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Afrika
Unterwegs im Mana-Pools-Park in Simbabwe

Mana-Pools-Safari: Simbabwes Abenteuer-Tour
Mana-Pools-Safari: Simbabwes Abenteuer-Tour FOTO: dpa, sir
Kariba. Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen: Ein Zahnarzt aus den USA erschoss in Simbabwe den bekannten Löwen Cecil – sehr zur Trauer vieler Natur- und Tierfreunde. Denn in dem ostafrikanischen Land können Touristen Wildlife pur erleben. Jedenfalls noch.

Seit mehr als 15 Jahren streift Humphrey Gumpo durch den afrikanischen Busch. Er gilt heute als der beste Guide in Simbabwe. Humphreys Arm baumelt lässig aus dem Geländefahrzeug, bis der Motor ausgeht und der Wagen leise unter einem Anabaum im dichten Gras ausrollt. Stille. Der Blick geht auf den Boden. Dann zeigt der ausgestreckte Arm zielsicher in die Ferne, Griff zum Fernglas. Irgendwo dort lauert sie, die pirschende Löwenherde.

Runter vom Jeep, mit Humphrey durch den Busch. An seinem mit bunten Perlen besetzten Gürtel hängt ein Halfter, in dem ein Revolver steckt. "Habe ich noch nie benutzt, hoffe, er bringt's noch", flüstert Humphrey mit einem Grinsen, das um 5.30 Uhr auch die graueste Wolke verjagt. Die Morgenluft ist gewitterschwer.

Der Mana-Pools-Nationalpark liegt am Sambesi-Fluss, dem viertgrößten Strom Afrikas. Mana bedeutet in der Bantusprache Shona "vier". Der Sambesi besitzt hier vier Nebenarme, und in diesem Becken fühlen sich die Flusspferde besonders wohl. Noch vor der Dämmerung weckt einen ihr gewaltiges Röhren wie ein getunter Kleinwagen. Dann singen die Vögel: blaue Eisvögel, grüne Bienenfresser, braune Roller. Und die Löwen? Die sind längst im Busch unterwegs - und wir folgen ihnen.

Simbabwe war lange von der touristischen Landkarte verschwunden. Mit der Enteignung der weißen Farmer begann der Niedergang des Landes. Nach der "Landreform" folgte eine Hungersnot, dann Hyperinflation - bis der US-Dollar Zahlungsmittel wurde. Die Wirtschaft erholte sich, neue Investoren kamen, vor allem aus Südafrika und China. Doch der Wirtschaft geht es immer noch nicht gut. Praktisch niemand im Land besitzt Geld. Im Supermarkt ist es schwierig, einen 10-Dollar-Schein zu wechseln. Das Geld steckt in der korrupten Bürokratie fest.

In den grenzenlosen Weiten Namibias FOTO: Shutterstock/Erichon

Die Touristen, die trotzdem ins Land kommen, wollen Wildlife. Doch auch die Tierwelt kämpft ums Überleben. Simbabwe ist zum Zentrum für den illegalen Handel mit Elfenbein geworden, weil es in China als Heilmittel verarbeitet wird. Ein Kilo kostet 2000 Euro, heißt es. "Der Bestand der Elefanten und Löwen in den Parks ist gefährdet", sagt Humphrey und zeigt auf einen Elefanten, der ein meterlanges Halsband umgebunden bekommen hat, an dem ein Ortungsgerät befestigt ist. Die Technik soll Wilderer abhalten, die Tiere weiter brutal abzuschlachten.

Die Löwen streiten sich mit dem Menschen um Land, seit 2013 zählen sie laut WWF zu den bedrohten Arten. In den letzten 20 Jahren ist ihr Bestand in Afrika um 20 Prozent gesunken, das Verbreitungsgebiet dabei um ein Fünftel geschrumpft. Mit ernsten Folgen für Ökosysteme und den Klimawandel. Eine globale Initiative zum Tierschutz wird von internationalen Wissenschaftlern daher seit langem gefordert.

Die Tierschutz-Organisationen in Simbabwe setzen auf Aufklärung. Es geht um neue Strategien für den Tourismus. "Wir wollen mehr Besucher in den Nationalparks und anregen, auch etwas über Umwelt und Wildlife in Simbabwe zu lernen", sagt Allain Chimanikire, Manager des Mukuvisi Woodlands Nature Reserve. Die private Organisation, die von der Hauptstadt Harare aus mit Freiwilligen arbeitet, setzt sich für den Schutz der Natur ein und will die junge Generation in Simbabwe ausbilden. "Bei dem Suaheli-Wort "Nyama" denken heute immer noch viele Simbabwer ausschließlich an Fleisch und Essen. Doch das Wort bedeutet im Ursprung Tier. Und dass Tiere eine nachhaltige Bedeutung für unsere zukünftigen Lebensgrundlagen besitzen, davon wissen einfach nach wie vor zu wenige", erklärt Chimanikire.

Schulklassen sollen im Umgang mit Natur und Ressourcen ausgebildet werden. Sie besuchen Parks und übernachten dort in Camps. So sind sie eng mit der Natur verbunden. Auch Safari-Besucher können an Workshops und Vorträgen teilnehmen. Eine weitere Besonderheit in Simbabwe: Hier können Besucher auch ohne Guide zu Fuß durch den Busch laufen. In Parks wie dem Krüger-Nationalpark im Nachbarland Südafrika wird dies nicht gestattet.

Wo die Wüste Namib auf den atlantischen Ozean trifft FOTO: Shutterstock.com/ Blaine Stuart

Schrille Geräusche stören an diesem Morgen die friedliche Stimmung der Savanne. Baboons stoßen Warnlaute aus, Impalas setzen zur Flucht an, Wasserböcke fliehen in dieselbe Richtung. Bewegung, Unruhe, Sturm. Humphrey ermahnt den Besucher leise zu treten, die Füße anzuheben, nicht so viel Krach zu machen, im dichten Gras, beim Steigen über knackende Äste. Flach atmen. Die Menschen folgen der Fährte der Löwen. Oder ist es umgekehrt?

Hinter hoch wucherndem Gestrüpp an einen ausgetrockneten Flusslauf gibt es freie Sicht auf eine Lichtung. Da jagt plötzlich eine Löwenherde vorbei, keine hundert Meter entfernt. Dann beginnt unsere Privataudienz beim König der Tiere: An der anderen Uferseite schaut ein Löwe träge auf, seine Augen wie Whiskey: golden und braun. Das Herz des Besuchers hämmert wie wild und pumpt einen Schuss Leben in die fernsten Winkel des Körpers. Dann brüllt der Löwe. Auch Humphrey schaut dem Tier in die Augen. Mehr als 15 Jahre ist er Guide, doch dies ist selbst für ihn immer noch ein besonderer Moment. Man kann es in seinem Gesicht lesen.

(dpa)
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