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Urlaub in der Diktatur
Zum Frühstück Hund – was Touristen über Hotels in Nordkorea schreiben

Urlaub in der Diktatur: Hotels in Nordkorea
Urlaub in der Diktatur: Hotels in Nordkorea FOTO: TripAdvisor
Düsseldorf. Hotel besser nicht verlassen, immer eine Taschenlampe mit sich führen und Vorsicht vor der Toilettenspülung – wer Urlaub in Nordkorea macht, hat nach seiner Rückkehr auf jeden Fall etwas zu erzählen. Was schreiben Touristen darüber auf Reiseportalen? Eine Auswahl. Von Sebastian Dalkowski

Zwei Arten von Menschen sollten von einer Reise nach Nordkorea absehen: Südkoreaner und Journalisten. Beide Gruppen erhalten im Normalfall kein Visum. Südkorea verbietet es Südkoreanern sogar, nach Nordkorea zu reisen.

Allen anderen aber steht das Land grundsätzlich offen. Seit einigen Jahren fördert Nordkorea den Tourismus. Und deshalb gibt es auch immer mehr Reisende, die von den Hotels in der Diktatur erzählen, zum Beispiel auf den Webseiten von Holidaycheck.de und Tripadvisor.de. Im Allgemeinen sind die Touristen sogar ganz zufrieden mit ihrer Unterkunft, auch dadurch bedingt, dass sie keine hohen Erwartungen haben. Trotzdem aber ist die Dichte an kuriosen Berichten vermutlich höher als in anderen Ländern. 

Die Rechtschreibung der Zitate haben wir belassen.

  • Zimmer

Wer nach Nordkorea fährt, der sollte sich nicht auf ein Zimmer aus dem 21. Jahrhundert einstellen. Dieser Tourist berichtet über ein Hotel in Pjöngjang: "Die Zimmer waren vor 20 Jahren sicher schön, nun jedoch verschmutzt und desolat, Kühlschrank, Safe sowie TV kaputt, Warmwasser zeitweise, Stromausfälle häufig."

Immerhin lassen sich die Fenster öffnen, schreibt ein Reisender, "aber die dreckige Luft der Kohlekraftwerke verhindert das fast den ganzen Tag." Dennoch kommt er zu dem überraschenden Urteil: "Als Fazit ist dieses Hotel aber das beste was es in Pyongyang gibt."

Ein Fehler ist es, mit den Erwartungen eines Bewohners der westlichen Hemisphäre nach Nordkorea zu reisen. So berichtet ein User: "Das Spa Angebot beläuft sich auf  eine große Badewanne im eigenen Zimmer."

Und Vorsicht vor der Toilettenspülung: "I flushed the toilet and my feet got a wash."

Auch der Zimmerservice ist gewöhnungsbedürftig. Ein Amerikaner hatte sich seinen Weck-Anruf etwas anders vorgestellt:  "Our morning wake-up call was a shrill telephone ring followed by a man shouting in Korean similar to drill sergeant."

Dafür aber entschädigt die Eingangshalle für die Strapazen: "Beim Betreten der mehrstöckigen Lobby stößt man direkt im Zentrum auf einen kitschigen Wasserfall, zu dessen Füßen Rehe und andere Waldbewohner drapiert sind."

  • Essen

Im Großen und Ganzen scheinen Touristen in Nordkorea gar nicht so unzufrieden mit den dargebotenen Speisen zu sein. Trotzdem haben einige von ihnen doch etwas zu meckern. Tourist Günther klagt zum Beispiel: "Obst haben wir nie gesehen."

Ein anderer Nordkorea-Abenteurer wurde auf dem falschen Fuß erwischt: "Zum Frühstück wurde uns unter anderem Hund angeboten."

Das Frühstück im Hotel Ryanggang in Pjöngjang hat zwei deutsche Touristinnen nicht vollständig überzeugt: "Es gibt eine Tasse Kaffee (meine Betonung liegt auf 'eine'), (wir glauben) Butter, (wir glauben) Honig, Wurst, ungetoastetes Toastbrot und Gurken."

Dieser Tourist aus Japan aber sieht es richtig: "I didn't think the food was that terrible. Again, it's North Korea, be happy it's food."

  • Überwachung

Nordkorea lässt zwar mittlerweile Touristen ins Land – doch das Konzept der Bewegungsfreiheit hat sich dort noch nicht völlig durchgesetzt. Torsten weiß zu berichten: "Mir wurde eindringlich nahegelegt, das Hotel maximal in einem Radius von 50 Metern zu verlassen. Dieser Radius ist auch auf der Strasse durch eine deutliche Markierung hervorgehoben."

Lothar kann es sogar noch genauer beschreiben: "Grundsätzlich sollte man alleine nicht weiter als bis zur Kreuzung am Ende des Golfplatzes gehen." Er erkennt aber auch die praktischen Seiten des Bewegungsverbotes: "Entfernungen sind bei üblichen Nordkorea-Aufenthalten unwichtig, da man allemal überallhin gefahren wird und nur sehr selten die Möglichkeit haben wird, alleine herumzugehen." Er warnt auch vor allzu offensichtlicher anti-nordkoreanischer Agitation: "Es gibt sehr viele Gerüchte darüber, dass die Zimmer abgehört werden können – man tut gut daran, im Hotelzimmer nicht zu deutliche Kritik am Staat zu üben." Auch Kritik ohne Worte ist zu unterlassen: "Die Zimmer sind teilweise ausgestattet mit seltsamen Propagandabildern für das nordkoreanische Militär, das sollte man akzeptieren und nicht etwa die Bilder umdrehen."

Besser auch nicht Wikipedia ausdrucken und mit nach Nordkorea nehmen, schildert dieser Tourist aus der Schweiz: "An einem Abend gibt's eine Einladung der staatlichen Reiseagentur zum Kegelabend – währenddessen werden die Zimmer durchsucht, uns fehlten nachher einige Wikipedia-Artikel die wir fahrlässigerweise von Zuhause mitgenommen hatten."

Aber hey – es gibt sogar Internet, quasi, schreibt Dirk Ross: "Hier im Hotel kann man zwar keine eMails empfangen, aber immerhin eine pro Tag abschicken – für einen schlappen Euro. Also bitte, wo ist das Problem?"

Doch wer sich von den Beschattern allzu sehr beschattet fühlt, kann zu einem einfachen Tipp greifen, verrät Tourist Günther: "In der Bar hatten wir mit unseren Bewachern viel Freude, beide tranken auf unserer Einladung hin mit goßem Durst Importbiere. Dadurch wurde Fotografierverbote unterwegs fast total aufgehoben."

  • Strom und Wasser

Wenn Touristen in Nordkorea über ihr Hotel schreiben, dann auch über das, was in den meisten anderen Ländern selbstverständlich ist, in Nordkorea aber nicht: Strom und Wasser. In einem Hotel in Wonsan stellen die Angestellten die Verfügbarkeit von Wasser mit einem Trick sicher, erklärt dieser Tourist: "Fließendes warmes Wasser ist trotz der Fürsorge durch die Reiseleitung nicht zwingend garantiert, Das Hotel bereitet daher die Zimmer mit gefüllten Badewannen vor."

Auch mit Strom ist nicht immer zu rechnen. Dieser Mann hat deshalb einen Tipp für alle anderen Touristen: "Wer außerhalb der Hauptstadt Nordkorea bereist, sollte selbstverständlich immer eine zuverlässige Taschenlampe griffbereit haben."

Und wenn es Strom gibt, dann fällt er schnell aus. So wollte ein Tourist aus London bloß sein Heizgerät umstellen: "I moved my heater and managed to short out the entire room."

  • Sicherheit

Das Schöne an Nordkorea ist, dass dort Aktivitäten zu Abenteuern werden, die normalerweise Alltag sind. Zum Beispiel das Fahren mit dem Fahrstuhl: "The elevator in the hotel did not have any overload warning system, except for it would sink dramatically when overloaded."

Etwas übertrieben ist vielleicht die Kritik dieses Reisenden: "Given what I saw of the electrical system, the hotel is probably a fire trap."

Wer also wirklich etwas erleben möchte, der bucht seinen nächsten Urlaub nach Nordkorea. Vielleicht wagt er sich auch in das Sosan Hotel, über das ein Tourist aus Seoul schrieb: "It basically feels as if you are Jack Nicholson staying in an abandoned hotel for the winter, trying desperately not to go crazy."

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