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Safari in Sambia
Auf Du und Du mit dem Nilpferd

Auf Abenteuersafari in Sambia
Auf Abenteuersafari in Sambia FOTO: dpa, pla
Mfuwe. Sambia ist ein Außenseiter. Es hat weder die größten und tierreichsten Parks noch die lebendigsten Städte und kulturelle Pflichtstopps. Genau das hat seinen Reiz: Das Land bietet die volle Dosis Afrika und Abenteuer - ohne Massen anzuziehen.

Das Abenteuer beginnt erst richtig, als das Nilpferd am Fenster auftaucht und laut furzt. Mitten in der Nacht, keine Beleuchtung. Das Tier schnaubt, raschelt außen an der Zeltwand. Es folgt noch ein Geräusch, das an Magenprobleme erinnert. Dann raschelt es wieder, das Tier tapst davon und plumpst unweit der Unterkunft ins Wasser des Sambesi-Flusses.

Zurück bleibt ein schnell schlagendes Herz. Und die Aufregung, unbedingt sofort jemandem vom leibhaftigen Flusspferd ganz nah am eigenen Bett erzählen zu müssen. Aber da ist keiner in der Nähe. Auch das Handy hat keinen Empfang in der weitläufigen "Royal Zambezi Lodge" an der Grenze zum Lower Zambezi National Park.

Wo man wilde Tiere sehen kann FOTO: dpa, frg vfd

Wer durch Sambia reist, kommt wilden Tieren ganz nah. Vor allem in den Nationalparks sind sie die Attraktion. Gerade die Lodges verkaufen sich mit dem Erlebnis Tier. Da sind Affen, die das Obst vom Frühstückstisch klauen, schon fast langweilig.

Aufregender ist der Elefant, der im Fluss hinter dem Hotelpool eine Dusche nimmt. Oder das Zebra, das nachts auf dem Weg von der Bar zum Zimmer seelenruhig und Gras schmatzend die angesäuselten Barbesucher betrachtet. Blitzlichtgewitter vertreibt das Tier nicht.

Solche Erlebnisse gibt es in allen Nationalparks in Ost- und Südafrika, etwa in der weltberühmten Serengeti in Tansania oder im Krüger-Nationalpark in Südafrika. Warum also nach Sambia reisen, jenes Land dazwischen am mächtigen Sambesi? Weil einem hier das Abenteuer mit dem Nilpferd exklusiv gehört.

Unterwegs in der Savanne von Kenia FOTO: shutterstock/ Andrzej Kubik

Sambias Tourismus steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Schickere Mittelklasse-Hotels muss man suchen. Es gibt vor allem Campingplätze und Lodges mit einfachen Hütten, die von den sogenannten Overlandern angesteuert werden. Das sind Busse oder umgebaute Lastwagen mit Bordküche voller zeltender Abenteuerurlauber, die zwischen Nairobi und Kapstadt unterwegs sind.

Und da sind die Luxus-Lodges mit Übernachtungspreisen ab 500 Euro, die verwöhnten Reisenden jeden Komfort bieten. Dazu gehören klimatisierte befestigte Zelte und Daunenkissen. In der Safari-Pause wird mitten in der Steppe auch mal Pizza aus einem Steinofen serviert. Optisch vermitteln die Lodges mit ihren Hütten und Komfortzelten aber noch den Anschein eines Campingurlaubs.

Zu Besuch im Akagera-Nationalpark in Ruanda FOTO: dpa, lea

Sambias Tourismus will sich entwickeln. Bis 2030 soll das Land im südlichen Afrika zu den Top-Fünf-Reisezielen in Afrika gehören, hat das Tourismusministerium als Ziel ausgegeben. 2015 reisten nur 1,7 Prozent aller Afrika-Touristen nach Sambia. Aus Europa waren es rund 89 000 Gäste, bei 932 000 internationalen Touristen.

Viele Reisende stellen sich die Frage: Was tun in Sambia? Dabei gibt es in dem demokratischen Commonwealth-Mitgliedstaat 20 Nationalparks. Ein Drittel der Fläche des Landes nehmen sie ein.

Und es gibt ein großes Highlight: die Victoriafälle. Über eine 1700 Meter breite Abbruchkante stürzt der Sambesi in eine gut 110 Meter tiefe Schlucht. Gemessen an Höhe und Breite entsteht dort in der Regenzeit der größte Wasservorhang der Erde.

Doch das ist noch kein füllendes Programm für eine Sambia-Rundreise.
Viele nehmen die Victoriafälle auf einer Reise gen Norden oder Süden mit, auf Durchreise. Oder sie kommen nur für ein paar Stunden über die Grenze nach Sambia - denn der größte Teil der Fälle und die besten Aussichtspunkte liegen in Simbabwe, das an Ort und Stelle mit der gleichnamige Stadt Victoria Falls, auch Vic Falls genannt, ein kleines Touristenzentrum geschaffen hat.

Dabei ist Sambia nicht egoistisch. Es will sich die Touristen möglichst mit seinen Nachbarn teilen, erklärt Mwabashike Nkulukusa, Marketing-Direktor von Sambias Tourismusbüro. Das größte Potenzial sieht er in länderübergreifenden Kombinationsreisen.

Und doch hat gerade das noch dünne touristische Netz in Sambia seine Vorteile für Reisende. Die Lodges in den Parks werben auch mit der Abwesenheit der Massen und der Exklusivität des Abenteuers. Manche bieten nur Platz für eine Handvoll Gäste.

Man landet dann mit einem kleinen Buschflugzeug auf einer unbefestigten Piste mitten in den Nationalparks. Es gibt kein Haus und kein Terminal. Nur ein paar Geländewagen warten auf die neuen Gäste, die Lodge-Mitarbeiter reichen Fruchtpunsch zur Begrüßung. Manchmal muss der Pilot vor der Landung sogar noch ein paar Zebras oder Antilopen mit einem Vorbeiflug vom Landefeld verscheuchen.

"Und manchmal stehen hier am Flugfeld auch Kinder mit offenem Mund, die noch nie ein Flugzeug gesehen haben", erzählt Pilot Sebastian Matla. Der Niederländer war lange in Südafrika tätig. Doch er kehrte dem Massentourismus bewusst den Rücken, unbefestigte Start- und Landebahnen und einsame Buschflieger reizen ihn mehr.

Und auch die Safarifahrten sind einsamer, als man das etwa in der Serengeti erlebt. Dort versammeln sich häufig mehr als zehn Wagen um ein paar Löwen. In Sambia sieht man den zweiten Wagen der eigenen Gruppe selbst in den besser besuchten Gegenden wie dem Lower Zambezi National Park oder dem South Luangwa Park oft erst zum Abendessen wieder.

Begegnungen mit Gnus, Zebras, Löwen, Leoparden und Giraffen gehören einem hier fast alleine, genau wie das Fotomotiv für zu Hause. Oder man sitzt in dem einzigen Boot weit und breit, durchkreuzt auf dem Sambesi den geschützten Bereich des Nationalparks, während Flusspferde, Krokodile und Elefanten im Wasser baden.

Dafür dauert die Tiersuche in Sambia oft länger. Die Big Five aus Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard zusammenzubekommen, ist eine Herausforderung für die Guides. "Erst in der Trockenzeit gruppieren sich die Tiere stärker und sammeln sich an den Flüssen", erklärt Safari-Guide James Chabbuka, 48, der für die "Mfuwe Lodge" arbeitet. "Dann wird es einfacher."

Aber er und seine Kollegen im South Luangwa Park kennen selbst in den grüneren Zeiten die beliebten Treffpunkte der Tiere. Und über den Buschfunk verraten sie sich gegenseitig die Koordinaten - woraufhin James aufs Gas drückt und rasant über die staubigen Wege prescht.

Die Tiere scheint die Anwesenheit der Touristen zu stören. So regt sich eine Herde Elefanten auf, als der laute Wagen sich ihnen am Wasserloch nähert. Eine alte Kuh kann nicht an sich halten, brüllt und trötet aus vollem Rohr. Dann trabt sie mit weit aufgestellten Ohren in einem unerwarteten Tempo los. "Festhalten", ruft Chabbuka und drückt wieder aufs Gas. Und doch lacht er, als er ein paar Hundert Meter weiter hinter einer Kurve den Wagen wieder stoppt.

Von Nervosität und Angst keine Spur. Die Kuh trötet noch in der Entfernung, hat aber ihre Verfolgung aufgegeben. James kennt solche Situationen. Sie sind nicht selten, aber auch nicht allzu brenzlig, sagt er. Die Guides im South Luangwa Park haben nicht einmal Gewehre bei sich.

Ein ganz besonderes Abenteuer spielt sich hier auch einmal im Jahr in der im Park gelegenen "Mfuwe Lodge" ab. Denn dann sind die süßen Mangos im Garten der Hotelanlage reif - und das lockt Elefanten in der näheren Umgebung an. Ganze Herden mit Babys ziehen friedlich an der Rezeption vorbei durch die Lobby zum Baum. Und die Touristen? Die werden hinter den Tresen gebracht und dürfen den Zug aus nächster Nähe fotografieren.

(dpa)
 
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