| 07.30 Uhr

Urlaub in Deutschland
Made in Sylt: Salz, Seifen und Strandkörbe

Made in Sylt: Salz, Seifen und Strandkörbe
Die nordfriesische Insel Sylt gehört zu den beliebtesten Urlaubsorten in Deutschland. FOTO: Thorsten Schier /Shutterstock.com
Hamburg. Sie ist eine der Lieblingsinseln der Deutschen: Sylt. Neben der frischen Luft werden jetzt auch Insel-Produkte vermarktet. Von Anke Kronemeyer

Auf der Insel werden Austern gezüchtet, Galloway-Rinder gehalten, wird Käse hergestellt, werden Strandkörbe geschreinert und in die ganze Welt verkauft, wird Seife aus heimischen Produkten hergestellt und jetzt sogar die Nordsee entsalzt, um mit diesem Salz in der Küche zu würzen: Wer auf Sylt lebt oder dort Urlaub macht, kann für viele alltägliche Dinge auf Produkte "Made in Sylt" zurückgreifen. Regionale Erzeugnisse sind generell im Trend, vor allem bei Lebensmitteln achten immer mehr Verbraucher darauf, woher Ost, Gemüse & Co, kommen, ob es tausende von Kilometern hergeflogen, nachhaltig angebaut und fair gehandelt wurde.

Jetzt auch Sylt - die Marketingkampagne dazu heißt "Natürlich Sylt". Beispiele: Strandkörbe aus der Rantumer Fabrik von Willy Trautmann, Salz aus der Entsalzungsanlage des zweifachen Sternekoches Alexandro Pape, duftende Seifen aus der Manufaktor von Kirsten Deppe und Austern, die im Meer gezüchtet werden.

Dass noch niemand vorher auf die Idee gekommen ist, die Nordsee zu entsalzen, wo es doch so einfach scheint. Obwohl: Alexandro Pape und die Techniker haben drei Jahre lang getüfelt, bis sie die Anlage betriebsbereit hatten. Jetzt aber läuft sie. Profan erklärt: Vorne kommt die Nordsee rein, hinten feines oder grobes Meersalz wieder raus. 65 Kilo täglich. Damit würzt nicht nur Pape in der Küche des Fährhauses in Munkmarsch, sondern mittlerweile viele seiner Koch-Kollegen in ganz Deutschland. In einigen Läden gibt es diese "Nordsee ohne Wasser" auch schon, Supermärkte in NRW will Pape jetzt beliefern. Verbraucher sollten aber wissen: 125 Gramm kosten stolze 12,90 Euro. Pape glaubt an sein Produkt - das für ihn am besten zu Tomaten und Eiern schmeckt - weil es authentisch von der Insel kommt, auf der der gebürtige Dormagener mit seiner Familie seit anderthalb Jahrzehnten lebt. Weil bei der Salz-Produktion am Ende viel salz-freies Wasser übrig bleibt, will Pape das jetzt zum Bierbrauen verwenden. Bier "Made in Sylt". Schade nur, dass auf der Insel kein Hopfen wächst. Muss das Bier eben ohne auskommen.

Das Leben von Willy Trautmann besteht - einfach gesagt - aus Strandkörben. Und die werden offenbar nicht nur immer individueller, sondern stehen auch schon auf der ganzen Welt. Die Zutaten: Das Gestell aus 142 Holzleisten wird in der Werkstatt in Rantum aus nordischen Hölzern geschreinert, die Sichthölzer aus edlerem Tropenholz. Jeder Strandkorb wiegt am Ende 80 Kilogramm. Die Firma, in der acht Körbe am Tag entstehen, besteht seit 1945, er führt sie in dritter Generation. Pro Jahr werden 1000 Strandkörbe neu hergestellt, aber viele eben auch restauriert, so dass sie weitere zehn Jahre in der Nordseeluft aushalten. "30 Jahre halten unsere Körbe aus", sagt Trautmann. Er baut dabei natürlich den Westküsten-Strandkorb. Der für die Ostsee hat den gebogenen Rücken, der Rücken seiner Körbe ist gerade. Der Tischler verkauft seine Körbe direkt, hat aber auch 1200 eigene Mietkörbe für Hotels und Pensionen. Andere stehen in Monaco, Boston oder Sydney.

Aktueller Trend: Firmen lassen sich individuelle Körbe bauen - zum Beispiel die Sansibar mit dem obligatorischen Schwert als Muster oder Fisch-Gosch direkt einen großen Korb für vier Restaurant-Gäste gleichzeitig. Der Trend geht aber auch zu Spontan-Bestellungen: An einem Tag rief morgens eine Sylter Familie an und gab zu, dass die Eltern am gleichen Abend Silberhochzeit feiern, sie das Geschenk vergessen hätten und sie ihnen gerne einen Strandkorb schenken möchten - einen persönlichen. "War kein Problem für uns", sagt Trautmann und grinst. Der Strandkorb wurde am Abend zur Party ausgeliefert.

"In jeder Seife ist ein Stück Sylt", schwärmt Kirsten Deppe von ihrem Produkt, das sie im alten Bahnhofsgebäude in Morsum herstellt und vertreibt. Lavendel, Raps oder Salz, Quellar oder Algen sind die Zutaten, die sie mit Ölen, Kakaobutter oder Pflanzenfetten mischt. So entstehen am Tag rund 200 Seifen-Stücke, die sogar bei Schuppenflechte oder Neurodermitis benutzt werden können. Neuestes Produkt: eine Seife aus zerstoßenen Austernschalen. Diese Austern stammen natürlich auch von der Insel, wachsen in der Zucht von Dittmeyer in List. Die Austernfarm wurde 1986 gegründet, um die damals noch bekannte Sylter Auster wieder heimisch zu machen. Der Versuch scheiterte, also züchtete man die Pazifische Felsenauster. Jede bleibt drei Jahre im Wasser, bevor sie auf die Reise in die Gastronomie geht - entweder direkt auf der Insel oder per Span-Karton gut verpackt. Eine Million Auster werden pro Jahr "geerntet", ein Drittel davon bleibt auf der Insel.

Dass das "natürliche Sylt" auch von Hoteliers und Gastronomen aufgegriffen wird, versteht sich von selbst. So hat sich zum Beispiel das Lindner Strand Hotel Windrose in Wenningstedt auf Wellness-Behandlungen mit Heckenrose, Bernstein und Heide-Honig spezialisiert. Dabei wird die Sylter Seife von Kirsten Deppe verwendet, wird mit Öl aus der Heckenrose oder mit erwärmten Bernsteinen massiert oder ein Meersalz-Öl-Peeling durchgeführt.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Made in Sylt: Salz, Seifen und Strandkörbe


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.