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Lombok
Was Indonesiens Chili-Insel zu bieten hat

Lombok - Indonesiens wilde Insel
Lombok - Indonesiens wilde Insel FOTO: dpa, pla
Kuta. Bisher stand Lombok im Schatten ihrer bekannten Schwesterinsel Bali. Doch Indonesiens Chili-Insel lockt immer mehr Touristen an - mit einsamen Stränden, legendären Surfspots und Vulkanen.

Suhardi nähert sich und grüßt schon von weitem mit einem freundlichen "Hello". Viele Urlauber am Strand von Kuta verdrehen die Augen und winken mit einem "No thank you" ab. Man kann es ihnen kaum verübeln. Die meisten waren vorher auf Bali, wo Verkäufer von Souvenirs und Softdrinks die Touristen am Strand oft um die ersehnte Ruhe bringen.

Doch Kuta im Süden der indonesischen Insel Lombok hat nur wenig gemein mit der gleichnamigen Pauschaltouristen- und Partyhochburg auf Bali. Noch dreht sich hier nicht alles um die Touristen. Auch Suhardi möchte weder Kokosnüsse noch Webarbeiten verkaufen. Er will einfach nur mit den Touristen am Strand reden. Genauer gesagt ist er an Fremdsprachen interessiert. Suhardi ist Englischlehrer aus einem benachbarten Dorf und hat einige seiner Schüler dabei.

Das sind die zehn schönsten Strände Asiens FOTO: Shutterstock/Narongsak Yaisumlee

Ein holländisches Pärchen willigt ein, sich ein wenig mit ihnen zu unterhalten. Arti, Lintang und Susila setzen sich schüchtern neben die Urlauber in den Sand. Obwohl es schwül-heiß ist, tragen sie schwarze Gewänder und rosafarbene Kopftücher. Moment mal? "Lombok ist wie fast alle indonesischen Inseln muslimisch. Das vergessen die Ausländer häufig, weil die meisten nur das hinduistische Bali kennen", erklärt Suhardi.

Urlaub auf Lombok wird immer beliebter

Sah es zunächst so aus, als würden die holländischen Urlauber Suhardi einen Gefallen tun, ändert sich die Situation schnell. Der Lehrer und seine Schüler erzählen den Touristen von ihrer Kultur und den Traditionen, aber auch von regionalen Spezialitäten wie Plecing Kangkung oder Nasi Puyung, die auf jeden Fall zu probieren sind. Wer in den Warungs, kleinen Garküchen, Essen bestellt, wird schnell merken, dass in Lombok gerne mit der scharfen Chili-Sauce Sambal gekocht wird. "Nicht umsonst bedeutet Lombok in unserer Sprache Chilipfeffer", erklärt Suhardi den Holländern.

Der Lehrer ist zufrieden. Das Englisch seiner Schüler ist zwar nicht sonderlich gut, aber immerhin konnten sie hier ein wenig mit Ausländern üben. "Seit ein paar Jahren nimmt der Tourismus auf Lombok generell zu. Im Fremdenverkehr wird es künftig viele Arbeitsplätze geben. Deshalb sollen meine Schüler ihr Englisch verbessern", erklärt Suhardi.

Tatsächlich wird Lombok immer beliebter bei Indonesien-Urlaubern, die auf der Suche nach wenig überlaufenen Stränden und ursprünglichen Inseln sind. In den dünn besiedelten Norden verirren sich vor allem Naturfreaks und Wanderer. Die meisten kommen, um den zweithöchsten Vulkan Indonesiens, den Gunung Rinjani, mit seinen smaragdgrünen Kraterseen zu besteigen. Die stolze Höhe: 3726 Meter. Wanderungen durch die vulkanische Gebirgslandschaft gehören zu den touristischen Höhepunkten auf Lombok. Viele machen auch Dschungelwanderungen zu den Wasserfällen Sindang Gile und Jeruk Manis.

Bali- Insel der Götter

Lomboks Sehenswürdigkeiten

Im Westen und Zentrum Lomboks locken hingegen Reislandschaften und asiatische Tempelanlagen mit terrassenartig angelegten Gärten und Wasserbecken wie in Narmada, Lingsar oder Cakranegara. Es handelt sich um hindu-balinesische Tempel, denn Lombok wurde erst im 17.
Jahrhundert vom Islam unterworfen. Einer der schönsten und ältesten balinesischen Tempel ist Batu Bolong, der spektakulär auf einer Felsenklippe steht. Vom hinduistischen Tempelberg Gunung Pengsong hat man eine wunderschöne Aussicht auf die gesamte Westküste. Auf den Treppenstufen zum Gipfel muss man sich aber vor den wilden Affen hüten, die öfters versuchen, Handtaschen oder Kameras zu stehlen.

Viele vergleichen Lombok mit Bali vor dem Sündenfall. Schlendert man über die Gewürzmärkte kleiner Dörfer im Inselinneren, mag der Vergleich stimmen. Hier trifft man auch noch auf die traditionelle Sasak-Kultur. Die meisten der 3,2 Millionen Einwohner Lomboks gehören dieser Volksgruppe an. Sie bekennt sich neben dem Islam häufig auch noch zur alten Wetu-Telu-Religion. Die Sasak sind bekannt für ihre Webarbeiten. Immer häufiger werden ihre aus Alang-Alang-Gras gebauten Dörfer aber touristisch ausgeschlachtet - wie in Sade und Rambitan.

Der Tourismus auf Lombok steckt noch in den Kinderschuhen. Mit der Beschaulichkeit könnte bald aber schon Schluss sein: An der Westküste mit ihren palmengesäumten Buchten wurden an den weißen Sandstränden bereits Dutzende Hotels hochgezogen. Vor allem zwischen Senggigi und Mangsit entstanden in den vergangenen Jahren jede Menge Restaurants, Bars, Tauchschulen und Ausflugveranstalter.

Flughafen auf Lombok eröffnet

Seitdem vor drei Jahren im Süden der Insel ein internationaler Flughafen eröffnet wurde, haben Tourismusunternehmen und Hotelketten vor allem Lomboks wilde Südküste bei Kuta im Visier. Bis vor kurzem galt sie noch als Geheimtipp unter Surfern. Nach dem Wellenreiten hatten sie halbmondförmige Traumbuchten wie Mawun oder Tanjung Aan praktisch für sich allein.

Die Surfbretter an eine Seite des Mopeds geschnallt, rattern die Surfer die Küste auf der Suche nach den besten Spots entlang. Die Straßen sind holprig und mit Schlaglöchern übersäht, führen aber durch faszinierende Landschaften mit Tabak- und Reisfeldern. Immer wieder kreuzen Wasserbüffel und Hühner die Wege. Das Abenteuer lohnt sich, verspricht Rasta, der in der Bucht von Selong Belanak Surfen unterrichtet: "Dieser Ort ist magisch, hat das ganze Jahr über gute Wellen und die schönsten Sonnenuntergänge der Insel."

Die von grünen Hügeln umrahmte Bucht ist mit ihrem flach abfallenden Strand und den rustikalen Bars aber auch perfekt zum Abhängen und Schwimmen. Der weiße Sand und die Reggae-Musik lassen Karibik-Flair aufkommen. Bei Bintang-Bier, Nasi Goreng und frischem Fisch schauen ein paar Urlauber zu, wie die Fischer am Abend mit ihren traditionellen Booten auf das Meer hinausfahren. Noch ist Selong Belanak ein kleines Fischerdorf. Doch wie in Kuta eröffnen auch hier immer mehr Pensionen, Shops und Restaurants.

Komodo - Indonesiens Insel der Drachen FOTO: Shutterstock.com/ Richard Susanto

Bericht von den Gili-Inseln

Bisher konzentriert sich der Tourismus in Lombok vor allem auf die drei vorgelagerten Inseln Gili Meno, Gili Air und Gili Trawangan. Kein Zweifel: Die winzigen Inselchen sind wunderbar zum Entspannen und Baden - aber auch zum Feiern. Vor allem auf der Hauptinsel Trawangan haben viele hippe Strandlokale und Tauchschulen eröffnet.

Zum Sonnenuntergang kann man mit Pferden über den Strand reiten oder eine Wasserpfeife mit Blick auf Balis Gunung-Agung-Vulkan genießen. Die Meerenge zwischen Lombok und Bali ist gerade einmal 35 Kilometer breit. Mit dem Schnellboot ist man in knapp eineinhalb Stunden von Bali auf den Gili-Inseln. Ein Schnorchel- und Tauchparadies, das deshalb neben Backpackern auch immer mehr Bali-Urlauber anlockt.

Geheimtipp Gili Gede

Doch von solchen vorgelagerten kleinen Inseln gibt es fast 25 rund um Lombok. Im Südwesten befinden sich die ursprünglichsten. Der Amerikaner Peter und seine indonesische Frau Titin haben ihr Hotel auf Gili Gede nicht ohne Grund "Secret Island Resort" genannt. "Kaum jemand kennt die Insel. Es gibt nur drei kleine Hotels. Es ist einfach das Paradies auf Erden", sagt Peter. Stundenlang kann man hier die Strände abgehen, ohne jemandem zu begegnen. Wer die zwei Dörfer besucht, fühlt sich wie ein Entdecker.

Hier leben die Menschen nicht vom Tourismus, sondern vom Fischfang. Die Einheimischen sprechen kaum Englisch, sind dafür aber um so herzlicher. Peter hat einen Fischer unter Vertrag genommen, um mit Gästen zum Fischen oder zum Schnorcheln aufs Meer und auf die noch kleineren, gänzlich unbewohnten Inselchen hinauszufahren. Im Gegensatz zu den bekannten Gili-Inseln im Norden sind die Riffe hier noch intakt. Begleitet wird man beim Schnorcheln nicht von Deutschen, Briten und Australiern, sondern von Meeresschildkröten und Riffhaien.

Gili Nanggu hat die vielleicht schönsten palmengesäumten Pudersand-Strände überhaupt. Es gibt nur ein einziges Hotel. In 15 Minuten ist das Eiland umrundet. Lombok als eine Art ursprüngliches Bali ohne Touristen? Hier stimmt der Mythos.

(dpa)
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