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Staatstrauer im Urlaubsparadies
Gerüchte um Alkoholverbot in Thailand - das steckt dahinter

Staatstrauer im Urlaubsparadies: Gerüchte um Alkoholverbot in Thailand - das steckt dahinter
Die meisten Thailänder tragen schwarze Kleidung - zum Zeichen der Trauer über den Tod des Königs. FOTO: afp, LIS
Düsseldorf . Nach dem Tod von Königs Bhumibol wurde in Thailand Staatstrauer verhängt. Nun kursieren Gerüchte über Alkoholverbot, geschlossene Geschäfte, Bars und Clubs. Viele Touristen wollen ihre Reise stornieren. Was ist tatsächlich los im Urlaubsparadies? Von Susanne Hamann

Am 13. Oktober starb der in Thailand hoch verehrte König Bhumibol im Alter von 88 Jahren - viele Menschen bringen nun ihre Trauer zum Ausdruck. Eine Situation, die auch Folgen für Touristen hat. 

Zum einen, weil die sonst so bunten Kleider der Einheimischen in diesen Tagen durch schwarze oder zumindest dunkle Trauergewänder ersetzt wird. Zum anderen, weil eine einjährige Staatstrauer verhängt wurde, die mit vielen Regeln einhergeht: Die Besitzer von Bars und Clubs sind angehalten, entweder gar keine Musik zu spielen oder nur leise. Außerdem wurde die Full Moon Party im Oktober (17. Oktober) - für viele der Hauptgrund, nach Thailand zu reisen - abgesagt. Fragt sich: Wie ist die Stimmung in Bangkok, einer der größten Party-Städte der Welt? Wir haben bei Europäern vor Ort nachgefragt.

Selbst in Touristengegenden hört man kaum Musik

"Ich bin zwar zum ersten Mal hier, aber ich habe nicht den Eindruck, dass die Stadt besonders aus dem Gleichgewicht ist", sagt Johanna Wedekind. Die 30-jährige Kölnerin ist seit zwei Tagen in Bangkok. Es ist der Beginn einer dreiwöchigen Rucksackreise. "Das einzige was man merkt: Es ist insgesamt recht ruhig und still. Ich wohne in der Nähe der Khao San Road. Das ist die Haupttouristenstraße hier, und man hört kaum Musik." 

Auch der seit 20 Jahren in Thailand lebende Reiseblogger Richard Barrow gibt insgesamt Entwarnung auf seinem Blog.  "Kinos, Zoos und Touristenattraktionen sind alle ganz normal geöffnet. Auch die Nachtmärkte in Bangkok sind offen, wie sonst jede Woche." 

Alkoholverbot - richtig oder falsch?

Immer wieder tauchen im Netz außerdem Gerüchte über ein Alkoholverbot im Land auf. Für manche Urlauber, die wegen der vielen Partys nach Thailand reisen wollen, ein Grund, ihre Reise zu streichen. 

 

Barrows räumt auf seinem Blog ein: "Während der ersten Tage standen die Leute unter Schock. Bars und Clubs wurden gebeten zu schließen oder zumindest Musik und Lichter auszuschalten. Vielerorts wurde kein Alkohol mehr verkauft." Bereits nach den ersten drei Tagen habe sich die Situation aber entspannt, wie auch die thailändische Touristeninformation bestätigt.

Demnach gibt es kein generelles Alkoholverbot, sondern alle Ladenbesitzer können selbst entscheiden, ob sie Spirituosen verkaufen wollen oder nicht. In Supermärkten wie etwa "7/11" wurde innerhalb der ersten drei Tage nach dem Tod des Königs laut dem Reiseblogger deshalb gar kein Alkohol verkauft. Inzwischen startet dort der Verkauf täglich ab 17 Uhr. In vielen Geschäften wird die Alkoholabteilung jedoch überhaupt nicht geschlossen.

"Fotos in den sozialen Medien zeigen, dass sich das Nachtleben langsam wieder normalisiert, inklusive Lichtern und Musik. Das kann aber innerhalb des Landes variieren", schreibt Barrow auf seinem Blog. Auf der Halbinsel Phuket beispielsweise sollen die Nachtclubs und Bars schon seit einigen Tagen wieder die Musik aufdrehen.

Auch Wedekinds Erlebnisse sind entsprechend: "Ich habe an meinem ersten Abend in Bangkok ohne Probleme ein Bier bekommen", sagt die Thailand-Urlauberin. "Die Restaurants haben hier auch alle geöffnet, soweit ich das sehe." 

Zwang zu schwarzer Kleidung

Das Auffälligste ist für die 30-Jährige die dunkle Kleidung, die fast alle Einheimischen tragen - und tragen müssen. Immer wieder gibt es Berichte von Thailändern, die Landsleute bedrohen, weil sie ihrer Meinung nach nicht genügend trauern. Sowohl in Bangkok als auch auf der Urlaubsinsel Koh Samui ist es deshalb schon zu Zwischenfällen gekommen, bei denen Einheimische gezwungen wurden, vor einem Bild des Königs niederzuknien, um Respekt zu bekunden. Doch schwarze T-Shirts im Land sind längst knapp und ihr Preis steigt täglich. Manchen Thailändern bleibt nichts anderes übrig, als kreativ zu werden. Auf Majestätsbeleidigung stehen 15 Jahre Haft. 

Nicht nur die Einheimischen beobachten sich gegenseitig, auch das Militär hat ein Auge auf die Bevölkerung. In den sozialen Medien wird nach Majestätsbeleidungen gesucht, im Fußballstadion herrscht bei einem WM-Qualifikationsspiel Jubelverbot.  

Was für die Thailänder gilt, gilt nicht für Touristen

Urlauberin Wedekind hat aber nicht den Eindruck, von diesen Kontrollmaßnahmen betroffen zu sein. "Die Touristen hier betrifft das nicht, auch wenn viele in gedeckteren Farben herumlaufen oder eine schwarze Schleife am Arm tragen, um Respekt zu zollen. Sie machen das freiwillig." 

Wedekinds Fazit ist deshalb: "Man merkt es, aber ich finde nicht, dass es belastend ist. Die Leute im Touristenviertel wirken trotzdem unbeschwert. Mein Eindruck ist, dass es hier niemanden gibt, der sich durch die Situation gestört fühlt." 

Während sich die Thailänder darauf einstellen müssen, dass wegen der Staatstrauer in den nächsten Monaten viele kulturelle Festivals und Konzerte ausfallen und es eine Änderung der Feiertage geben wird, hat die Situation für Touristen einen wesentlichen Vorteil: Der Besuch aller städtischen Museen und historischen Parks in Thailand ist bis zum 31. Januar kostenfrei.

Der Königspalast allerdings wird wegen der Trauerfeierlichkeiten noch mindestens bis zum 11. November für Touristen geschlossen bleiben. 

(ham)
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