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Tegernsee
Genießen am Tegernsee

Tegernsee. Sterne-Küche oder Schmankerl, Berghütte oder Biergarten - 17 Betriebe haben sich vor zehn Jahren zusammengeschlossen, um die Region Tegernsee für Gourmets zu vermarkten. Von Anke Kronemeyer

Maja ist eigentlich gelernte Arzthelferin. Ihren Job gab sie irgendwann auf und heuerte in einer ganz anderen Branche an: der Gastronomie. Aber nicht irgendeiner. Sie arbeitet in traditionellem, echt-bayrischem Ambiente, dem Herzoglichen Bräustüberl am Tegernsee. Dort serviert sie im Dirndl Kaspressknödel, Backhendlbrust oder die Terrine mit Weißwursten, stemmt die Mass Bier und erklärt allen, dass die Weißwurst auf keinen Fall jemals die 12-Uhr-Glocken hören darf. Also: zuzeln und genießen. Das Bräustüberl existiert seit 1675 und braut sein eigenes Bier. Tegernsee Spezial, Leicht, Dunkel oder Hell nennt sich das Quartett. Erst brauten die Benediktiner-Mönche, dann die Wittelsbacher, heute leitet Herzogin Anna in Bayern die Braurerei. Für Maja ist das der beste Arbeitsplatz der Welt. "Da ist sogar der Verdienst zweitrangig", sagt sie als der Wirt, ihr Chef Peter Huber, gerade nicht zuhört.

Sophie Obermöller ist mit ihrem ganzen Herzen Bäuerin und Chefin von "17 Tanten", wie sie ihre Milchkühe nennt. Die stehen auf der Weide, fressen so lange, wie es im Jahr geht, das gute Heu, und geben Milch. 25 Liter am Tag. Die bringt die Bäuerin, wie 20 andere Landwirte am Tegernsee auch, in die Käserei am Tegernsee. Diese Käserei haben sie alle miteinander vor gut zehn Jahren gegründet, seit Kurzem wird Gewinn geschrieben. Fünf Millionen Euro wurden in die Genossenschaft investiert, mittlerweile hat sie 1600 Mitglieder, die mit "Genuss-Rendite" ausgezahlt werden. Also Käse, Milch und Joghurt, made in der eigenen Käserei, an der Straße um die Ecke.

Aus den 5000 Litern Heumilch, die täglich angeliefert werden, werden pro Tag 500 Kilo Käse hergestellt. Hygienisch gut abgeschirmt, aber trotzdem für die zahlreichen Besucher bei den Führungen gut einsehbar. Der Liter Milch kostet hier 2,45 Euro, die Bauern erhalten für jeden Liter, den sie abliefern, 45 Cent netto. Je besser die Keimzahl der weißen Flüssigkeit ist, desto besser ihre Auszahlung.

Zünftig geht es zu in den meisten Restaurants am See. Beim Ertl Georg geht der Blick aus seinem Almgasthaus Aibl weit in die Landschaft der Kreuther Bergwelt. Dort kommt oft das von ihm selbst erlegte Wild wie Gams, Hirsch oder Reh auf den Teller, das er auch eigenhändig in der Küche zubereitet hat. Trotz aller herzhaften Gerichte: Spezialität in diesem Gasthaus ist der Kaiserschmarrn.

Max Jäger kocht im Freihaus Brenner in der tollen Landschaft von Bad Wiessee. Warum Freihaus? Früher musste für diesen Lehnshof keine Steuer bezahlt werden. Das hat sich natürlich mittlerweile geändert. Georg "Schorsch" Weber aus der Pfalz hat in Bayern eine neue Heimat gefunden und steht am Herd seines Gasthofs Jennerwein, benannt nach dem Wildschütz Georg Jennerwein. Allen See-Restaurants gemeinsam: Sie verwenden zum großen Teil regionale Produkte, stellen sie oft selbst her und verkaufen sie auch. Graf Moltke aus den Egerner Höfen hat eine Maxime: "80 Prozent unserer Produkte sollten aus der Region kommen, aus einem Umkreis von 80 Kilometern." Genauso sehen das auch Daniela und Franz-Josef Maier: Die Betreiber des Hotels und Restaurants Maier zu Kirschner sind ebenfalls Mitglied im Projekt Genießerland Tegernsee. Sie wollen die Gastgeber-Tradition ihrer Vorfahren erhalten und haben ein Ziel: "Unsere Gäste sind auch immer Teil unserer Familie." Serviert wird das Wild, das der Chef selbst erlegt, Forellen aus der herzoglichen Zucht in Kreuth oder ökologische Produkte von den Bauern aus der Region. Direkt aus der Region sind auch die Kräuter und Blumen, die Ursl Schwarzenböck verarbeitet. Die Kräuterpädagogin erntet direkt auf den Wiesen und stellt daraus Rosenblütensirup, Wildkräuterrelish, hausgemachten Senf oder Kräutersalz her und verkauft das nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt.

Wer nach all dem Essen meint, ein Schnäpschen zur Verdauung zu brauchen, wird auch am Tegernsee fündig. Mit der Destillerie Liedschreiber und der Familie Fischerweber sind gleich zwei Brennereien von Destillaten und Likören in dem Aktionsbündnis vertreten. Beide laden die Touristen auch gerne zu Führungen und Verkostungen in die Betriebe ein.

Quelle: RP
 
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