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Düsseldorf
Griechenland-Urlaub wird günstiger

Die nächsten Schritte für Griechenland
Die nächsten Schritte für Griechenland FOTO: dapd, Axel Schmidt
Düsseldorf. Die Veranstalter legen einen eigenen Rettungsschirm für Griechenland auf, denn die Buchungen sind eingebrochen: Ferienflieger Condor gewährt 50 Euro Rabatt pro Buchung, TUI senkt die Preise um zehn Prozent. Und: Restaurantbesuche sind auch günstiger geworden. Von Knut Diers

Griechenland? Da legen die deutschen Reiseanbieter ihre Stirn in tiefe Falten, bevor sie antworten. Die Buchungen für das beliebte Mittelmeerziel lagen in den ersten drei Monaten dieses Jahres 30 Prozent unter denen des Vorjahres. Zwar gab es 2011 mit mehr als zehn Prozent Zuwachs einen neuen Urlauberrekord für Griechenland, aber die bitteren Zahlen 2012 zeigten sofort Wirkung. Der Ferienflieger Condor, der allein neun Trauminseln in der Ägäis anfliegt, spannt einen eigenen Rettungsschirm auf: 50 Euro Rabatt pro Buchung sollen jetzt die Kunden locken.

"Wir wollen den Urlaubern die Verunsicherung nehmen", so verdeutlicht Johannes Winter, Sprecher von Condor, die Situation. "Dazu haben wir 10 000 Gutscheine aufgelegt, es sind genug für alle da", fügt er hinzu. Für Winter ist der Rettungsschirm auch eine Herzensangelegenheit. "Die Griechen brauchen den deutschen Euro mehr denn je", betont er.

"Traditionelle Freundschaft"

Abgeschreckt wurden die Urlauber offenbar von Fernsehbildern mit brennenden deutschen Fahnen und einer Darstellung der Kanzlerin als Nazi. Diesem Eindruck tritt Panagiotis Skordas entgegen. Der Direktor des griechischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt beschwört die Deutschen geradezu, die Regionen des Festlands und die Inseln zu besuchen. "Es gibt keinen Deutschenhass unter Griechen, sondern eine traditionelle Freundschaft zwischen Griechen und Deutschen", bekräftigt Skordas. Demonstrationen gegen den Sparkurs wegen der hohen Verschuldung gebe es ohnehin nur in Athen.

"99 Prozent der Urlauber fahren aber auf die Inseln", betont auch Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband in Berlin. Die Vertretung der Reisebüros und Veranstalter sieht einen Silberstreifen am Horizont der Buchungen. Diese zögen seit einer Woche wieder an. "Das Land ist ein Saisonziel", erläutert Schäfer. "Die Saison beginnt erst und reicht bis Ende September." Allerdings sieht Schäfer bei einigen Hotels auf einigen Inseln einen Investitionsstau. "Die Türkei als Konkurrent hat kräftig investiert und den Standard gehoben."

Längst haben die griechischen Hoteliers mit Preissenkungen reagiert. "Dadurch sind auch unsere Preise bis zu zehn Prozent günstiger", sagt Anja Braun vom Veranstalter TUI. Die eigenen Hotelmarken hätten sich schon von Jahresbeginn an positiv entwickelt. So sei der neue Robinson Club Kalimera Kriti auf Kreta der am besten gebuchte im gesamten Sortiment. In Amoudara eröffnete eine Anlage von Club Magic Life. "Auf Kreta, Kos oder Rhodos gab es keine Demonstrationen, und jetzt erwarten wir keine Proteste mehr", betont George Karatzias, Direktor von Grecotel.

Zahlreiche Hotels seiner Kette seien bei den Renovierungen im Winter stark aufgewertet worden. So sei in Amirandes in Heraklion auf Kreta ein neuer Spa- und Wellnessbereich entstanden, im Creta Palace gebe es jetzt eine Golf-Akademie. Andreas Ehli, der bei TUI das Reiseleiterteam Griechenland dirigiert, fasst das so zusammen: "In dem Land hat sich viel verändert, für die Urlauber nur zum Positiven."

Den Befürchtungen, die Preise könnten durch die Steuererhöhungen explodieren, tritt Grecotel-Di-rektor Karatzias entgegen. "Die Nebenkosten, etwa für Restaurantbesuche, sind im Vergleich zu 2011 gesunken – trotz höherer Mehrwertsteuer." Auf der Insel Skopelos sollen die Preise sogar um 30 Prozent unter denen des Vorjahres liegen. Schon warnt der Deutsche Reiseverband vor einer "Schnäppchen-Mentalität".

"Den Begriff würde ich ungern benutzen", kommentiert Sprecher Schäfer. Um nicht von Ausverkauf oder Ramschniveau zu reden, betonen die Anbieter das einmalig günstige Preis-Leistungsverhältnis. Eine Analyse des Portals "start.de", das Angebote aus Griechenland, Spanien und Portugal gerade geprüft hat, kommt ebenfalls zu dem Ergebnis: In wirtschaftlich angeschlagenen Ländern gibt es keine Schnäppchenpreise.

Die Preise lägen auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr, sagte ein Sprecher des Portals in Frankfurt. Einige Veranstalter wie FTI hätten jedoch die Frühbucherfristen verlängert – insbesondere für Griechenland. Das solle Anreize schaffen, jetzt den Sommerurlaub in der Ägäis klarzumachen, empfahl der Sprecher. Auf dem Last-Minute-Markt seien keine größeren Preissenkungen mehr zu erwarten.

(RP/anch/das)
 
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