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In 105 Tagen um die Welt
"Ich verbrauchte 15.000 Kalorien am Tag"
Die schönsten Bilder der Weltumrundung  des Thomas Großerichter
Die schönsten Bilder der Weltumrundung des Thomas Großerichter FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Düsseldorf. Thomas Großerichter hat in 105 Tagen die Welt mit seinem Fahrrad umfahren. Mit uns hat er über Endorphine, Schmerzen, Motivation und seinen riesigen Kalorienverbrauch während seiner Reise gesprochen. Von Anja Streichan

Sie haben insgesamt 95 Tagen auf dem Fahrrad gesessen - was machen Sie jetzt, da Sie endlich "Pause" haben?

Großerichter Im Moment trainiere ich weiter. Ich muss täglich Sport machen, weil ich sonst gesundheitliche Probleme bekommen könnte – beispielsweise Herzrythmusstörungen. Zudem braucht meine Psyche weiterhin die Endorphine, die sie durch den Sport bekommen hat. Wenn man extremen Ausdauersport gemacht hat, kann man nicht einfach wieder aufhören.

Hinzu kommt, dass nach dem Weltrekord mein Telefon nicht mehr still steht. Ich muss viele Interviews geben und mich gleichzeitig neu organisieren. Abends versuche ich mich zu entspannen und meine Reise Revue passieren zu lassen. Es fällt es mir immer noch schwer zu begreifen, was ich geschafft habe.

Wie geht es Ihnen denn körperlich?

Großerichter Gesundheitlich könnte es nicht besser sein. Ich habe kaum Gewicht verloren. Dabei habe ich durchschnittlich 15.000 Kalorien am Tag verbrannt. Um das wieder aufzufangen, habe ich viel Pasta gegessen – die hat mir meine Crew in verschiedenen Ausführungen zubereitet. Hinzu kamen etwa 20 Müsliriegel am Tag und viele Bananen. Um Eiweiß für meine Muskeln zu mir zu nehmen, habe ich häufig Eier gegessen. Getrunken habe ich hauptsächlich elektrolythaltige Sport-Drinks. Zwischendurch gab es sogar mal Schokolade, aber ich habe darauf geachtet, nicht zu viel Zucker zu mir zu nehmen.

Trotz allem hatten Sie aber nach der Flugzeug-Etappe zwischen Argentinien und Portugal Probleme mit den Beinen. Was war passiert?

Großerichter Mein Körper hatte sich an die Bedingungen des extremen Fahrradfahrens gewöhnt – ich saß zwölf bis 14 Stunden am Tag im Sattel. Das Sitzen mit angewinkelten Beinen im Flieger hat mir deshalb starke Probleme beschert. Der Blutkreislauf in meinen Beinen war unterbrochen, hinzukam die Säure, die sich durch den Sport dort angesammelt hatte. Ich konnte vor Schmerzen kaum laufen. In Lissabon war ich deshalb zu zwei Tagen Pause gezwungen. Erst als ich Schmerzmittel nahm und wieder mit dem Sport anfing, wurden die Beschwerden besser.

Und andere Körperstellen? Schmerzt einem nach so viel Radfahren nicht auch der Hintern?

Großerichter Obwohl ich durchschnittlich 308 Kilometer am Tag geradelt bin, hatte ich da keine Beschwerden. Ich bin darüber selber erstaunt. Ich hatte auch keine Wunden oder andere Probleme zu beklagen. Mein Geheimnis sind wohl Radlerhosen mit Einlagen und Melkfett.

Gut, dass es Hausmittelchen gibt. Gab es denn einen Zeitpunkt, zu dem Sie alles hinschmeißen wollten?

Großerichter Es gab Momente, in denen habe ich mich gefragt, was ich da eigentlich mache. Manchmal haben meine Crew und ich gedacht, dass sich die ganze Welt – vor allem das Wetter – gegen uns verschworen hätte. Da habe ich einen Moment resigniert, aber nicht die Hoffnung verloren. Ich war motiviert, weil wir immer noch in der Zeit lagen. Ich hatte nie Zweifel, dass wir den Rekord letztendlich brechen würden.

Und Sie sind tatsächlich einmal um die Welt geradelt. Was war der schönste Moment auf Ihrer Reise?

Großerichter Die Ankunft mit einer Heimatort Herbern im Münsterland war überwältigend. Auf dem Hof meiner Eltern haben knapp 100 Menschen auf mich gewartet und im Dorf haben noch einmal so viele Fans gefeiert. Da kam ich mir vor wie ein Star, ich war sehr gerührt.

Wie viel sieht man eigentlich von der Welt, wenn man sie so schnell durchreist?

Großerichter Man sieht alles, saugt aber nicht alles in sich auf. Teilweise bin ich wie in Trance gefahren. In Neuseeland hat mich allerdings die Schönheit der Natur überwältigt – und dazu motiviert noch weiter in die Pedale zu treten.

Welches Land würden Sie denn gerne noch einmal in Ruhe – als Tourist – bereisen?

Großerichter Ich bin gerne unterwegs und sehe andere Länder, Kulturen und Landschaften und würde gerne in alle Länder auf meiner Route noch einmal reisen. Besonders beeindruckt hat mich allerdings Neuseeland. Die Insel ist wunderschön und ideal zum Radfahren.

Und wie geht es jetzt weiter?

Großerichter Ich werde auf jeden Fall weiter Extremsport machen und habe auch schon einige Projekte im Hinterkopf – spruchreif ist davon aber noch nichts. In den nächsten Monaten freue ich mich schon darauf, Motivationsvorträge zu halten und das Erlebte und meine Erfahrungen weiter zu geben.

Quelle: anch
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