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Städtereisen Montreal
Marché Jean-Talon: Die Bühne für das Savoir-Vivre

Montreal für Foodies: Das gibt es auf dem Marche Jean-Talon
Montreal für Foodies: Das gibt es auf dem Marche Jean-Talon FOTO: dpa, pla
Montreal . Montreal ist eine Stadt für Gourmets. In der kanadischen Metropole weiß man das Leben zu genießen. Und wo man als "Foodie" besonders gut einkauft: auf dem Marché Jean-Talon.

Bunte Waldbeeren, würzig duftende Wildpilze, unzählige Gemüsesorten, dutzende Käsesorten und natürlich der obligatorische Ahornsirup in allen Varianten: Der Marché Jean-Talon in Montreal ist ein Paradies für Genießer. Vor allem an den Wochenenden drängen sich Tausende durch die Gänge der überquellenden Marktstände. Für Touristen ist der Bauernmarkt in Little Italy eine der vielen Attraktionen der europäischsten Metropole Kanadas, für die Montrealer ist er ein Ausdruck ihrer Lebensart. Französisches Savoir-Vivre in Reinkultur - üppig, facettenreich, genussvoll.

Mehr als 300 Farmer, Händler und Gastronomen füllen die Reihen in und rund um die Markthalle tagtäglich mit Leben. Jean-Talon ist einer der größten Bauernmärkte Nordamerikas. Hier wird überwiegend Französisch gesprochen. Kein Wunder, es ist die Muttersprache von mehr als der Hälfte der Montrealer. Englisch sprechen gerade einmal rund 13 Prozent der Bewohner. Zusammengenommen ist die Gruppe der Italiener und Griechen mit den Einwanderern aus Spanisch sprechenden Ländern fast genauso groß wie die englischsprachige Gemeinde.

Weingüter am Okanagan-See in Kanada FOTO: dpa, pla

Entsprechend ist die Atmosphäre in der größten Stadt der Provinz Quebec. "Montreal ist sehr mediterran", erklärt Stadtführerin Ruby auf einer Radtour. Das spürt man in der Altstadt rund um die Basilika Notre-Dame genauso wie auf der Île Notre-Dame im Lorenz-Strom mit ihrem Formel-1-Rennkurs und erst recht auf dem Jean-Talon.
"Amerikanische Großstädter hetzen mit Kaffeebechern in der Hand durch die Straßen, wir setzen uns gemütlich ins Café", erzählt Ruby und lässt sich auf einer Terrasse am Markt nieder, um Samuel zuzuhören.
Der Straßenmusiker ist stadtbekannt - allerdings nicht wegen seines Gesangs, sondern wegen seiner Katze Allerique, die entspannt auf seiner Gitarre liegt, während Samuel spielt.

Nirgendwo ist die mediterrane Mentalität der Einwohner offensichtlicher als auf dem Markt. "Das Wichtigste für Montrealer ist neben Eishockey gutes Essen", behauptet Ruby. Ihrer Leidenschaft für Eishockey frönen sie beim NHL-Club und Rekord-Stanley-Cupsieger Montreal Canadiens, ihrer Leidenschaft für gutes Essen am liebsten auf dem Jean-Talon. Montrealer sind eben "Foodies", wie die Nordamerikaner sagen - Menschen, für die sich alles um das Thema "Food", also Essen, dreht.

"Der Durchschnittskanadier gibt 11 Prozent seines Einkommens für Essen aus, der Montrealer 18 Prozent", weiß Ruby - sehr zur Freude der Händler. "Viele Produkte sind hier etwas teurer, aber auch viel besser", sagt Zoe, die "ausschließlich von Hand gesammelte Wildpilze" verkauft. Auch Exoten wie den Lobster Mushroom, der mit seiner orangenen Farbe und cremigen Textur an Hummer erinnert. Die Pilze, der bunte Blumenkohl am Nachbarstand, die zwölf verschiedenen Kartoffeln von Bauer Luc - sie allen stammen direkt aus dem fruchtbaren Umland von Montreal.

Montreal - Die Stadt, die alles hat FOTO: shutterstock/ Richard Cavalleri

"Local" heißt das Schlagwort auch am Käsestand nebenan. "In Quebec werden 327 Käsesorten hergestellt und insgesamt 66 Prozent der Gesamtproduktion Kanadas", erzählt Ruby. Perfekt zum Käse passe übrigens eine weitere Spezialität der Region: Apfel-Eiswein. "Eis-Cidre und Käse, und schon gibt es eine Party", meint Ruby. Die Montrealer feierten oft und gern. "Das sieht man an den vielen Festivals und daran, dass allein auf die Provinz Quebec 50 Prozent des Rotwein-Konsums von ganz Kanada entfallen", betont Ruby.

In Montreal lässt sich gut leben. Kein Wunder, dass die Einwohnerzahl in Kanadas zweitgrößter Stadt kontinuierlich steigt. Den Bauern und Händlern auf dem Jean-Talon Markt kann es recht sein - schließlich leben sie nicht von den Touristen, die vor allem Ahornsirup kaufen, sondern von den einheimischen "Foodies".

(dpa)
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