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Urlaub in der Nähe
Geschäftsmodell Center Parc

Urlaub in der Nähe: Geschäftsmodell Center Parc
Urlaubskonzept in der Lüneburger Heide: Der Center Parc in Bispingen südöstlich von Soltau. FOTO: Center Parc
Düsseldorf. Wie aus einem Sportgeschäft in der Pampa eine der bekanntesten Tourismusmarken Europas wurde.  Von Florian Rinke

Eigentlich war das Stück Land, das man Piet Derksen anbot, völlig ungeeignet: Die Natur war ganz hübsch, doch es lag soweit abseits der großen Städte, dass es für den Niederländer eigentlich nicht zu gebrauchen war. Dieser verkaufte 1967 zwar bereits Camping-Artikel und sogar Zelte - doch wer würde schon hierher in die Pampa fahren, nur um ein Sportgeschäft zu besuchen?

Derksen hätte ablehnen können, immerhin war er zu diesem Zeitpunkt bereits ein erfolgreicher Unternehmer, dem 17 Sportgeschäfte, ein Reisebüro und eine Zeltfabrik gehörten. Doch irgendwie hatte es ihm dieses Gebiet in der Provinz Limburg angetan. Er kaufte es - und eröffnete rund ein Jahr später ein Feriendorf: Das Sporthuis Centrum De Lommerbergen.

50 Jahre später ist aus dieser Idee eine der bekanntesten Tourismusmarken Europas geworden. Allein in den Niederlanden betreibt Center Parcs, wie das von Derks gegründete Unternehmen seit 1986 heißt, neun Bungalowparks. Hinzu kommen fünf in Deutschland, drei in Belgien und sechs in Frankreich. "Wir planen gerade auch die ersten Parks in China", sagt Deutschland-Geschäftsführer Frank Daemen: "Dort sehen wir großes Potenzial." Denn auch dort gebe es den Wunsch, Urlaub in der Natur zu machen. "Jeder, der schon mal in Shanghai war, weiß, wie schön es sein kann, auch mal ein Wochenende aus der Stadt rauszukommen", scherzt Daemen.

Mussten die ersten Besucher in den 1960er Jahren noch zunächst in Zelten aus Derksens Fabrik und später dann in einfachen Aluminium-Hütten übernachten, logieren sie heute in luxuriösen Ferienhäusern mit Kamin, Flachbild-Fernseher und - in der Luxus-Variante - Whirlpool und Regendusche.

Denn nicht nur die Zahl der Parks ist im Laufe der Jahre gestiegen. Auch die Ansprüche der Kunden sind gewachsen. "Wir waren früher der erste Ferienpark mit Farbfernseher", sagt Frank Daemen: "Damit ist es heute nicht mehr getan. Die Ausstattung muss heute viel luxuriöser sein, W-Lan ist da nur die Basis. Viele unserer Häuser werden daher in Zukunft über Kücheninseln, Regenduschen, Smart-TVs und Sonos-Anlagen verfügen, die unsere Gäste über ihr iPhone steuern können."

Rund eine Milliarde Euro will das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren in den Bau neuer Parks und die Modernisierung bestehender Ferienhäuser investieren. In Deutschland suchen Daemen und seine Kollegen aktuell nach neuen Flächen. "Wir denken, dass wir die Zahl unserer Parks in Deutschland in den kommenden Jahren von fünf auf zehn verdoppeln können", sagt er.

Denn das Konzept von Center Parcs und anderen Anbietern wie Landal - Kurzurlaube quasi vor der eigenen Haustür zu ermöglichen -verliert auch 50 Jahre nach seiner Entstehung nichts an seinem Reiz. "Wir vermuten, dass der Trend zum Kurzurlaub weiter ansteigen wird", sagt Marin Lohmann, Professor am Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa. 85,2 Millionen Kurzurlaubsreisen haben Deutsche ab 14 Jahre im vergangenen Jahr gemacht, 2016 waren es bereits 89,1 Millionen. Center Parcs nutze diesen Trend, so Lohmann. "Wenn man bedenkt, dass die mal als Zelthandel angefangen haben, muss man schon sagen, dass in der Entwicklung viel unternehmerische Cleverness steckt."

Dazu zählte wohl auch, dass Piet Derksen neben den Hütten ein Schwimmbad in seinen ersten Park bauen ließ. Mussten sich die Gäste damals noch mit einem einfachen, von einer Markise überdachten Becken zufriedengeben, erwarten sie heute subtropische Badeparadiese mit Rutschen und Wellenbädern - für die sie gerne auch mal ein bißchen mehr bezahlen.

Denn die Konkurrenz zu Center Parcs ist groß - und kommt häufig ebenfalls aus Deutschlands Nachbarland. "Bungalowparks sind ein typisch niederländisches Konzept", sagt Frank Daemen: "Das sieht man auch daran, wieviel Konkurrenz es in den Niederlanden gibt. Viele Deutsche denken ja immer, wir haben alle einen Wohnwagen. Aber das ist nur ein Klischee. Statistisch gesehen haben mehr Deutsche einen Wohnwagen als Niederländer", scherzt er.

Konkurrenten wie das ebenfalls niederländische Unternehmen Landal haben mit 85 Parks ein deutlich größeres Angebot. Während Center Parcs pro Jahr auf rund drei Millionen Übernachtungen kommt, sind es bei Landal 12,8 Millionen - auch, weil die Gäste in den etwas günstigeren Ferienhäusern mit 5,6 Nächten etwas länger bleiben als in Center Parcs, wo der Schnitt zwischen 3,7 und 3,8 Tagen liegt.

"Wir sind sicherlich nicht die günstigsten", räumt Frank Daemen ein, aber man sei eben auch kein reiner Bungalowpark, sondern ein Ferienpark mit Erlebnisbad und anderen Angeboten. "Es ist ein Unterschied, ob man ein zehn mal zehn Meter großes Schwimmbecken anbietet oder ein subtropisches Wasserparadies", sagt er mit Blick auf die Konkurrenz.

Das zeigt sich auch an den Zahlen: Laut einer Studie der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung liegt der Ferienpark Bispinger Heide von Center Parcs auf Platz 16 der umsatzstärksten Hotels Deutschland. Ferienparks von Konkurrenten sind nicht unter den Spitzenreitern zu finden. Das macht sich auch in Zahlen bemerkbar: Allein in Deutschland hat sich der Mietumsatz der Parks in den vergangenen zwölf Jahren von 50 auf 80 Millionen Euro erhöht. So soll es auch weitergehen. 2018 eröffnet ein weiterer Bungalowpark im Allgäu.

Piet Derksen hat seine Anteile längst verkauft. Heute gehört das einst so kleine niederländische Unternehmen zum riesigen US-Konzern Wyndham. Und auch beim Ursprung der Center-Parcs-Geschichte, dem Bungalowpark de Lommerbergen, hat sich einiges verändert -er gehört inzwischen dem Konkurrenten Landal.

Quelle: RP
 
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