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Reisebericht aus Myanmar
Barfuß durchs Land der Buddhas und Pagoden

Myanmar  - die "Perle" Asiens
Myanmar - die "Perle" Asiens FOTO: ImpaKPro
Naypyidaw. Myanmar – das sind Tempel, ursprüngliche Landschaften und eine exotische Kultur. Nach Jahrzehnten der Isolation öffnet sich das ehemalige Burma oder auch Birma dem Tourismus. Die "Perle Asiens" gehört zu den faszinierendsten Ländern der Welt. Von Antonia Kasparek

Vielleicht liegt es daran, dass Myanmar noch nicht lange den Touristen offen steht: Die freundliche Aufgeschlossenheit der Burmesen ist auffällig. Wohin man kommt, man wird mit einem Lächeln empfangen.

Unser Guide Su-Mo erklärt: "Das Lächeln ersetzt einen gesprochenen Gruß." Im Vielvölkerstaat Myanmar werden insgesamt rund hundert verschiedene Sprachen gesprochen. Die offizielle Landessprache ist burmesisch. Die wichtigste Vokabel: ein Lächeln. Das reicht auch zum Verabschieden."Wir benutzen meist keine sprachliche Abschiedsformel - denn das ist zu traurig", sagt Su-Mo.

Birma, Burma, Myanmar: Die einstige britische Kolonie in Südostasien stand seit 1962 unter einer Militärherrschaft, bis diese 2010 zurücktrat und das Land an eine demokratische Regierung unter Führung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi übergab.

Eindrücke aus Rangung FOTO: dpa, pla

Im Februar 2011 wurde ein ziviler Präsident als Staatsoberhaupt eingesetzt und die langsame Öffnung Myanmars begann. 2017 ist das Land durch die Vertreibung und Flucht der muslimischen Minderheit der Rohingya aus Myanmar in Richtung Bangladesch in die Schlagzeilen geraten. In Teilen des Kachin State nördlichen Shan State werden zudem weiterhin bewaffnete Konflikte zwischen Rebellenarmeen und dem myanmarischen Militär ausgetragen.

Das ursprüngliche Südostasien

Wer sich jetzt fragt, ob eine Reise nach Myanmar sicher ist, dem kann man nur sagen, dass die touristischen Hauptattraktionen des Landes ohne Bedenken und Probleme zu bereisen sind. Ich selbst war im Januar 2018 im Rahmen einer geführten Rundreise in Myanmar und hatte weder im Vorfeld noch während der Reise irgendein Unsicherheitsgefühl. Die Schönheit und Authentizität des Landes und der Menschen, die einen mit ihren mit Thanakapaste eingeriebenen Gesichtern anlächeln, sind einfach atemberaubend. Hier lässt sich das ursprüngliche Südostasien entdecken.

Auf einer klassischen Rundreise erleben Besucher natürlich die Highlights der "Perle Asiens". Dazu gehören neben Yangon und Mandalay, die historische Königsstadt Bagan mit ihren unzähligen Pagoden (turmartige Bauwerke) und ein Besuch des Inle-Sees, einer der größten Süßwasser-Seen in Südostasien, der bekannt für seine Einbein-Ruderer und die schwimmenden Dörfer ist.

Mehr als 2000 Sakralgebäude

Spätestens in Bagan weiß man, wieso Myanmar das Land der Pagoden und Buddhas genannt wird. Marco Polo hat die Stadt schon Ende des 13. Jahrhunderts als "groß und prächtig" beschrieben. Und auch heute noch erstrecken sich mehr als 2500 buddhistische Monumente auf einer Fläche von 13 mal acht Kilometer am Ayeyarwaddy-Fluss. Mehr als 2000 Sakralgebäude aus Ziegelstein sind erhalten. Schon an den Ausdehnungen kann man sich vorstellen, dass Old Bagan eine der größten Städte im Mittelalter war. Pagoden gab es damals wohl viermal so viele. Die verbliebenen Tempel stammen aus der Zeit zwischen dem 11. bis 14. Jahrhundert.

Zwar gilt das Gebiet als eines der größten archäologischen Stätten Südostasiens, konnte jedoch bislang keinen Welterbe-Status erlangen. Es steht seit 1996 auf der sogenannten Tentativliste. Ein Hindernis sind unsachgemäße Renovierungsarbeiten. Noch in den 90er-Jahren wurde mit Beton ausgebessert und ein neues Palastgebäude der Militärregierung inmitten der alten Tempel errichtet. Dem Neubau fielen auch historische Bauten zum Opfer. Da Reparaturen in Zukunft mit der Unesco abgestimmt werden, bleibt die Hoffnung auf den Titel bestehen. Die Einwohner leben heute in New Bagan.

Unterwegs in Myanmars unbekanntem Norden FOTO: dpa, sir

Nicht verpassen darf man den Sonnenuntergang. Wenn die rot hinter den Tempeln untergehende Sonne, Bagan in einen mystischen Glanz taucht. Am besten schaut man sich dieses Schauspiel von einem Hügel oder einer Aussichtsplattform an. Die bei den Touristen beliebten Pagoden sind dem touristischen Ansturm nicht immer gewachsen und einige sind seit dem Erdbeben von 2016 auch instabil. Das größte Erlebnis ist aber ohne Frage eine Fahrt mit dem Heißluft-Ballon, bei dem man bei Sonnenaufgang über die Pagodenfelder schwebt.

Das Wichtigste: Schuhe ausziehen

Natürlich muss man auch in die vielen Tempel hineingehen. Das wichtigste dabei: Schuhe ausziehen. Egal, wo in Myanmar, die Pagoden betritt man barfuß – ohne Schuhe und Socken. Die deponiert man vor dem Betreten in dafür eingerichtete Spinde oder Räume. Am besten hat man auch immer ein paar Feuchttücher dabei, um nach dem Tempelbesuch seine Füße zu reinigen.

Das vorwiegend buddhistische Myanmar ist das Land der Pagoden, aber natürlich auch der Buddhas. Man findet sie als 72 Meter liegende Kolossal-Statue in Yangon bis zu kleinen runden Kugel-Buddhas in der Phaung Daw Oo Pagode am Inle-See. Die Kugelform kommt übrigens dadurch zustande, dass es in Myanmar üblich ist, die Buddha-Statuen mit Blattgold zu bekleben – als Opfergabe verbunden mit guten Wünschen für sich und seine Lieben. Durch das viele Gold haben manche Buddhas schon runde Formen angenommen. Beeindruckend ist auch der Besuch in den Höhlen von Pindaya. Rund 8000 Buddha-Statuen in verschiedenen Größen und Materialien sitzen, stehen und liegen hier in den Felswänden.

Shwedagon-Pagode in Yangon

Die besten Länder für eine Weltreise FOTO: dpa, pla

Einer der glanzvollen Höhepunkte der Reise ist sicher der Besuch der Shwedagon-Pagode in Yangon. Sie gilt als eine der schönsten Pagoden-Komplexe Asiens und ist eine der wichtigsten buddhistischsten Stätten der Welt. Die Pagoden sind geschmückt mit vielen Tonnen Gold und Edelsteinen. Wenn man seinen Geburtswochentag kennt, kann man in den Pagoden auch die zugehörige Figur finden, sie waschen und ihre Eigenschaften erforschen.

Yangon, das ehemalige Rangun, war bis 2005 die Hauptstadt von Myanmar. Über fünf Millionen Menschen leben in der Metropole. Hier kann man viele ehemalige Kolonialbauten bewundern und auch die Einheimischen-Märkte besuchen. Dort findet man neben Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch auch die Betelnuss.

Unreife Betelnüsse werden kleingehackt, in mit gelöschtem Kalk bestrichene Blätter gerollt, und vor allem von Männern gekaut. Sie färben den Speichel rot, daher sieht man überall in Myanmar rote Spucke auf dem Boden. Das Kauen der Betelnuss ist krebserregend und greift Zähne und Zahnfleisch an. Trotzdem lässt sich diese Tradition schwer austreiben.

Thanakapaste ist Exportschlager

Myanmar ist auch bekannt für seinen Rum, der aus europäischer Sicht sehr günstig ist. Eine kleine Flasche kostet umgerechnet gerade mal 60 Cent. Auf den Märkten gibt es auch Thanaka zu kaufen - eine gelblich-weiße Paste aus einer fein geriebenen Baumrinde.

Auf Wandertour durch das goldene Myanmar FOTO: dpa, pla

In Myanmar wird sie von Kindern und Frauen in jedem Alter in das Gesicht gestrichen und wird als burmesisches Make-up bezeichnet. Thanakapaste ist eine natürliche Kosmetik. Die Rinde soll einen entzündungshemmender Effekt haben, gegen UV-Strahlung schützen und kühlend wirken. Zudem hellt sie die Haut leicht auf. Die Thanakapaste ist ein echter Exportschlager Myanmars – vor allem nach Thailand.

Akrobatische Fischer am Inle See

Nach so vielen Tempeln und der quirligen Großstadt ist der malerische Inle See das Kontrastprogramm. Von Bagan oder Yagon muss man dorthin fliegen. Die Straßen sind zu schlecht und die Fahrt dauert zu lang. Wir sind mit Yangon-Air geflogen und waren mir den Maschinen und dem Service sehr zufrieden. Vom Flughafen Heho fährt man dann noch rund zwei Stunden zum Inle See. Die Fahrt ist etwas beschwerlich, aber es lohnt sich.

Die akrobatischen Fischer, die mit einem Bein rudern und ihre Netze balancieren aus nächster Nähe zu sehen, darf man nicht verpassen. Rund um den See herrscht eine ganz eigene entspannte Atmosphäre. Im Rhythmus des Wassers schippert man durch ganze Dörfer, die im Wasser auf Pfählen errichtet sind. Vorbei an schwimmenden Gärten, wo Tomaten und Bohnen angepflanzt werden, sowie vielen Wasser-Hyanzinthen.

Die Intha, die Menschen des Sees, pflegen auch das traditionelle Handwerk. Es gibt Lotus- und Seidenweber, Bootsbauer, Schmiede und Papierschirmhersteller. Das Papier wird aus der Rinde des Maulbeerbaums gewonnen und mit Blüten veredelt. Am Inle-See werden auch die bekannten Cheroot-Zigarren aus Blättern gedreht. Die gibt es nicht nur pur, sondern auch mit Anis, Rum oder Ananas-Geschmack. In dieser Region Myanmars spürt man das ursprüngliche Myanmar besonders gut. Hier ist die Zeit (noch) ein bisschen stehen geblieben.

 
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