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Korrespondent Alexei Makartsev: Mein London
Im Riesen-Ei an der Themse

Korrespondent Alexei Makartsev: Mein London
Korrespondent Alexei Makartsev: Mein London FOTO: www.britainonview.com
London (RP). London ist elegant, skurril und lebendig: Unser Korrespondent Alexei Makartsev sagt, was niemand in der Mega-City verpassen sollte. Teil zwei der Städtetouren-Serie.

Paris ist ein kleines, überlaufenes Dorf. New York City ist eine Kleinstadt mit vielen Menschen. Und London? Ein über die Themse gelegtes Riesenei, flächenmäßig doppelt so groß wie das "Big Apple", aber nur halb so dicht besiedelt. Die britische Hauptstadt ist das Herz des ehemals größten Imperiums der Welt, sie ist ein Zentrum des globalen Handels, dessen Bruttosozialprodukt dem eines Industriestaates entspricht. Und sie ist der kosmopolitischste Platz der Erde, ein Schmelztiegel der Nationen mit Menschen aus 182 Staaten, die 300 Sprachen sprechen und 14 Religionen praktizieren.

Das Erstaunlichste ist, dass man in dieser freundlichen, offenen und sehr toleranten Stadt nicht untergeht. Als Tourist kann man sich in dem Riesenei London sogar wohl fühlen, wenn man im Kopf behält, dass die große Stadt aus der winzigen City und 32 Boroughs (Bezirken) besteht, die nichts anderes als zusammengewachsene Mini-Dörfer sind. Dass die elegante und vielseitige britische Metropole voller Humor, skurriler Traditionen und schriller Kreativität dem Reisenden kulturell viel zu bieten hat, versteht sich von selbst. Hier ein paar Tipps für London-Entdecker:

Unbedingt ansehen Zwei kulturelle Perlen, die mit "British" anfangen: Museum und Library. Unter dem gewölbten Netz-Dach aus Stahl und Glas im Innenhof des ältesten Museums der Welt mit 13 Millionen Exponaten fühlt man sich wie eine glückliche Ameise. Kein Wunder, schließlich steht man auf dem größten überdachten öffentlichen Platz Europas. Zwei Schritte weiter taucht man in die tiefste Vergangenheit Chinas ein: Im British Museum läuft bis April 2008 die faszinierende Ausstellung "Der erste Imperator", die die größte Gruppe von Terracotta-Soldaten zeigt, die jemals China verlassen durfte. Die British Library lohnt wegen der ausgestellten Bücher und Dokumente von unschätzbarem Wert: Hier findet man neben der "Magna Carta" ein Exemplar der Gutenberg-Bibel, Jane Austen‘s Briefe, Mozarts Noten, Robert Scotts Tagebuch und Paul McCartney‘s Manuskript des Songtextes von "I Want To Hold Your Hand". Nicht entgehen lassen sollte man sich auch einen "Flug" mit dem höchsten Riesenrad Europas, London Eye (135 Meter) und den Tower, den erstmals seit 522 Jahren eine Frau bewacht. Grüße an die freundliche Beefeaterin Moira Cameron!

Unterkunft Billig und London sind Gegensätze. Leider ist die schönste Stadt der Welt auch eine der teuersten, vor allem was Hotels angeht. Die Berliner vier Sterne für 150 Euro schrumpfen hier zu zwei zum selben Preis. Für drei Sterne muss man im Schnitt 162 Euro berappen. Wer es sich leisten kann: "The Dorchester" mit dem besten Afternoon-Tea Londons für 30 Pfund. Oder wie wär‘s mit dem "Covent Garden Hotel", das die amerikanischen Filmstars Liv Tyler und Scarlett Johansson lieben? Für 400 Pfund kann man versuchen, im "The Gore Hotel" ein Bett zu kriegen, in dem Judy Garland geschlafen hat. Sonst ist das englische "Bed & Breakfast" in den Randbezirken (der Süden ist attraktiver!) eine gute Lösung. Brauchbarer Hotel-Discounter: www.laterooms.com.

Stadtrundfahrten Eine der schönsten ist die Duck-Tour (18 Pfund) mit einem Amphibienwagen aus dem Zweiten Weltkrieg, der nach einer Fahrt durch die City wie eine Ente in die Themse hüpft. Als Schiff fährt die von zwei Schrauben angetriebene Ente mit dem Namen Desdemona zum Big Ben, den man aus einer ungewöhnlichen Perspektive fotografieren kann. Täglich neun Touren ab London Eye: www.londonducktours.co.uk. Wer wasserscheu ist, setzt sich am besten in einen "Routemaster"-Doppeldecker Nummer 15, der durch die Innenstadt von Tower Hill bis Paddington fährt. Die Fahrt kostet zwei Pfund.

Essen Wer Fish & Chips nicht mag, findet in London leicht ein Lokal, das ein anderes typisches Gericht serviert: Curry! Ja, es gibt mittlerweile so viele Inder an der Themse, dass Chicken Curry und Tikka Masala fest zum Alltag gehören. Es gibt in London viele Lokale, die nicht nur dem Magen gut tun, sondern die auch eine Wohltat fürs Auge sind. In "Sarastro" (Drury Lane) sitzt man wie in einer Opernloge mit Gold und Plüsch. Ins rustikale "Rules", an dessen Wänden Karikaturen hängen, geht man, weil dort König Edward VII, Charles Dickens und Graham Green diniert haben – es ist das älteste Restaurant Londons, das noch zu Napoleons Zeiten eröffnet wurde. Ist das Wetter gut, empfiehlt sich ein Besuch des Restaurants im Oxo Tower an der Themse, von dessen Terrasse man einen herrlichen Ausblick hat.

Trinken Eigentlich überall. Es gibt in London fast keinen Pub, in dem man nicht gemütlich einen Pint trinken könnte. Die Frage ist weniger, wo trinken, sondern was. Empfehlenswert sind die Ales "London Pride" oder "Greene King IPA". Wer Geschichte zum Bier haben will, geht ins viktorianische "Lamb" (Conduit Street), wo Dickens oft gewesen ist oder ins "Old Red Lion" (High Holborn), in dem vor 350 Jahren die ausgegrabene Leiche von Oliver Cromwell den royalistisch gesinnten Trinkern Gesellschaft geleistet hat. Im "Sherlock Holmes Pub" (Charing Cross) kann man Schwarz-Weiß-Krimis gucken. Die "Ye Olde Cock Tavern" (Fleet Street) ist schmaler als so manches Auto. In Mayfair befindet sich der Pub mit dem zweitlängsten Namen Großbritanniens – "I Am The Only Running Footman" (Ich bin der einzige laufende Diener).

Kultur Lohnenswert ist ein Besuch des prächtigen Victoria & Albert Museums und der imposanten New Tate Galerie. Mit Kindern kann man sich das Natural History Museum mit beweglichen Dinos anschauen oder das spannende Science Museum, das die Fantasie anregt. Im Londoner "Theatreland", findet sich ein Drama mit Weltstars oder ein Musical für jeden Geschmack – wie wäre es zum Beispiel mit dem jazzig-anzüglichen, flippigen "Chicago", das im Dezember seine zehn Jahre im West End feiert? Für Musikfans sind die Clubs ein Paradies – der Schönste ist vielleicht das kleine Borderline am Rand von Soho, in dem viele gute Indie-Bands gespielt haben.

Szene-Treffs Fast jeder Pub ist ein Szene-Treff für sich, zumindest ist in vielen Bierlokalen die Chance groß, originelle, interessante, humorvolle und auch bekannte Leute zu treffen. Stars wie Beckham & Co. treiben sich im "The Ivy" (West Street) herum. Prinz Harry sah man häufiger im "Pangaea Nightclub" (Piccadilly) und im "Mahiki Club" (Soho), wo die Nummer drei der Thronfolge für 7000 Euro Drinks bestellt haben soll. Auch der "Boujis Club" ist bei den Royals beliebt. Im "Pub Ten Bells" (Commercial Street) findet man Hobby-Ripperologen: Dort soll der Serienmörder eines seiner Opfer getroffen haben, ehe er später die arme Frau umgebracht hat.

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