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Tourismus
In den Sommerferien an den Niederrhein

Tourismus: In den Sommerferien an den Niederrhein
Den Sonnenuntergang auf einem Hausboot auf dem Diesfordter See genießen - das lockt auch ausländische Touristen länger an den Niederrhein (Symbolfoto). FOTO: Malz Ekkehart
Düsseldorf. Viele NRW-Bürger schwärmen dieser Tage in alle Welt aus, um Urlaub zu machen. Es gibt aber auch Menschen, die kommen in den Ferien nach NRW. Wo genau kommen sie her? Und was lockt sie an? Wir haben nachgeforscht.  Von Franziska Hein

Volker Dingebauer hat gerade Besuch aus der Schweiz und aus den USA. Der Landwirt betreibt auf dem Diersfordter Waldsee in Wesel zwei Hausboote. Es ist seine erste Saison als Gastgeber. Und obwohl er seine Hausboote das erste Mal in der Hauptsaison vermietet, kommen die Gäste schon von weither. Auch ausländische Touristen schätzen die Ruhe und Abgeschiedenheit am Diersfordter Waldsee. Denn zum Wandern, Radfahren und Camping kommen die meisten Gäste an den Niederrhein.

Dabei kommen auch zahlreiche ausländische Urlauber nach NRW – darunter nicht nur die sogenannten Medizintouristen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die wegen der guten Gesundheitsversorgung und des angenehmeren Klimas in Städte wie Düsseldorf oder Bonn reisen. Dingebauer vermietet seine Hausboote wochenweise. Bald hat er Gäste aus Neuss, die sogar 14 Tage bleiben wollen. Die Idylle liegt also vor der Haustür. 

80 Prozent sind deutsche Gäste

Damit sind Dingebauers Gäste noch eine Ausnahme. Denn sonst bleiben die Touristen maximal zwei bis drei Nächte, sagt Martina Baumgärtner, Geschäftsführerin des Verbunds Niederrhein Tourismus. In dem Verbund haben sich 48 Städte und Gemeinden zwischen Emmerich und Selfkant (Kreis Heinsberg) zusammengeschlossen, um die Region als Tourismusziel zu vermarkten. "Unsere Zielgruppe sind Tagestouristen etwa aus dem nahe gelegenen Ruhrgebiet, Belgien und den Niederlanden", sagt Baumgärtner.

Dies untermauern auch Zahlen des statistischen Landesamts: Im Juli 2016 gab es 215.325 Übernachtungen am Niederrhein. Davon waren 80 Prozent deutsche Gäste, elf Prozent Niederländer und fünf Prozent Belgier. Aktuellere Zahlen für den Sommertourismus 2017 gibt es noch nicht. "Wir sind eine klassische Kurzreiseregion", sagt Baumgärtner. Reisende kommen über ein verlängertes Wochenende oder auch mal auf der Durchreise. 

Im Durchschnitt gibt jeder Gast ungefähr 70 Euro aus, berichtet Baumgärtner. Darin enthalten sind sowohl Einkäufe als auch Übernachtungen. Im Jahr 2016 gab es insgesamt knapp zwei Millionen Übernachtungen, ungefähr 140 Millionen Euro hat der Niederrhein mit Tourismus demnach verdient. 

Düsseldorf und der Niederrhein sind Ziele für kurze Reisen

Die Besuchsdauer ist auch in Düsseldorf ähnlich. Die mittlere Aufenthaltsdauer von Touristen betrug im Juli 2016 zwischen ein und zwei Nächten. Besucher aus den Arabischen Golfstaaten hingegen bleiben meist länger als drei Tage. Unter den Top fünf der ausländischen Nationen, die sich in den Monaten Juli und August in Düsseldorf aufhalten, sind die Vereinigten Arabischen Emirate, gefolgt von Großbritannien, den Niederlanden, USA und Russland. Im August kommen auch vermehrt Chinesen. 

Übernachtungsgäste geben in Düsseldorf im Schnitt 218 Euro aus, in dem Betrag ist die Übernachtung bereits mit eingerechnet. Macht bei knapp 4.600.000 Übernachtungen im Jahr 2016, mehr als eine Milliarde Euro Umsatz. Tagesgäste lassen dagegen etwa 38,50 Euro in Düsseldorf. 

"Im Sommer haben wir kaum Messebesucher, die meisten Gäste sind Medizin- und Shoppingtouristen", sagt Sandra Skrzynska, Sprecherin der Düsseldorf Tourismus GmbH. Nordamerikaner kommen vor allem im Rahmen einer Europareise durch Düsseldorf. Sie verbinden einen Besuch dann mit Städtereisen nach Köln oder Aachen und reisen dann weiter ins europäische Ausland, nach Paris zum Beispiel. Gäste aus den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich liegen auch im Gesamtjahresüberblick seit vielen Jahren in den Top 5. "Während sie im Winter vor allem wegen des Weihnachtsmarkts kommen, kommen sie im Sommer für eine klassische Städtereise in die Rheinmetropole", sagt Skrzynska.

Wandern, Radfahren und Camping

Wenn es nach den Tourismusmanagern geht, soll die Region noch attraktiver für Touristen werden – auch über die Sommermonate hinaus. "Wir arbeiten daran, die Aufenthaltsdauer von Touristen zu verlängern und auch im Spätherbst und den Wintermonaten ein attraktives Feriengebiet zu sein", sagt Baumgärtner. Wandern, Radfahren und Camping – dafür hat der Niederrhein einiges zu bieten. "Die Menschen kommen zu uns, weil sie Entspannung und Ruhe suchen und sich in der Natur bewegen wollen", sagt Baumgärtner.

Die beiden großen Naturparks "Schwalm-Nette" und "Hohe Mark-Westmünsterland" ziehen die Touristen an. Und Wandern und Radfahren geht auch im Winter. Auch auf dem Hausboot am Diersfordter Waldsee kann man sich einschneien lassen, sagt Volker Dingebauer. "Die Boote sind alle winterfest, es gibt sogar einen offenen Kamin." 

 
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