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Staunen in Hogwarts
Harry Potters Welt in London erleben

Harry-Potter-Tour durch London
Harry-Potter-Tour durch London FOTO: Alexei Makartsev
London. Rund 30 Kilometer nordwestlich von London eröffnet am 31. März die Harry-Potter-Studio-Tour. Besucher gehen dabei auf eine Reise durch die Original-Filmkulissen. So mancher Trick wird dabei entschlüsselt, und wer mag, der darf einmal auf einem Nimbus-2000-Besen Platz nehmen. Von Alexei Makartsev

Ein wilder Ritt auf einem Nimbus-2000-Besen durch Großbritannien ist keine große Zauberei: Man muss dazu nur eine aerodynamische Haltung in dem Flugsimulator einnehmen, indem man sich vorbeugt und mit einer Hand den Stiel ergreift. Die Beine zusammengepresst und um die Hüften einen Sicherheitsgurt geschnallt, fegt man im Zickzack durch den Londoner Verkehr über die Themse bis zu den Highlands. Am Ende macht das borstige Transportmittel eine rasante Kurve über einem majestätischen Schloss mit vielen spitzen Türmen: Hogwarts. Im Flugsimulator des Leavesden-Studios schreien die "Besenpiloten" freudig auf, als sie auf ihren Bildschirmen die berühmte Schule von Harry Potter erblicken.

Es gibt eine gute Nachricht für die Fans des Zauberlehrlings: Das sagenumwobene Hogwarts ist nur rund 30 Kilometer von der Londoner City entfernt und auch für "Muggels" (Nicht-Zauberer) zugänglich. Die Tour des US-Filmstudios Warner Bros. führt die Besucher ab 31. März durch die Filmkulissen und zeigt zudem Kostüme, Requisiten und Animationen.

Damit entzaubern die Macher einen Mythos, denn sie zeigen die (geheimen) Tricks, mit denen sie zehn Jahre lang das Publikum in Spannung gehalten haben. Pst... Hagrid war in Wirklichkeit kein Riese, die prächtigen Bände in Dumbledores Zimmer sind überklebte Telefonbücher, und in den Zaubertrank-Phiolen von Severus Snape stecken abgeschnittene Tierschwänze aus dem Zoo. Vielleicht werden manche Besucher enttäuscht sein. Warner glaubt jedoch fest daran, dass die neue Londoner Attraktion zu einer globalen Pilgerstätte für Millionen Fantasyfreunde werden wird.

Die Tour beginnt mit einem Videogruß von Hermine, Ron und Harry: "Wir sind in diesen Studios aufgewachsen. Erleben Sie die Welt, die unser Zuhause war." In Leavesden wurden bis 1994 die Rolls-Royce-Motoren zusammengeschraubt, ehe die Fabrik in ein Studio umgewandelt wurde. Im Jahr 2000 begannen dort die Dreharbeiten für den ersten der acht Potter-Filme. Die wichtigsten Schauplätze der Zaubersaga wurden mit Riesenaufwand wieder aufgebaut und in zwei Hangars von der doppelten Fläche des Kölner Doms zusammengeführt.

Der Rundgang durch die Potter-Welt startet in der Großen Halle von Hogwarts, die dem Speisesaal des Christ-Church-College in Oxford nachempfunden ist. Im majestätischen Raum mit geflügelten Fackelträgern an den Wänden stehen lange hölzerne Tische, an denen Harry und seine Mitschüler gefeiert haben. Im Hintergrund sind die Originalkostüme von Dumbledore und den anderen Lehrern zu sehen. Man merkt schnell, wo die Magie aufhört und die Realität beginnt. Erstens fehlt der 36 Meter langen Halle ihre fantastische Decke mit Wolken, Sternen, Galaxien und schwebenden Kerzen – sie wurde in den Filmen digital erzeugt. Die Besucher machen die zweite Entdeckung, wenn sie den mittelalterlichen Festsaal verlassen: Seine soliden Wände bestehen in Wahrheit aus dünnen Holzbrettern mit einer Mörtelschicht.

Alles wirkt authentisch: Die ungeputzten Fensterscheiben, Spinnweben und die abblätternde Wandfarbe in der gepflasterten Winkelgasse, deren Zaubergeschäfte Kristallkugeln, Kräuter und Eulen anbieten. Das in dreimonatiger Arbeit aufgebaute Set des Gemeinschaftsraumes von Gryffindor besticht durch wertvolle Ölbilder und Wandteppiche (in Wahrheit ist es ein bemalter Stoff). Die filmische Potter-Magie ist besonders stark im Arbeitsraum von Dumbledore zu spüren, in dem 48 Porträts der früheren Hogwarts-Direktoren hängen. In Wahrheit stellen die Bilder verkleidete Warner-Mitarbeiter dar. In einer Ecke liegt der berühmte spitze Hut, der die Schüler in die vier Zauberhäuser einsortiert hat. Manch kleiner Besucher steht ewig davor, um ihn sprechen zu hören, dabei bleibt der Hut leblos. Vor dem Haus des Wildhüters verrät Führerin Jo-Anne East, dass eine zweite, kleinere Hütte gebaut wurde, damit der 1,85 Meter große Schauspieler Robbie Coltrane darin riesig wirkte.

Auf dem Höhepunkt des Rundgangs steht man vor einem Hogwarts-Modell im 1:24-Maßstab, das bei Außenaufnahmen eingesetzt wurde. 86 Künstler haben in sechs Monaten diese Kopie des märchenhaften Schlosses mit 2500 Lämpchen, Puppengeschirr und Mini-Eulenfiguren angefertigt.

Ein paar Schritte weiter werden im Studioladen Souvenirs wie blinkende Besen und Spielzeugeulen verkauft. Das Hermine-Kleid kostet stolze 240 Pfund (ca. 287 Euro). Die Besucher mit Kindern werden über magische Kräfte verfügen müssen, um die Harry-Potter-Welt ohne solchen Tand zu verlassen.

(RP/chk/csi)
 
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