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"Beach Inspector" im Gespräch
"Ich habe in acht Monaten schon 130 Strände getestet"

So lebt eine Strandtesterin
So lebt eine Strandtesterin FOTO: Beach Inspector
Düsseldorf. An einen Strand fahren und die Lage prüfen - so lautet die Jobbeschreibung der 28-jährigen Bielefelderin Izabella Meczykowski. Wir wollten wissen, ob es wirklich ein Traumjob ist, jeden Tag Strände zu testen, und welche Geheimtipps sie geben kann.  Von Susanne Hamann

Frau Meczykowski, Sie arbeiten als "Senior-Beach-Inspectorin". Wie muss man sich Ihren typischen Arbeitsalltag vorstellen?

Meczykowski Einen typischen Arbeitstag gibt es nicht. Jeder Tag sieht je nach Destination anders aus. Manchmal muss ich gegen 5 Uhr aufstehen, weil ich sechs Stunden zu einem Strand anfahren muss. Das war zum Beispiel gestern der Fall. An manche Strände kann man auch nicht einfach so mit dem Auto anfahren, sondern muss hinwandern. Oder man fährt auf eine Insel und muss die Anfahrt einplanen. Am Vortag mache ich außerdem eine Vorrecherche zu den Stränden, die ich mir ansehe. 

Wie sind Sie zu dem Job gekommen?

Meczykowski Im September 2015 habe ich eine Ausschreibung auf Facebook gesehen. Darin hat die Firma "Beach-Inspector" einen "Senior-Beach-Inspector" gesucht. Das heißt, jemanden, der um die Welt reist und 50 Strände auf fünf Kontinenten testet. Und da dachte ich, dass ich so meine Passion für das Reisen mit dem Job verbinden könnte und habe direkt mitgemacht. 

Und wie lief der Bewerbungsprozess ab?

Meczykowski Es gab drei Bewerbungsrunden: In der ersten musste man sich im Facebook-Voting gegen andere Bewerber durchsetzen. Dann musste man Videos einschicken in denen man sich vorstellt und erklärt, warum man der perfekte Kandidat für den Job ist. Und letztlich wurden aus rund 10.000 Leuten zehn Bewerber in die dritte Runde eingeladen. Die sind in der Gruppe an die Ostsee gefahren und mussten sich in verschiedenen Challenges beweisen, so mussten wir Artikel über Strände schreiben oder Strände vor der Kamera vorstellen. Dann hat die Jury entschieden - und ich wurde ausgewählt.

Eine spezielle Ausbildung muss man aber nicht mitbringen?

Meczykowski Das nicht. Aber ich glaube ein Kriterium für meine Ernennung waren die vielen Sprachen, die ich spreche. Denn ich spreche Deutsch, Englisch, Polnisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und etwas Russisch und das hilft auf Reisen wirklich immens. Gerade bin ich beispielsweise in der Dominikanischen Republik und ohne Spanisch würde es hier nicht gehen. 

Und wie lang geht der Job?

Meczykowski Der Job geht bis Januar 2017. Es ist ein Jahresvertrag, der auch besagt, dass ich 150 Strände auf fünf Kontinenten testen muss. Ich habe aber nach acht Monaten schon über 130 Strände getestet, deshalb werden es insgesamt auf jeden Fall viel mehr. 

Und wie sah Ihre Route bislang aus?

Meczykowski Erst war ich in Sansibar, dann auf Lanzarote und bin weiter nach Dubai. Dann bin ich für einen Monat nach Mauritius geflogen. Dann nach Israel und zwischendurch habe ich noch sechs Lübecker Strände getestet. Und jetzt bin ich in der Dominikanischen Republik und teste hier 35 Strände insgesamt. Wie viele Länder und Destinationen genau geplant sind, weiß ich allerdings gar nicht. Meistens bekomme ich zwei Wochen vorher gesagt, wo es als nächstes hingeht. 

Darf ich mal fragen wie Ihre Arbeitskleidung so aussieht? Bikini und Flipflops?

Meczykowski Nein, einen Bikini ziehe ich nur an, wenn ich ins Wasser muss. Denn wir haben natürlich auch immer wieder Schnorchel-Hotspots, die geprüft werden müssen. Dann gehe ich mit einer GoPro unter Wasser und filme das auch. Sonst trage ich ein Beach-Inspector-T-Shirt und dazu eine kurze Jeans, es ist ja schon meistens sehr warm. 

Das hört sich an, als ob Sie arbeiten, wie sich andere ihren Urlaub wünschen. Ist Strand testen denn wirklich so ein Traumjob, wie man es erwarten würde?

Meczykowski Ja, es ist auf jeden Fall ein Traumjob. Allerdings denken viele, man würde nur am Strand liegen und Cocktails trinken, das stimmt so natürlich nicht. Denn es ist zum Teil schon wirklich ein harter Job. Gestern zum Beispiel bin ich um 5 Uhr aufgestanden, um 5.30 Uhr losgefahren und um 12 Uhr nachts war ich zurück. Heute steht dann noch die ganze Nachbearbeitung der zwei Strände an. Außerdem geht man bei jedem Wetter raus, auch wenn es 40 Grad heiß ist, und dann muss man alles vernünftig vor der Kamera präsentieren, abends noch die Daten in den Computer einpflegen und Artikel über die Strände schreiben... Man muss also echt viele Sachen auf einmal machen. Das macht Spaß und ist abwechslunsgreich aber es ist auch anstrengend. 

Und was wird genau bewertet?

Meczykowski Vor allem geht es um den Lifestyle des Strandes, wie wir es nennen. Handelt es sich um einen Familienstrand oder reisen viele Surfer an, um die Wellen zu nutzen? Oder ist es ein guter Strand für Pärchen, um zu entspannen oder eignet sich der Strand für einen Trip mit Freunden, weil dort viel Party gemacht wird? Das sind die vier Hauptkategorien, die wir haben, um einen Strand zu bestimmen. Dafür haben wir einen Fragebogen mit 130 Punkten, die abgearbeitet werden müssen. Er beinhaltet aber auch Fragen zur Sauberkeit des Wassers, wie gefährlich es unter Wasser ist und wie einfach oder beschwerlich die Anfahrt ist. Und wir reden mit Einheimischen, um herauszufinden, wie der Strand an anderen Tagen aussieht. 

Und welche Strände mochten Sie gar nicht?

Meczykowski Jeder Strand hat etwas Besonderes und es gibt immer jemanden, der ihn mag. Abraten kann ich deshalb eigentlich von keinem Strand. Aber ich habe Favoriten. Einen davon habe ich gestern gesehen. Der ist sechs Stunden von Santo Domingo entfernt und heißt "Bahia de las Aguilas", also "Die Adlerbucht". Und das ist wirklich eine Traumbucht. Sie ist naturbelassen, hat klares Wasser und tolle Felsformationen, durch die man dann noch mit dem Boot fahren kann. Mein Favorit weltweit war auf der Inselgruppe "Islas Marietas" in Mexiko. Der Strand heißt "Playa Escondida" und man kommt dort nur hin, wenn man durch eine Höhle schwimmt. Mit einem Boot geht es nicht. Aber der Aufwand lohnt sich. Das ist nichts für jeden Tag, aber wirklich etwas Besonderes. 

Sehen Sie denn auch etwas von den Ländern, in denen Sie sind?

Meczykowski Ja schon. Man kommt sehr viel herum und abends oder an den freien Tagen gucke ich mir die Stadt oder die Umgebung an.

Und welche Länder haben Ihnen bislang am besten gefallen?

Meczykowski Ich kann eher sagen, was mich überrascht hat. Und das war sicherlich Dubai, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass es mir so gut gefallen würde. 

Verdienen Sie denn mit diesem Job auch Geld?

Meczykowski Sämtliche Spesen für Mietwagen, Unterkunft und Essen werden übernommen und ich bekomme daneben auch ein Gehalt. Um das Finanzielle muss ich mich deshalb nicht kümmern.

Und gibt es etwas aus Deutschland, dass Ihnen besonders fehlt?

Meczykowski Am meisten eigentlich das Essen. Auf Mauritius beispielsweise konnte ich das Curry irgendwann nicht mehr sehen, und da wünscht man sich dann schon einen Teller Hackbällchen mit Kartoffelsalat herbei. 

(ham)
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