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Brasilien
Salvador de Bahia - Es muss nicht immer Rio sein

Salvador de Bahia- Es muss nicht immer Rio sein
Salvador de Bahia- Es muss nicht immer Rio sein FOTO: shutterstock/ ostill
Rio de Janeiro. Brasilien zählt zu den schönsten Reisezielen der Welt. Vor allem die Metropole Rio de Janeiro mit dem Zuckerhut zieht Reisende magisch an. Doch das Herz Brasiliens befindet sich in Salvador de Bahia, eine karibische Perle mit wenig Touristen, die locker mit Rio mithalten kann. Von Dennis Gollasch

Salvador wird als "schwärzeste Stadt" Brasiliens bezeichnet. Das liegt daran, dass rund 80 Prozent seiner Einwohner afrikanische Vorfahren haben, die in der Kolonialzeit als Sklaven über den Atlantik verschifft wurden. Heute tanzen sie Samba und Capoeira und versprühen so Lebensfreude in der drittgrößten Stadt des Landes. Bekannt wurde Salvador de Bahia auch durch den 4:0-Auftaktsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal bei der vergangenen Weltmeisterschaft, den sie hier nicht nur erspielte, sondern auch ausgiebig feierte.

Da die Stadt insgesamt gegenüber ihren großen Schwestern wie Rio und Sao Paulo eher unbekannt ist, gilt sie unter Reisenden aber noch immer als Geheimtipp. Doch was macht die Stadt an der brasilianischen Ostküste so interessant?

Altstadt: Salvador wird von einer Bergkette in eine Oberstadt (cidade alta) und eine Unterstadt (cidade baixa) unterteilt. Als sehenswertestes Viertel gilt das in der Oberstadt gelegene Pelourinho, das 1985 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Wer dort über den Schnellaufzug "Elevador Lacerda" oder mit einem der zahlreichen Busse hochgelangt, erlebt die bunte Altstadt aus dem 18. Jahrhundert mit ihrer wunderschönen Kirche Sao Francisco, die innen komplett mit Blattgold ausgeschmückt ist.

Aus dem Sklavenmarkt aus der Kolonialzeit - Pelourinho bedeutet soviel wie "Pranger" - ist ein Künstlerstadtteil mit kleinen Kneipen und netten Restaurants geworden. Mehrmals wöchentlich gibt es Gratiskonzerte der einheimischen Musiker. Doch nicht nur für Kulturinteressierte hat Pelourinho etwas zu bieten: In den Clubs und Kneipen des Viertels ist abends immer viel los.

Flair: Die Mentalität der Salvadorianer ist typisch brasilianisch: Locker und offenherzig. Nirgendwo sonst in Lateinamerika ist der afrikanische Einfluss so stark wie in Salvador, doch westliche Einflüsse sind auch hier allgegenwärtig. Da sich in der brasilianischen Kultur Religionen nicht gegenseitig ausschließen, hat auch die katholische Kirche einen hohen Stellenwert. Außerdem ist Salvador ist das Zentrum des Candomblé, der seinen Ursprung in Westafrika hat. Ziel dieses afrobrasilianischen Glaubens ist es, Kontakt mit den sogenannten Orixás, den Göttern des Candomblé, herzustellen.

Umgebung: Lohnenswert ist eine Tour zur nahen Insel Itaparica. Sie liegt nahe der großen Allerheiligenbucht und  lockt mit wunderschönen Stränden und zahlreichen Fischerdörfern. Hier findet man die Ruhe, die es im pulsierenden Salvador kaum noch gibt. Viele sportliche Aktivitäten wie Tauchen oder Surfen werden angeboten. Auch die weiteren Eilande der Bucht können mit Fähren angesteuert werden doch hier muss in der Regel eine Übernachtung vor Ort eingeplant werden. Aber auch, wer keinen Tagesausflug unternehmen will, kann viel erleben. Die Strände rund um Salvador de Bahia sind tropische Perlen mit einer bunten Unterwasserwelt.

Karneval: Wer den größten Karnevalsumzug der Welt in Rio de Janeiro oder gar in Köln oder Düsseldorf vermutet, liegt falsch: Der "Carnaval da Bahia" hat jährlich bis zu 2,7 Millionen Teilnehmer und gehört damit zu den größten Festen der Welt. Sechs Tage und sechs Nächte verwandelt sich Salvador dann in eine Karnevalsstadt. Tanzgruppen wie die berühmten "Afro-Blöcke", die auf eine Mischung aus Samba und Reggae setzen, zeigen bei ihren Umzügen ihre bunten Kostüme und viel Haut. Typisch für Bahia ist der Axé, ein schneller Musikrhythmus, der auf Trommeln und Afoxes, der typischen brasilianischen Rassel gespielt wird.

Fazit: Salvador de Bahia ist nicht nur eine Stadt zum Feiern und Entspannen, sondern lockt mit vielen kulturellen Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten. Noch ist die Metropole - wenn man vom Karneval absieht - ein touristischer Geheimtipp. Für ein besseres Verständnis des Landes ist ein Besuch der Stadt aber ein absolutes Muss. Noch ein Hinweis zum Schluss: Wer etwas auf eigene Faust entdecken möchte, sollte zumindest ein paar Brocken Portugiesisch können.

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