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Fernreise
Mit den Tuareg durch die Sahara

Fotos: Durch die Sahara in Südalgerien
Fotos: Durch die Sahara in Südalgerien FOTO: Gundhild Tillmanns
Südalgerien bietet eine der schönsten Wüstenlandschaften. Die Sahara mit den Tuareg zu erkunden, ist ein unvergessliches Erlebnis für Wüstenliebhaber. Von Gundhild Tillmanns

Die einen hassen die Wüste, die anderen lieben sie und wollen immer wieder dorthin. Wüste polarisiert, vereint deshalb aber auch immer wieder die gleichen Menschen. So landet ein Grüppchen von absoluten Wüstenfans aus Deutschland, der Schweiz und Österreich mitten in der Nacht im südalgerischen Wüstenstädtchen Djanet - und fühlt sich gleich zu Hause. Das zweite Zuhause der Wüstenfreunde lockt sie mindestens einmal, wenn nicht viel öfter im Jahr dorthin.

Die immer wieder neu zu entdeckende Landschaft, das Leben mit den Tuareg, die zum Teil Freunde geworden sind: aufatmen und einatmen, endlich wieder da, die sandige Wüstenluft, der klare Himmel, die erste Nacht unter dem unsagbar leuchtenden Sternenhimmel. Darauf haben wir gewartet, diese stillen Wüstennächte und heißen Tage herbeigesehnt.

Frühmorgens beim ersten Tageslicht weckt das Knistern des Feuers. Moulay, der Koch, hat schon Teewasser aufgesetzt, röstet das Brot fürs Frühstück. Wir schälen uns aus unseren Schlafsäcken, strecken die steifen Glieder den ersten Sonnenstrahlen entgegen. So kalt die Nacht war, so heiß wird bald der Tag sein.

Erste Erkundungsgänge, immer wieder fotografieren, jeder Felsen, jede Düne stehen in der Fantasie für eine unendliche Vielfalt von Naturskulpturen. Und immer wieder die Tuareg selbst, die vor den Augen der Reisenden zumindest noch einen Teil ihrer alten Kultur leben.

Es ist urkomisch, wenn sich Dahkhi, der etwas Deutsch spricht, an Zungenbrechern wie "Fischers Fritz" versucht. Er backt aber auch mit Begeisterung nach ganz traditioneller Art das Tagelah (Nomandenbrot) in der Glut des Lagerfeuers. Und da ist Abdallah, der die Teerzeremonie am abendlichen Lagerfeuer mit Würde, Ruhe und Inbrunst beherrscht ebenso wie das Flötenspiel. Da wetteifern Dakhi und Abdallah auf ihren Flöten, die sie aus einfachen Zeltstangen selbst gefertigt haben und denen sie, zunächst ins Feuer haltend, die richtige Stimmlage geben. Für unsere Ohren fremdartige Melodien, die so gut in diese Landschaft passen.

Die Klänge der Wüste legt unser Geländewagenfahrer Issa aber auch genauso wie seine übrigen Kollegen als CDs auf. So begleitet uns die Musik der bekannten Tuaregmusiker "Tinariwen" durch die wunderschönen Landschaftszüge des algerischen Tassili n' Ajjer und des Tadrart. Ohne die geübten Pfadfinder, die Tuareg, die früher teilweise noch mit ihren Vätern die Kamelkarawanen begleiteten, wären wir natürlich verloren. Wie sich diese "blauen Männer" orientieren, bleibt ihr Geheimnis, ebenso wie das, was sie über die Europäer denken mögen. Hinter dem Schesch, dem viele Meter langen Kopf- und Gesichtsschal, lässt sich viel verbergen.

Doch die Begleiter sind Europäer längst gewöhnt. Sie wissen, mit welchen Schönheiten und Besonderheiten ihres Landes sie die Touristen immer wieder zum Staunen bringen. Da sind Stellen in der Sahara, die von Fossilien bedeckt sind, oder im weißen Muschelkalk den Betrachter blenden: Direkt auf dem Meeresboden scheint man zu spazieren. Eine enorme Vielfalt von Felszeichnungen kündet von einer blühenden, grünen und vor allem bewässerten Landschaft: Fische, Elefanten, Giraffen und viele Tiere mehr haben die Vorfahren der heutigen Tuareg auf die Felsen gemalt oder in das Gestein geritzt: Hochgewachsene schlanke Jäger-, Krieger- und Frauenfiguren mit Rötel auf dem Gestein festgehalten.

So ist jede Reise in die Wüste ein Zurück zu den eigenen Ursprüngen in einen famosen Bilderbogen der Schöpfungsgeschichte. Das Besinnen auf das wirklich Wichtige ist es auch, was die Europäer von den Wüstenbewohnern lernen können. Frisches Wasser wird zur Kostbarkeit, dass die Vorräte bis zum Schluss der Reise ausreichen, sowieso. Und wie wohltuend: Strom fürs Handy kann nur im Auto geladen werden; Empfang ist ohnehin selten.

Zu Hause stellt sich dann der Kulturschock rückwärts ein und die Frage: "Brauchen wir wirklich all' das, was zu unserer sogenanten Zivilisation gehört?" Was bleibt, ist die Sehnsucht, dieser komplizierten Welt bald wieder zu entfliehen - zu den Tuareg in die Sahara, in das Meer ohne Wasser.

Quelle: RP
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