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Flugverkehr
Flüge werden billiger – außer in den Ferien

Flüge werden billiger - außer in den Ferien
FOTO: Weber
Düsseldorf. Eine Studie zeigt, wie Billigtickets deutschlandweit und gerade in Düsseldorf an Bedeutung gewinnen. Nur zu Ferienbeginn wird abkassiert. Experten geben daher Tipps, wie man günstiger in den Urlaub kommt. Von Reinhard Kowalewsky

Beim Flugverkehr gewinnen Billigtickets gerade in NRW stark an Bedeutung. Dabei kassieren die Airlines gerade zu Beginn der NRW-Sommerferien kräftig ab. Insgesamt sinken aber die Preise wegen des harten Wettbewerbs und sinkender Kerosinkosten eher. Dies zeigt der neue Low-Cost-Monitor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Laut der Studie sank bei drei der vier in Deutschland wichtigsten Discountflieger das Preisniveau im Zeitraum von 2014 bis 2015. So kostete bei Easyjet ein Ticket knapp 66 Euro inklusive Nebenkosten, im Jahr davor waren es noch rund 72 Euro. Beim Lufthansa-Ableger Germanwings/Eurowings sank der Preis von rund 111 Euro auf 108 Euro, wogegen bei der krisengeschüttelten Air Berlin ein radikaler Rutsch von 136 Euro auf nur noch 105 Euro stattfand - nur so ließen sich die Maschinen füllen. Aufwärts ging es dagegen bei Europas Marktführer Ryanair von 56 auf 64 Euro. "Ryanair ist im Vergleich zu den Wettbewerbern relativ günstig. Mit dem zunehmenden Anfliegen zentralerer Flughäfen wie Köln und mehr längeren Strecken werden aber auch hier die Preise höher," sagt Studienautor Peter Berster.

Beispiel NRW

Erstmals beweist die Untersuchung am Beispiel von NRW, wie systematisch die Fluganbieter Reisen zu Beginn von großen Ferien in den jeweiligen Bundesländern teurer machen. Normalerweise sind Tickets umso günstiger, je mehr Zeit zwischen Buchung und Abflugtermin liegt. Während der Schulferien in NRW gelten jedoch offenbar andere Regeln in Düsseldorf, Weeze am Niederrhein und Köln.

Am 19. April kostete bei Ryanair ein Flug von Weeze ins spanische Malaga 154 Euro für den 12. Juli, also den zweiten NRW-Ferientag. Der gleiche Flug am 17. Mai kostete bei der Stichprobe nur 69 Euro. Gestern, so ein Test unserer Redaktion, waren für den 12. Juli 113 Euro fällig.

Ein ähnliches Bild ergaben auch die Stichproben bei Airberlin. Hier kosten Flüge von Düsseldorf nach Barcelona normalerweise unter 90 Euro, wenn man sie mit einem Vorlauf von einer bis vier Wochen bucht. Für den 12. Juli waren am 19. April aber 120 Euro fällig, gestern sogar 180 Euro.

Bei Germanwings/Eurowings ließ sich am 19. April mit einem Vorlauf von einem Monat ein Ticket von Köln nach Mallorca für 90 Euro kaufen, für den 12. Juli wurden knapp 100 Euro verlangt, gestern 190 Euro. "Wir steuern unsere Buchungscomputer so, dass es an erwartbar beliebten Tagen weniger günstige Tickets gibt, als an Tagen, an denen wir eine niedrigere Nachfrage erwarten", sagt Heinz Joachim Schöttes, Kommunikationschef von Germanwings/Eurowings.

Steigende Nachfrage zu Urlaubszeiten

Das DLR rät: "Ein Blick auf die Preise zeigt, dass es abseits von NRW wie im rheinland-pfälzischen Hahn oder in Belgien zu Ferienzeiten in NRW noch relativ günstige Tickets gibt", sagt Berster. Er warnt aber auch vor zu großen Illusionen: "Die Buchungssysteme und Airlines reagieren grundsätzlich schnell auf steigende Nachfrage zu Urlaubszeiten oder auch bei Fußballspielen."

Die Studie zeigt auch, wie sich Düsseldorf zu einem Zentrum der Billigfliegerei in Europa entwickelt hat - mit dem Image als Airport überwiegend für Geschäftsreisende hat das nur wenig zu tun. Nur Dublin als Heimatflughafen von Ryanair, London-Stansted, Barcelona und London-Gatwick fertigen mehr Billigflieger ab als Düsseldorf und Berlin mit jeweils etwas mehr als 850 Discount-Flügen pro Woche. Als Ergebnis starteten in 2015 immerhin 47 Prozent der in Düsseldorf abgefertigten 22, 5 Millionen Passagiere mit einem Billigflieger, ein Jahr davor waren es nur 38 Prozent von 20,7 Millionen Passagieren.

Hauptgrund für den Trend zum Discountticket ist, dass Lufthansa fast alle Verbindungen nach Europa an Germanwings/Eurowings abgab, während Air Berlin zunehmend auf kostengünstige Verbindungen setzt. Die Passagiere freuen sich - die Anwohner leiden unter mehr Flügen.

Quelle: RP
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