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Lofoten
Auf Wal-Safari am Polarkreis

An diesen Orten können Sie am besten Wale beobachten
An diesen Orten können Sie am besten Wale beobachten FOTO: shutterstock.com/ ChameleonsEye
Svolvær. Launisches Wetter, dramatisches Licht und eine mystische Landschaft: Die Lofoten vor der Küste Norwegens ziehen jährlich rund 200.000 Touristen an - auch wegen der Wale. Von Manfred Lädtke

Vor 191 Jahren trat auf den Lofoten ein junger Skandinavier seinen Dienst als "Amtmann" an. Als er die grauen Berge sah, soll er ins Tagebuch notiert haben: "Hier kann die Vorstellung von Schönheit nur als Entbehrung aufkommen..." Die rund 200.000 jährlichen Touristen sehen das felsige Eiland heute mit anderen Augen. Die 150 Kilometer lange Lofoten-Bergwand und Wale sind die beliebtesten Fotomotive in der norwegischen Inselwelt.

Für einen Moment sieht das Hafenstädtchen Svolvær aus wie im Urlaubsprospekt. Unter dem hellblauen Himmel spiegeln sich rote Fischerhäuser im Wasser. Dem Blick über das Meer stellen sich hier und da Schnee betupfte schroffe Felstürme in den Weg. Plötzlich schieben sich Wolken über den Hafen der Insel Austvägoy. Wer im Winter Norwegens vorgelagerte Inselkette besucht, den erwartet ein Energiezentrum der Natur mit launischem Wetter, dramatischem Licht und einer mystischen Landschaft.

Ein Holzsteg führt zu der Pfahlhütte mit Schlafkammern, Wohnküche und Bad. "Rorbuer" (Rudererbuden) heißen die mit roter Tranfarbe vor Wind und Wetter geschützten modernisierten oder nachgebauten ehemaligen Fischerquartiere. Ein König ließ im zwölften Jahrhundert die ersten Rorbuer für Fischer errichten, die im Winter mit Ruderbooten in die ertragreichen Fjorde kamen. Als die einst üppig sortierte Speisekammer des Meeres nur noch reduzierte Angebote machte, kamen immer weniger Fischer. Die Pfahlbauten vergammelten oder wurden von Winterstürmen weggefegt. Dem Fremdenverkehr sei es zu verdanken, dass diese inseltypische Dorfarchitektur nicht verschwunden ist, erklärt Tourismusmanager Ole Nysetvold.

Der Wind pfeift in den nostalgischen Ferienhütten nicht mehr in den Ritzen, und er treibt auch keinen Schnee mehr durch die Balken. In stürmischen Nächten, wenn das Meer unter den Fenstern wütet, kommt aber wie vor Jahrhunderten Bewegung in das Gebälk und schaukelt den Quartiergast in den Schlaf. Die unfreiwillige Wackelpartie ist dann die Einstimmung auf den kommenden Tag, wenn es auf einem Motorschiff hinaus aufs Meer zur Wal-Beobachtung geht. In Regenkleidung gehüllte Deutsche, Engländer und Schweden stehen morgens an der Reling, als das Schiff Svolvær verlässt. Von Oktober bis Januar locken riesige Heringsschwärme Schwertwale (Killerwale) in den warmen Golfstrom am nördlichen Polarkreis: Das sei die beste Zeit für eine "Whale-Watching-Tour", empfiehlt der Kapitän. Aber auch in den Frühjahrs- und Sommermonaten vor und nach den kulinarischen Festwochen hätten Touristen beste Chancen auf ein Rendezvous mit "Moby Dick". Der aber lässt noch auf sich warten.

Plötzlich gleiten 200 Meter Steuerbord zwei, vier, sechs Rückenflossen wie spitze schwarze Segel durch die silbrig schimmernde See. Atemfontänen spritzen in den Himmel. "Ein Familienverband", stellt der Skipper fest. Nur wenige Delfinsprünge vor der Bootsreling stoßen die prustenden Schwimmer durch die Wellen. Schwarz-blau glänzende Rücken wölben sich aus dem Wasser, fallen nach vorne und verschwinden wieder im Meer. Ein fast neun Meter langer Killerwal reckt übermütig seinen weiß-schwarzen Leib aus den Fluten. Sekundenlang scheint er die Schaulustigen zu beobachten, dann lässt der Koloss seinen Tonnen schweren Körper krachend auf das Meer klatschen. Die mächtige Schwanzflosse steht senkrecht im Wasser, als der Orca in die spritzende Gischt taucht.

Vom Walfang als Lebensgrundlage erzählt auch das Lofot-Museum in Kabelvag. Wie auf dem musealen Gelände mit Bootsschuppen, Wirtschaftshof, Rorbuer-Hütten und Gammelbutikken (Krämerladen) nehmen die Ausstellungen in nahezu allen Insel-Museen Besucher mit hinaus auf das Meer in den längst vergangenen Alltag der Fischer.

Quelle: RP
 
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