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Namibia für Selbstfahrer
Ein sandig-afrikanischer Roadtrip

Abenteuer Selbstfahrer-Safari in Namibia
Abenteuer Selbstfahrer-Safari in Namibia FOTO: dpa, pla
Windhoek. Rote Wüsten, tiefe Canyons, grüner Dschungel, deutsche Kolonialstädte: Namibia gehört zu den vielfältigsten Ländern Afrikas. Und wie lassen sich die Naturwunder und die Tierwelt am besten hautnah erleben? Als Selbstfahrer im Allradcamper!

Der Blick in den Rückspiegel schmerzt: Ein letztes Mal fällt der Blick auf das Meer aus riesigen Dünen. Die meisten Sandberge sind bis zu 200 Meter hoch. "Big Daddy" überragt mit 350 Metern sogar den Eiffelturm. Der Namib-Naukluft-Park in der Namib-Wüste ist einer der beeindruckendsten und zugleich bizarrsten Orte Namibias.

Die Sanddünen erstrecken sich bis zum Horizont, leuchten von orange bis blutrot. Je älter der Sand, desto roter die Farbe. Und hier gibt es richtig alten Sand. Die Namib-Wüste ist rund 80 Millionen Jahre alt und damit die älteste Wüste der Welt. Unterbrochen wird das rote Farbenspiel im Sossusvlei-Gebiet immer wieder durch das Weiß der Salzpfannen mit ihren verdörrten Akazien.

Man möchte und könnte hier Wochen verbringen. Doch Namibia, eines der landschaftlich vielfältigsten und tierreichsten Länder Afrikas, hat einfach zu viel zu bieten. Eine Rundreise ist ein Muss. Im Süden locken das Diamantensperrgebiet mit der deutschen Kolonialstadt Lüderitz und der Fish River Canyon, der zweitgrößte Canyon der Welt. Im Osten verzaubert die Kalahari-Wüste mit ihrer Tierwelt.

Auf Safari durch den Krüger-Nationalpark FOTO: dpa, pla

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern Afrikas kann man in Namibia die Wildnis problemlos auf eigene Faust im Mietwagen erleben. Man befindet sich ständig auf der Pirsch, hält einfach an, wo es schön ist oder gerade eine Elefantenherde vorbeizieht.

Bei den meisten Mietwagen handelt es sich um allradgetriebene Pickups mit Dachzelt und Campingausrüstung, was das Reisen enorm flexibel macht. Freies Campen ist in Namibia allerdings verboten und wegen der wilden Tiere auch nicht immer ungefährlich. Die Strecken sind lang, Tankstellen selten. Doch fast alle Reiseveranstalter haben gut organisierte Selbstfahrer-Routen im Programm. Dabei kann jeder nach Belieben Camping-Plätze mit Blick auf badende Elefanten und luxuriöse Safari-Lodges kombinieren. Namibia ist sicher, die Infrastruktur gut.

Tatsächlich ist selbst die Schotterpiste von Sossusvlei nach Walvis Bay im Norden hervorragend ausgebaut und kommt einem Safariausflug gleich. Immer wieder sind am Straßenrand Straußherden und Oryxantilopen zu sehen. Besonders beeindruckend ist allerdings die grenzenlose Weite und Einsamkeit. Dörfer oder andere Autos sieht man seltener als Zebras und Warzenschweine. Eindrucksvoll wird einem vor Augen geführt, dass Namibia doppelt so groß wie Deutschland ist, aber nur knapp zweieinhalb Millionen Einwohner zählt.

Zu Besuch im Akagera-Nationalpark in Ruanda FOTO: dpa, lea

In Walvis Bay endet die surreale Mond- und Wüstenlandschaft abrupt am blauen Atlantik. Die Lagune zählt die meisten Wasservögel im südlichen Afrika. Zigtausende Flamingos verwandeln den Atlantik in ein rosafarbenes Meer. Pelikane und Delfine begleiten Ausflugsboote auf dem Weg zu den großen Robbenkolonien.

Einen regelrechten Adrenalinkick bekommt man südlich von Walvis Bay im Dünen-Naturschutzgebiet Sandwich Harbour. "Alle festhalten. Jetzt startet die Achterbahn", ruft Guide Ricky. Schon rast er die gigantischen Sanddünen hoch und runter. Auf einem Kamm hält er den Jeep an, damit die Gäste bei Sekt und Austern den beeindruckenden Ausblick genießen können. Bis zu 80 Meter stürzen die Dünen hier senkrecht in den tosenden Atlantik.

Wenige Kilometer nördlich muss man sich das Dünen-Abenteuer vor den Toren des Küstenstädtchens Swakopmund hingegen erkämpfen. In dicken Skischuhen geht es bei sommerlichen 25 Grad die Düne hoch - 120 Meter. Jeder muss seine Skier selber tragen. Hendrik May geht voran. Der gebürtige Thüringer war in der ehemaligen DDR Wintersport-Profi, Nordische Kombination. Vor 17 Jahren wanderte er nach Namibia aus und bietet hier in Swakopmund eine der vielleicht exotischsten Ski-Abenteuer der Welt an - Dünen-Skifahren und Skilanglauf!

Auf dem Kamm fegt der Wind. Der weiße Geländewagen wirkt unten im Meer aus Sanddünen winzig klein. Am Horizont blitzt der Atlantik silberfarben in der Sonne. "Folgt einfach meiner Spur und fahrt möglichst steil und ohne Kanten hinab, da Sand mehr bremst als Schnee", sagt Hendrik. Dann fetzen alle die Sanddüne hinunter.

Fotos: Zehn ruhige Urlaubsalternativen nahe beliebter Ziele FOTO: Shutterstock/Patryk Kosmider

Nach dem Pistenspaß geht es zum Schwarzwälder-Kirschtorte-Essen ins "Café Treff". Swakopmund ist die vielleicht deutscheste Stadt Namibias, das von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie war. Die Straßen sind gesäumt von deutschen Fachwerkhäusern. Es gibt eine deutsche Tageszeitung, eine deutsche Buchhandlung, eine deutsche Bäckerei, deutsches Bier, Bratwurst, und die Leute auf der Straße antworten nicht auf Englisch, sondern auf Deutsch mit Hamburger Akzent.

Doch spätestens bei der Spitzkoppe wird einem wieder bewusst, dass man in Afrika ist. Der einsam in der afrikanischen Savanne stehende Granitberg wird wegen seiner Form auch das Matterhorn Namibias genannt. Im Schatten der Felsen wird das Dachzelt aufgebaut und das Lagerfeuer angemacht. Wenn man dann abends unter dem afrikanischen Sternenhimmel am Feuer sitzt, ein Windhoek Lager und ein saftiges Antilopen-Steak genießt, weiß man, genau am richtigen Ort zu sein.

Über Schotterpisten geht es weiter zur wohl spannendsten Salzpfanne in ganz Afrika, zum Etoscha-Nationalpark. Auf dem Weg lohnt sich ein Abstecher nach Twyfelfontein, um die bis zu 10 000 Jahre alten Tierzeichnungen zu sehen, die hier Buschmänner im Fels hinterließen.
Der Etoscha-Park gehört mit 6000 Zebras, 4000 Gnus, 2000 Giraffen, 2500 Elefanten, 300 Löwen und Spitzmaulnashörnern zu den wildreichsten Naturschutzgebieten Afrikas.

Man fährt von einem Wasserloch zum nächsten. Bis zu 80 Elefanten tummeln sich hier nicht selten gleichzeitig mit Giraffen, Zebras, Kudus, Impalas und Nashörnern. Man braucht aber auch ein wenig Geduld und Zeit. Wer im Gruppenbus sitzt, hat Pech. Selbstfahrer können warten, bis große Elefantenherden oder Löwen kommen. Dann braucht man nicht einmal ein Fernglas, um die Tiere zu beobachten. Eher denkt man darüber nach, wie man dem Mietwagenverleiher die Delle erklärt, die der Elefant beim Vorbeistreifen am Wagen hinterlassen hat.

Die Elefanten im Etoscha-Park waren schwer, doch auf der Weiterfahrt zum Caprivi-Zipfel trifft man in der Nähe Grootfonteins auf ein wirkliches Schwergewicht. Mit 60 Tonnen ist der Hoba der schwerste und größte Meteorit, der jemals gefunden wurde. Wenige Stunden später merkt man bei den Popa-Fällen am Anfang des Caprivi-Streifens, dass hier zwischen dem Okavango und dem Sambesi-Fluss ein ganz anderes, ein grünes Namibia beginnt.

Der Ngepi-Campingplatz bei den Popa-Fällen liegt auf einer Insel, der Pickup-Camper wird direkt am Ufer geparkt. Abends hört man am Lagerfeuer andächtig dem Grunzen der Hippos und dem Tröten der Elefanten auf der anderen Flussseite zu.

Ein Blick auf die Landkarte genügt, um zu sehen, dass es sich beim 460 langen und knapp 50 Kilometer breiten Caprivi-Zipfel zwischen Angola und Botswana um eine politisch höchst eigenartige Landaufteilung handelt. 1884 gab Reichskanzler Caprivi den Engländern Sansibar. Im Gegenzug erhielt Deutschland Helgoland und den heute als Caprivi-Zipfel bekannten Korridor, mit dem Berlin seine Kolonien in West- und Ostafrika verbinden wollte.

Der Trans-Caprivi-Highway ist die einzige Straße, die durch den Streifen führt. Da es sich um den Bwabwata-Nationalpark handelt, gibt es nur selten Gelegenheit, die Straße zu verlassen, die nicht selten von großen Elefantenherden gekreuzt wird. Doch am anderen Ende lockt im Bwabwata- und im Mudumu-Nationalpark ein wahres Tierparadies.

Lodges bieten Boots- und Pirschfahrten an, bei denen man aus nächster Nähe Flusspferde, Krokodile, Elefanten und Wasserbüffel bewundern kann. Von hier aus treibt es die meisten Selbstfahrer an die nahe Grenze zu Sambia und Simbabwe, wo eine der Hauptattraktionen Afrikas 100 Meter in die Tiefe stürzt - die weltberühmten Victoria-Fälle.

(dpa)
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