - nur heute ist beim Blick in Richtung Norden weiterhin nichts zu sehen.

Einfach auf gut Glück macht Gareth daher eine Aufnahme in die Nacht - und siehe da: Was die Augen nicht ausmachen können, hat die Kamera entdeckt. Ein Polarlicht, das sich wie ein schwaches, grünes Band auf seinem Foto über den Sternenhimmel legt. Dabei bleibt es dann aber in dieser Nacht. Und auch auf dem Rest der Reise verweigert der Himmel die Erleuchtung.

Doch nicht nur die eindrucksvollen Winterlandschaften Lapplands entschädigen für den Ausfall. Auch das neue Fotowissen ist nicht verloren. Das Hoch für Nordlicht-Aktivität soll noch eine Weile anhalten.

Der Autor wurde von dem Finnland-Reisespezialisten Fintouring zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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