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Bad Kleinkirchheim
Hochkultur im Hotel

Bad Kleinkirchheim. Wenn "Tatort"-Kommissarin Anna Schudt und der Staatsschauspieler Moritz Führmann aus Düsseldorf im "Ronacher" in Kärnten auftreten, dann ist für viele Gäste der Abschluss des Tags ein besonderer Genuss. Von Annette Bosetti

Anna Schudt sitzt ungeschminkt beim Frühstück. Die als coole "Tatort"-Kommissarin Martina Bönisch bekannte Schauspielerin genießt das hausgemachte Angebot des Büffets genauso sehr wie die Tatsache, dass die Hotelgäste im "Ronacher" sie nicht ansprechen. Vielleicht erkennen sie die 43-Jährige mit hochgestecktem blonden Haar auch nicht. Pünktlich zum Omelett findet sich Ehemann Moritz Führmann ein, der mit der frühen Maschine aus Köln in Klagenfurt angekommen ist und zu seiner Frau stößt, die schon einen Tag vorher aus einer anderen Stadt anreiste. Die Freude ist sichtbar groß, man speist zusammen und tauscht Küsschen aus; später geht's in die Wellness-Abteilung.

So ein Treffen auf neutralem Boden ist Alltag im Leben der beiden vielbeschäftigten Schauspieler: Dass sie sich selten zuhause sehen, aber irgendwo unterwegs treffen zwischen Drehterminen und Vorstellungen. Beide sind angesehene Schauspieler, er aktuell mehr auf der Bühne beschäftigt, sie in Film und Fernsehen. Mit drei Söhnen leben sie in Düsseldorf, wo Führmann im festen Engagement des Schauspielhauses ist.

Das Treffen in Bad Kleinkirchheim/Kärnten ist etwas Besonderes - denn sie sind hergekommen, um am Abend aus Thomas Manns Roman "Joseph und seine Brüder" zu rezitieren. Sie sind sozusagen die Zugabe im Konzept eines Hotels, das mit verschiedenen Pfunden wuchern kann und doch jetzt schon im siebten Jahr seinen Gästen nach dem letzten Gang des Abendessens Hochkultur serviert.

Die Kulturgastspiele im Ronacher haben sich etabliert. Dass man im Frühherbst, wenn sich abends nicht mehr viel all zuviel ereignet am Fuße der Nockberge, Hochkultur im Hotel erleben kann, finden selbst die Anwohner gut. Das Festival hat sich bis auf die Berghütten herumgesprochen. Wer mit dem Auto über die Hauptstraße in dem 700-Haushalte-Ort ankommt, durchfährt ein blinkendes Werbebanner, auf dem das Event angekündigt ist.

Der Weg hoch zum Hotel ist gesäumt von Ankündigungsplakaten: Peter Weck und Adele Neuhauser, die Bibi Fellner aus dem Österreich-"Tatort", waren schon da. Die Publikumslieblinge haben den 150 Menschen fassenden Saal fast gesprengt. "Tatort"-Kollege Harald Krassnitzer wird am 28. Oktober erwartet, als Höhepunkt gilt der Auftritt der scheuen Schauspielerin Heike Makatsch am 26. Oktober. Elf Termine sind zu den Kulturgastspielen zusammengefasst, mit denen das Hotel eine Sonderstellung behauptet.

Kultur im Hotel ist keine Neuerfindung, aber auch nicht wirklich weit verbreitet, wenn man es unterlässt, die Gästeshows in Ferienclubs als Kultur zu bezeichnen. Mit Hochkultur wurde vor allem ein Hotel in Deutschland bekannt, Schloss Elmau, dessen Besitzer schon von Beginn des 20. Jahrhunderts an die geistige Auseinandersetzung mit Kultur im Hotelalltag förderte. Von Elmau aus, das er bestens kennt, transferierte ein findiger Kulturmanager die Idee nach Bad Kleinkirchheim, wo es ihm gelang, Simone Ronacher dafür zu begeistern.

Dieser Impresario, der vor 40 Jahren wegen des Klimas nach Bad Kleinkirchheim zog, ist in Düsseldorf ein guter Bekannter der Kulturszene. Günther Beelitz, verdienter Ex-Intendant des Schauspielhauses, nutzt die Kontakte seiner jahrzehntelangen Arbeit für die Festspiele in den Bergen. Er duzt Peter Weck und ist gut Freund mit Nicole Heesters, vor einigen Jahren hatte er Maximilian Schell im Ronacher zu Gast. Da musste der Vortragssaal vorzeitig abgesperrt werden.

Mit Hauben-Küche, allerbestem Service und beheizen Sofas auf der Veranda können viele Hotels aufwarten. Das Ronacher bietet außerdem eine Thermallandschaft, die ihresgleichen sucht. Zu den weltweit 50 besten Spas wurde eben erst es von der "Sunday Times" gekürt. Gleich hinter dem Hotel liegt das Kapellchen, unter dem die Kathreinen-Quelle entspringt. Seit dem 15. Jahrhundert ist die Heilwirkung des Wassers bekannt. Vier Liter sprudeln pro Sekunde aus dem Boden. Ein Schatz und Segen für das Hotel und seine Gäste.

Kultur solcher Güte und Prominenz lässt sich die Hotelchefin etwas kosten, sie lädt die Schauspieler und Autoren ein in ihr gastfreundliches Haus. Für Hotelgäste ist der Vortrag inklusive, das Einzelticket kostet 45 Euro für den Abend. Simone Ronacher ist noch jung, doch die Tochter der österreichischen Sterneköchin Johanna Meir ist in der Welt herumgekommen. Sie will ihr Haus mit allem, "was Leben lebenswert macht", optimieren. Sie ist selbst begeistert von der Kultur und ihren prominenten Botschaftern.

Die Kulturgastspiele laufen in einer ruhigeren Zeit. Zwischen Sommer und Winter kommen die meisten Hotelgäste wegen des Spa und des haubengekrönten Essens. Man schwimmt den halben Tag, lässt sich ayurvedisch behandeln oder die Fußnägel schön machen, dann ist man vielleicht noch durch das liebliche Tal gewandert. Auch nach dem Almabtrieb in hohen Lagen ist das Naturvergnügen längst nicht vorbei: Zwischen "Heidi-Alm", Alpenblumen-Lehrpfad und Golfplatz lässt sich vieles erleben, sogar Mountainbike fahren.

90 Prozent sind Stammgäste, im Oktober ist das Ronacher gut gebucht. Und so wird der Abend mit Anna Schudt und Moritz Führmann zum Erfolg. Die Beiden aus Düsseldorf - jetzt ist sie geschminkt, und er tritt im weißen Kostüm auf - spielen in Dialogform, sie drehen auf, als stünden sie in der Wiener Burg. Auch wenn der Saal nicht knüppelvoll ist, gibt es großen Applaus. Im Saal sitzt zufrieden Günther Beelitz; wahrscheinlich plant er schon den nächsten Kultursommer in Kärnten. Die guten Geister des Hotels reichen Quellwasser. Dann geht es zum Meet & Great - Autogrammstunde auf Tuchfühlung.

Zu den Übernachtungen lud das Hotel Ronacher die Redaktion ein.

Quelle: RP
 
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