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Provinz Labrador
Fünf Tipps für den Urlaub in der kanadischen Wildnis

Oh du wildes Kanada!
Oh du wildes Kanada! FOTO: dpa, zeh
L'Anse-Amour. Urlauber, die zum ersten Mal nach Kanada reisen, fahren nicht nach Labrador. Diese unwirtliche Provinz am Nordatlantik - gegenüber von Grönland - hebt man sich für später auf. Davon träumt man erst mal - bis man reif ist für diese "Last Frontier"-Gegend.

Es ist schon ziemlich einsam in Labrador, das wird auf der Fahrt durch die Tundra-Landschaft klar. Was, wenn jetzt auf der endlosen Schotterpiste ein Reifen platzt? Vermutlich trifft man eher auf ein Rentier als auf einen der 28 000 Einwohner. Denn die verteilen sich auf eine riesige Fläche, so groß wie Deutschland ohne Bayern. Also, der Vorab-Tipp: Abenteuerbereitschaft mitbringen! Fünf weitere Tipps für Labrador-Einsteiger:

Im Point Amour Lighthouse Labrador-Tee trinken

Alte Wrackteile liegen verstreut am Ufer nahe dem Dorf L'Anse-Amour im Süden von Labrador. Der Nebel wurde vielen Schiffen zum tödlichen Verhängnis. "Point of death, Ort des Todes, nennen wir diese enge Eingangsstelle zum Sankt-Lorenz-Golf", sagt Valarie O'Brien, die Touristen durch den historischen Leuchtturm führt. Der wiederum heißt Point Amour, ganz verführerisch. Warum, weiß sie nicht.

Nicht wie ein Liebesnest, sondern eher wie ein behagliches Wohnzimmer wirkt der Leuchtturm von 1857, ausgestattet mit originalen Möbeln. Richtig gemütlich wird es, als Valarie milden Labrador-Tee aus selbst gesammelten Blättern kredenzt. "Dieser Kräutertee besteht aus wilden Grönland-Porsts, einer Art Rhododendron", erklärt sie, "den tranken schon die Inuit, die Ureinwohner."

Da kann man sich gut vorstellen, wie draußen der Wind peitscht und Jeff Wyatt, einer der früheren Leuchtturmwärter, gleich die 132 Turmstufen bis oben zur Signallampe erklimmt. Mehrmals täglich tat er das, 44 Jahre lang. Direkt am Fuße des Turms strahlt das Wohnhaus des Leuchtturmwärters ganz in Weiß mit rotem Dach. Da übernachten inzwischen Touristen. Denn seit 1995 läuft der Leuchtturm automatisiert. Die Ära der Leuchtturmwärter ist vorbei, aber in Point Amour ist sie gut konserviert.

Eindrücke von Kanadas National Waterton Lakes FOTO: dpa, pla

Wale und Eisberge beobachten

Labrador ist einer der besten Orte weltweit, um Wale und Eisberge zu beobachten. Wer großes Glück hat, bekommt beides gleichzeitig vor die Linse. Das geht sogar vom Land aus. Auf dem "Labrador Pioneer Footpath" führen rund 110 Kilometer markierter Wanderweg an der Küste entlang. Da heißt es: einfach nur Augen auf! "Oder man informiert sich auf icebergfinder.com über die aktuelle Position von Eisbergen", erklärt Carmen Hancock. Die Kanadierin organisiert Outdoor-Touren und glaubt fest an künftig steigende Touristenzahlen in Labrador.
Massentourismus muss hier aber niemand fürchten.

Eine Bootstour zu Eisbergen und Walen gehört zu einer ersten Labrador-Reise einfach dazu. "Ahs!" und "Ohs" sind garantiert. Oder aber, es verschlägt einem demütig die Sprache, wenn das Boot an die schwimmenden Berge aus Jahrtausende altem Eis herantuckert.

Den weiten Weg von Europa kamen die Basken zum Walfang in die Red Bay an der Küste Labradors jeden Sommer von 1530 bis 1610. Viel ist von den baskischen Walfängern heute nicht mehr zu sehen. Dennoch gilt der ehemalige Basken-Hafen als einer der besterhaltenen in der Neuen Welt. Archäologen haben sogar Kleidungsstücke aus dem 16. Jahrhundert ausgegraben, die im Museum der Unesco-Stätte ausgestellt sind. "1000 Basken fingen insgesamt 25 000 Wale und verarbeiteten sie in diesem Hafen zu Walöl für Lampen in Europa", sagt Phillip Bridle auf seiner Führung rund um die Bucht. Ausführlich berichtet der Kanadier von den Schiffswracks in der Red Bay und dem Friedhof der baskischen Walfänger. Nicht alle haben es zurück nach Hause geschafft.

Kanada: Schönheit Banff Nationalpark FOTO: Shutterstock/Karamysh

In Battle Harbour am Ende der Welt übernachten

Das ehemalige Fischerdorf Battle Harbour zählt in Kanada zu den "Einmal-im-Leben-Reisezielen". Die Anreise ist sehr aufwendig - Flug, Auto, Fähre. "Seit dem 18. Jahrhundert fingen Fischer hier Kabeljau im großen Stil", erläutert Daphne Smith und zeigt Fischerei-Gerätschaften von damals. Alles ist noch original erhalten. "Und mein Großvater war einer von ihnen." Das ist das Besondere an Battle Harbour: Die Gästeführer selbst oder ihre Vorfahren haben auf Battle Island gelebt. So erzählen sie die Geschichte ihrer eigenen Familie.

Montreal - Die Stadt, die alles hat FOTO: shutterstock/ Richard Cavalleri

Nach dem Kabeljau-Moratorium von 1992 verließen die Bewohner die Insel. Eine gemeinnützige Stiftung übernahm einige Gebäude und restaurierte sie. Nun nächtigen Touristen in den Häusern. Ohne Handyempfang, dafür mit Walen vor der Haustür.

"Der Ort besitzt eine große Magie", meint Janice Walsh und erzählt ihre Geschichte: Nach einem Schiffsunglück gelangte sie als Dreijährige hierher. Später musste auch sie gehen. Inzwischen besucht Janice ihre Insel immer wieder und hilft ehrenamtlich mit, Battle Harbour am Leben zu erhalten.

Ist das Einsteigerprogramm im Süden von Labrador absolviert, lässt es sich vom schwer zugänglichen, noch einsameren Norden der Provinz träumen: Es ist der Traum vom Torngat Mountains National Park - letzte Grenze der Zivilisation vor dem ewigen Eis. Das Basecamp ist nur mit dem Hubschrauber erreichbar. High-End-Tourismus im arktischen Klima, ohne Luxus, aber zu Luxus-Preisen. Die Gäste suchen die unbequeme Herausforderung in der Wildnis, heißt es, das Abenteuer in unberührter Naturlandschaft - Eisbären inklusive.

(dpa/ham )
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