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Uganda
Schimpansen-Schlucht und Elefanten-Kino

Unterwegs im Nationalpark in Uganda
Unterwegs im Nationalpark in Uganda FOTO: dpa, pla
Mweya. Elefanten im Fluss, Löwen auf Bäumen, Schimpansen in der Schlucht: Der Queen-Elizabeth-Nationalpark in Uganda ist besonders artenreich. Denn im Ostafrikanischen Grabenbruch trifft die Savanne auf Regenwald und Feuchtgebiete. Das macht eine Safari abwechslungsreich.

Als zwei Schimpansen den Feldweg überqueren, freut sich der erfahrene Ranger wie ein kleines Kind. Robert Adaruku, 37, setzt das Fernglas ab und strahlt so überschwänglich, als hätte er zum ersten Mal in seinem Leben einen Affen gesehen. "Heute ist ein wunderbarer Tag, wir haben großes Glück", sagt er.

Seit 15 Jahren arbeitet Adaruku im Queen-Elizabeth-Nationalpark im Südwesten Ugandas und weiß, dass die Schimpansen sich nur selten aus dem Regenwald in der Kyambura-Schlucht in die offene Savanne begeben. Doch die Feigenbäume sind zu verlockend. Zwischen den Ästen rasten die Tiere, weithin sichtbar, und genießen den Überfluss an Früchten.

Es ist keineswegs gewiss, auf einer geführten Wanderung einen der derzeit 24 Schimpansen in der 100 Meter tiefen, dicht bewaldeten Schlucht zu sehen. "Morgens suchen sie Nahrung, rufen sich und streiten miteinander", sagt Adaruku. Dann ist es leichter, die Menschenaffen aufzuspüren. Doch zu späterer Stunde hocken die Tiere träge im Busch oder in den Tropenbäumen, praktisch unsichtbar für die ungeschulten Augen der Touristen.

Zu Besuch im Akagera-Nationalpark in Ruanda FOTO: dpa, lea

An diesem Nachmittag aber stoßen die Besucher bereits auf Schimpansen, noch bevor sie überhaupt einen Schritt in die Schlucht gesetzt haben. Ein unverhofftes Erlebnis. Der Queen-Elizabeth-Nationalpark gibt sich Mühe, auch routinierte Afrika-Reisende mit Wildlife-Erfahrung zu überraschen. Das hat mit seiner Lage im Albert-Graben zu tun, dem westlichen Ausläufer des Ostafrikanischen Grabenbruchs, wo Regenwald, Papyrus-Sümpfe, Krater und Savanne aufeinandertreffen. Zwischen den Kontinentalplatten haben sich hier außerdem der Eduardsee und der Georgsee gebildet, die genauso wie der Park selbst Namen ehemaliger Royals tragen.

Als die britische Königin 1954 ihre Kolonie Uganda besuchte, wurde der zwei Jahre zuvor gegründete Nationalpark nach ihr benannt. Die Kolonialherren gingen, der Name blieb. Auf die Unabhängigkeit Ugandas 1962 folgte wie in vielen Ländern Afrikas rasch eine Diktatur. Der Name Idi Amin ist immer noch ein Synonym für den stereotypischen afrikanischen Gewaltherrscher. Angesichts von Hunderttausenden Toten unter dem Regime des Tyrannen in den 1970er Jahren mag es als Randnotiz der Geschichte gelten, dass auch massenweise Wildtiere abgeschossen wurden. Doch die Bestände haben sich erholt.

Der Artenreichtum im Queen-Elizabeth-Park ist heute aufgrund der verschiedenen Ökosysteme so groß wie kaum sonst irgendwo im östlichen Afrika. Mehr als 610 Vogelarten gibt es im Park, darunter den Kronenkranich, der Wappenvogel Ugandas. Die meisten Besucher wollen die exotischen Landsäugetiere sehen. Sie werden nicht enttäuscht.

Schimpansen lassen sich zwar auch in großer Zahl im benachbarten Kibale-Nationalpark beobachten, und Elefanten und Löwen gibt in vielen Reservaten Ostafrikas. Doch im Queen-Elizabeth-Nationalpark findet sich beides. Und die variantenreiche Landschaft bietet eine besonders abwechslungsreiche Kulisse für die Tiere.

Fotos: Mit Google-Streeview durch die Savanne FOTO: Screenshot Google Streetview

Ranger Adaruku, der ein friedvolles Lächeln im Gesicht und das Sturmgewehr AK 47 über der Schulter trägt, führt die Urlauber auf den Grund der Schimpansen-Schlucht. Aus einer Baumkrone schaut ein Stummelaffe schreckhaft nach unten. Im braunen Wasser des Kyambura sind die Ohren von rund einem Dutzend Flusspferde zu sehen. Leben hier auch Krokodile? "Ich habe noch nie eines gesehen und ich bin schon ziemlich lange hier", sagt Adaruku.

Der Kyambura war für die Dörfer entlang des Flusses seit jeher eine wichtige Wasserquelle. Doch das Flusstal ist schmal, der Strom fließt schnell. Einmal, so erzählt es Adaruku, riss das Wasser den Leuten ihre Habseligkeiten fort. So kam der Kyambura zu seinem Namen, der so viel heißt wie "etwas nicht finden können".

Die Schimpansen-Population in der Kyambura-Schlucht stammt ursprünglich aus einem ausgedehnten Waldgebiet südlich des Parks. Beide Habitate waren einst durch einen Korridor verbunden, der vor mehr als 30 Jahren unterbrochen wurde. Die Schimpansen in der Schlucht lebten fortan isoliert. Und zunächst wild. An Menschen waren sie nicht gewöhnt. Mit dem Beginn der Friedensmission Unomur zur Überwachung der ugandisch-ruandischen Grenze in den unruhigen frühen 1990er Jahren begann die sogenannte Habitualisierung der Tiere.

Der Bestand stabilisierte sich. "Wir haben zuletzt vier Exemplare verloren, wahrscheinlich im Kampf untereinander", berichtet Adaruku. "Aber wir haben auch Babys." Der jüngste Schimpanse ist zwei Jahre alt. Allerdings bedroht Inzucht die Gruppe. Den alten Korridor zum Wald im Süden wieder zu öffnen, wäre jedoch kompliziert. Mehrere Dörfer liegen dazwischen. "Man müsste den Menschen eine Kompensation für die Umsiedlung zahlen", sagt Adaruku. Sehr unwahrscheinlich.

"Lonely Planet": Die Top Ten der schönsten Reiseregionen FOTO: Pass_Tral / Shutterstock.com

Schimpansen bekommen die Besucher der Kyambura-Schlucht an diesem Nachmittag nicht mehr zu sehen. Dafür kommt es zur unerwarteten Begegnung mit einem Elefanten, den auch der Ranger erst recht spät im Unterholz bemerkt. Der Bulle klappt die Ohren nach vorne. Schlechtes Zeichen. "Er hat das Gefühl, er wird angegriffen", flüstert Adaruku und mahnt zum raschen Rückzug. Dann folgt noch eine Ranger-Weisheit: "Alle Tiere sind friedlich, bis wir sie provozieren."

Deutlich stressfreier ist die Begegnung mit Elefanten auf dem Kazinga-Kanal, der wohl beliebtesten Attraktion des Nationalparks. Auf einer Bootsfahrt über die natürliche Wasserstraße zwischen Eduard- und Georgsee sind die Tierbeobachtungen ebenso zahlreich wie bequem. Die Fähren legen gleich unterhalb der "Mweya Safari Lodge" ab. Von deren Terrasse aus lassen sich bereits Elefanten, Afrikanische Büffel und Hippos in der Ferne des anderen Flussufers beobachten.

Auf dem Oberdeck des Bootes klacken die Auslöser der Kameras nahezu minütlich. Die Fotostrecken mit Tierbildern sehen später aus wie ein Daumenkino: Da gehen zwei Elefantenbullen aufeinander los, während Büffel wenige Meter entfernt im Wasser baden. Eine Elefantenkuh kommandiert ihre Jungtiere die Böschung hinauf, der Nachwuchs folgt im Gänsemarsch. Hin und wieder öffnet ein Flusspferd sein Maul und zeigt ellenbogenlange Zähne. Und das Krokodil am Ufer liegt nicht wie sonst immer erstarrt da, sondern schleicht in Richtung Wasser.

Die Bootsausflüge bewältigen längst nicht die gesamten 40 Kilometer des Kanals, genug zu sehen gibt es trotzdem. An der Mündung in den Eduardsee haben sich Scharen von Wasservögeln versammelt, Pelikane, Kormorane, Goliath- und Schwarzhalsreiher. Der einzigartige Schuhschnabel ist leider sehr selten. Auf dem See wippt ein einzelnes Fischerboot vor einem Wolkenturm, der sich düster über dem anderen Ufer jenseits der Landesgrenze erhebt, als wollte er mahnend darauf hinweisen: Dies hier ist schon der Ostkongo.

Die Konfliktregion im Nachbarland, für die es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt, könnte sich abends in der komfortablen Lodge auf der Mweya-Halbinsel nicht ferner anfühlen. Auf schweren Holzmöbeln genießt der Tourist hier seinen Sundowner, stets umsorgt von aufmerksamen Mitarbeitern. Nach dem Abendessen werden zur Unterhaltung der Gäste folkloristische Tänze aufgeführt. Später stapft direkt vor der Tür zum Doppelzimmer ab 350 Dollar pro Nacht ein Flusspferd durch die Nacht. Safari-Afrika als Urlaubstraum für Besserverdiener und Klischee zugleich.

Am folgenden Morgen geht es vorbei an Salzseen auf die Kasenyi-Ebene zur Wildtierbeobachtung. Die noch tiefe Sonne überzieht die weite Akaziensavanne mit einem goldenen Schleier, der mit dem Aufziehen des Tages langsam ausbleicht. Die Lichtstimmung ist fast schöner als die wilden Tiere: Büffelherden stehen wehrhaft zusammen, eine Uganda-Grasantilope zeigt ihre Silhouette, Paviane hocken ungerührt von den Safari-Fahrzeugen gleich neben der Buschpiste.

Eine ungewöhnliche Attraktion des Nationalparks sind die Löwen von Ishasha im südlichen Teil des Schutzgebietes, die auf Bäume steigen. Die Region liegt abseits der Hauptrouten und wird daher seltener besucht. Doch an diesem Morgen ist das ohnehin nicht nötig: In der Kasenyi-Ebene hat sich eine Löwin in drei Metern Höhe bequem im Schatten der Äste eingerichtet. Noch ein unverhofftes Erlebnis. Robert Adaruku wäre jetzt sehr glücklich. Doch der sucht gerade wieder Schimpansen.

(dpa)
 
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