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Dominica
Auf den Spuren der Einheimischen

Kalinago - Die Einheimischen von Dominica
Kalinago - Die Einheimischen von Dominica FOTO: dpa, lea
Roseau. Im Nordosten von Dominica leben die Kalinago. Lange wurden sie diskriminiert, gar als Kannibalen verleumdet. Doch nun wollen sie der Welt selbstbewusst ihre Lebensweise präsentieren. Zwei Dörfer zeigen die Kultur von gestern und heute.

Nein, wie ein Indianerhäuptling sieht Irvince Auguiste nicht aus. Keine Federn im Haar, kein Stirnband, kein Fransenhemd. Der kleine, stämmige Mann trägt Capri-Jeans über Plastiklatschen, T-Shirt und eine Kappe über dem dünnen Pferdeschwanz. "Wir verkleiden uns nicht und wir spielen nichts vor", sagt Auguiste. Als er 21 Jahre alt war, wählten ihn die Kalinago auf der Insel Dominica zu ihrem Chief, keiner war je jünger.

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Nun, mit 52, verfolgt Auguiste ein neues Projekt: In seinem Dorf Touna will er Touristen zeigen, wie die Kalinago, eines der letzten indigenen Völker der Karibik, heute leben. Er will ihre Geschichte und Kultur erklären. Touna ist selbst nach Kalinago-Maßstäben abgelegen. Als die Engländer den Indigenen im Jahr 1903 ein Reservat zuwiesen, wählten sie dafür einen rauen Teil der Ostküste, durch hohe Dschungelberge von der Hauptstadt Roseau getrennt. Sieben der acht Dörfer des Kalinago Territory liegen am Meer. Nur Touna versteckt sich hinter den Hügeln der Horseback Ridge.

Hat man es erstmal zum Dorf geschafft, ist es leicht, Irvince Auguiste zu finden. Jeder der rund 140 Dorfbewohner weiß, wo er wohnt. Der Ex-Chief bittet gleich an den Esstisch in sein Haus. Seine Frau werkelt in der offenen Küche, Jazz dudelt. "Unser Leben ist auf der einen Seite modern, auf der anderen Seite sind wir autark", sagt Auguiste. "Wir haben Kabel-TV und Internet, aber wir essen, was wir selbst angebaut haben", erzählt er. "Mein Ziel ist, mit den Gästen ein Drei-Gänge-Menü zu kochen, ohne zum Supermarkt gehen zu müssen."

Ein Grund für den genügsamen Lebensstil der Kalinago ist freilich die schiere Armut. In Dominica stehen sie auf der sozialen Leiter ganz unten. "Wir sind immer diskriminiert worden", sagt Auguiste. Lange hatten sie keinen Zugang zu Schulen und Ärzten, keine Chance auf einen guten Job. "Noch heute betrachten uns manche Dominicaner als minderwertig. Aber es wird besser."

Fotos: Miami - die amerikanische Karibik FOTO: Shutterstock/ alexmillos

Vor kurzem hat die Regierung des Inselstaats mit 70 000 Einwohnern das Kolonialwort "Kariben" aus den offiziellen Dokumenten gestrichen. Viele Kalinago empfinden es als beleidigend, weil stets die Schauermär von den menschenfressenden Wilden mitschwingt. Die "Fluch der Karibik"-Filme mit Johnny Depp am Röstspieß haben den Mythos fröhlich weiter getragen. Zumindest haben ein paar Dutzend Kalinago bei den Dreharbeiten auf der Insel ein gutes Zubrot verdient. Da es Dominica versäumte, seine Beteiligung an den Blockbustern zu vermarkten, blieb der Tourismusboom aus. Es kommen weiter vor allem Kreuzfahrtschiffe sowie vereinzelte Wanderer und Naturliebhaber auf die winzige Insel zwischen Martinique und Guadeloupe. Nach Touna schafft es kaum einer.

Die Reisegruppen, die in der Kreuzfahrtsaison für ein paar Stunden ins Kalinago Territory gefahren werden, besuchen meist das Kalinago Barana Autê. Das Museumsdorf ist ungleich fotogener als Touna. Die Regierung ließ hier strohgedeckte Hütten aufbauen, wie sie die Menschen vor der Ankunft von Columbus bewohnten. Im Zentrum steht ein Taboui-Haus, in dem früher der Chief und die anderen Männer in Hängematten schliefen und ihre Waffen lagerten. Im Nachbau treten Tänzer auf, wenn sich eine Reisegruppe angekündigt hat.

Der Rundweg durch das Barana Autê führt weiter zu den Mwina-Hütten, in denen Frauen und Kinder schliefen. In einer Hütte backt eine junge Frau über dem Feuer Brot aus Maniok, geriebener Kokosnuss und Ingwer.
Und auf dem Weg zurück vom Wasserfall kann man dabei zusehen, wie Frauen aus Larouma-Riedgräsern Körbe flechten. Bald soll auch vorgeführt werden, wie man einen Gommier-Baum mit Äxten zu einem Kanu aushöhlt. In solchen Einbäumen ruderten die Kalinago einst aus dem Orinoko-Delta den Bogen der kleinen Antillen hoch.

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Irvince Auguiste sieht das Barana Autê als Ergänzung zu seinem Projekt. "Hier haben wir ein lebendiges Dorf." Er setzt vor allem auf die Wanderer, die den Waitukubuli Trail gehen. Der 185 Kilometer lange Fernwanderweg führt durch das gesamte Kalinago Territory. Bisher kann man in Touna allerdings erst in zwei Häusern übernachten.
Deshalb baut Auguiste nun einen Zeltplatz mit Hütten, in die man Hängematten spannen kann. Und das Gerüst eines Pavillons für Tänze und Musik steht auch schon. Ganz ohne Show geht es dann doch nicht.

(dpa)
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