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Österreichs Wasserreichtum
Kärntens Seen erkunden
Kärntens Seen erkunden
Kärntens Seen erkunden FOTO: dpa, Verena Wolff
Velden/Techendorf. Kein anderes österreichisches Bundesland hat mehr Wasser als Kärnten:
1270 stehende Gewässer gibt es, 200 Badeseen mit Trinkwasserqualität, 8000 Flusskilometer und zahlreiche Heilquellen. Sogar Hochzeiten unter Wasser sind hier möglich.
Von Verena Wolff

Ernest Turnschek macht sich fertig: Badehose sitzt, Anzug hochziehen, Atemluft prüfen, Tiefenmesser und Tauchkompass um die Handgelenke schnallen. Den Bleigürtel wickelt er sich um die Hüfte, die Sauerstoffflaschen kommen auf den Rücken - endlich kann es losgehen. Ernest Turnschek hat eine ganz besondere Aufgabe: Der Inhaber der Taucherbasis Yachtdiver am Kärntner Weißensee ist Unterwasser-Standesbeamter. Da muss alles passen - auch wenn er weiß, dass die Fische schon einige der Blumen angeknabbert haben und die Brautleute unendlich nervös sind.

"Aber wir sind ja hier am schönsten Ort der Welt, um eine Ehe zu schließen", sagt der frühere Marinetaucher, der selbst im höchsten Badesee der Alpen den Bund fürs Leben geschlossen hat. "Karibik der Alpen" nennen Taucher den Weißensee, der auf 930 Meter Seehöhe liegt und sich wie ein Fjord auf einer Länge von rund zwölf Kilometern durch die Gailtaler und die Karnischen Alpen zieht. "Der Weißensee ist einzigartig, weil er unglaublich klar ist, weil er eine unberührte und intakte Wasserflora hat und jede Menge Fische", schwärmt Turnschek, der nach vielen Jahren als Taucher im Ausland seine Tauchschule direkt am Ufer des Sees eröffnet hat.

Tauchkurs im Schnelldurchgang

Der Profi bildet Taucher aus - aber er verschafft auch Nicht-Tauchern einen Blick unter die Wasseroberfläche: Fish Watching heißt der Tauchkurs im Schnelldurchgang, bei dem man mit einem erfahrenen Lehrer nur wenige Meter unter Wasser geht. "Aber dabei bekommt man schon einen guten Eindruck, wie es da aussieht - die meisten Leute sind beeindruckt", sagt er. Nach Möglichkeit geht Turnschek jeden Tag ins Wasser, das bereits im Frühsommer angenehme 24 Grad hat - und entdeckt immer wieder Neues: "Man muss nicht ans andere Ende der Welt fliegen, um eine beeindruckende Unterwasserwelt zu erleben."

An seiner breitesten Stelle misst der Weißensee 900 Meter, an seiner tiefsten 99. Einzigartig unter den zahlreichen Kärntner Seen macht ihn, dass das 23 Kilometer lange Ufer nur zu knapp einem Drittel verbaut ist - nicht einmal Straßen führen direkt am Seeufer entlang. Ganz klar ist der See, denn er wird von mehreren unterirdischen Quellen gespeist, und es gibt keinerlei Schwebstoffe, die die Aussicht vernebeln.

Das glasklare Wasser mit bester Qualität schätzen nicht nur Taucher und Schwimmer, sondern auch die Fischer, die Forellen und Hechte, Karpfen und Barsche aus dem See holen. "Alles in bester Qualität", wie Hannes Müller, Chef des Hotels und Gasthofs "Die Forelle", sagt. Manchmal fährt er selber raus und angelt, was er später in der Küche für seine Gäste zubereitet. Müller zieht nichts weg vom Weißensee. "Hier habe ich alles, was ich zum Leben brauche - die Berge, den See, gute Nachbarschaft." Und zahlreiche Gäste, die vor allem die Natur schätzen.

Großstädtern des Wald erklären

Die bringt ihnen Hans-Peter Sorger näher. Der Wildtierverhaltensforscher beobachtet das Rückzugsgebiet für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten um den See herum seit mehr als 40 Jahren - und geht mit den Gästen in den Wald. Dort erklärt er den Städtern den Zusammenhang zwischen Ameisenhaufen und Gewittern, räumt mit allerlei falschen Annahmen über Bären, Luchse und Adler auf und macht auf seltene Pflanzen aufmerksam.

Nur ein paar Kilometer und einige Haarnadelkurven weiter, in St.
Daniel im Gailtal, führt Johann Kanzian seine Besucher durch den Wald - an der Hand ein Lama. Mit seinen Anden-Kamelen ist Kanzian noch immer eine Attraktion in dem Dorf in den Karnischen Alpen. Eigentlich hatten er und seine Frau nur zwei Lamas gekauft, die ihnen das Gepäck bei Wanderungen durch die Gegend schleppen sollten. Doch inzwischen ist Kanzian hauptberuflich Chef einer achtköpfigen Herde, die gleichermaßen Kinder und Manager über die Wanderwege führen.

Peter und Caesar, Black Jack und Lincoln - wer mit den Lamas geht, muss sich auf die Tiere einlassen. "Sie sind Herden- und Fluchttiere", betont Kanzian. Hektik ist also nicht angesagt, vielmehr die Beziehung zum Tier zu finden. Und: Angst vor dem Spucken braucht niemand haben - ein Lama muss schon sehr viel Angst haben, um einem Menschen seinen Mageninhalt entgegenzuschleudern.

Jeder große See hat seine Besonderheit

Die Tiere, die Pflanzen, die Natur - vieles ist einzigartig in Österreichs südlichstem Bundesland. Wirklich unvergleichlich macht Kärnten der Wasserreichtum: 1270 stehende Gewässer gibt es, 200 Badeseen mit Trinkwasserqualität, 8000 Flusskilometer und zahlreiche Heilquellen. Da kommt kein anderes Bundesland mit. Jeder der großen Seen hat seine Besonderheit - und seine eigene Klientel. Doch eines ist den Kärntner Badewannen gemein: Segeln, Windsurfen, Elektroboot-, Kanu- und Floßfahren, Tauchen und Schwimmen ist überall möglich, mal an unverbauten Seeufern, mal in gut ausgestatteten Freibädern.

Der Wörthersee ist Kärntens größter See - und sicher auch der bekannteste, weil mondänste. Noch immer zieht er Prominenz und Touristen aus aller Welt an. Was Rang und Namen hat, kommt zur Sommerfrische - oder besitzt gleich ein Grundstück mit Blick aufs Wasser.

Auf dem See geht es mittlerweile wild zu. Etwas mehr als 300 Motorbootlizenzen kursieren, wer eine haben will, muss bis zu einer Viertelmillion Euro auf den Tisch legen - wenn er überhaupt jemanden findet, der ihm seine verkauft. Denn die Bundesforsten, die für die Seen zuständig sind, vergeben schon seit vielen Jahren keine neuen Lizenzen mehr. Wegen der Wasserqualität und des Umweltschutzes. Wer ein Seegrundstück haben will und sich darauf eine Villa baut, muss noch deutlich tiefer in die Tasche greifen - aber auch in dieser Hinsicht ist der Wörthersee schon recht dicht, sowohl in Velden als auch in Pörtschach oder rund um das idyllische Inselchen Maria Wörth.

Markenzeichen des Wörthersees

Einen Top-Blick auf den See hat man aus dem Restaurant "Seespitz" und dem angrenzenden Schloss am Wörthersee, das viele noch aus der gleichnamigen Fernsehserie mit Schlagersänger Roy Black kennen. Heute ist das Schloss, das einst zum Privatbesitz von Gunter Sachs gehörte, ein Luxushotel erster Güte. Und zählt noch immer zu den Markenzeichen des Wörthersees.

Der nordwestlich gelegene Millstätter See ist lange nicht so vornehm - und gilt dennoch als Juwel. Er ist der tiefste und wasserreichste der Kärntner Seen. Teile seines Ufers sind von herrschaftlichen Villen gesäumt. Aber der Millstätter See lebt vor allem von den Bergen, die sich an seinem Rand in die Höhe strecken. Magische Kräfte sagen viele Bewohner dem Weltenberg Mirnock nach, dessen Gipfel im Schnittpunkt zweier geomantischer Linien liegt: Die Klosterlinie befindet sich exakt zwischen Großglockner und Hochobir, die Kultlinie liegt zwischen dem Monte Lussari und dem Schloss Rosenau bei Zwettl.

Alles über die Kraftorte weiß Renate Peternell, die Gäste aus ihrer Pension und der anderen Mirnockbauern mit dem Thema vertraut macht. "Kraftorte sind altbekannte Plätze, an denen besondere Energieströme mess- und spürbar sind", sagt sie. Energie sollen diese Plätze geben, das innere Gleichgewicht herstellen - wenn man offen für diese Phänomene ist. "Die meisten Menschen empfinden das als wohltuendes Kribbeln", sagt sie.

200 Kilometer langer Höhensteig

Wer sich während des Krafttankens sportlich betätigen will, hat mit dem 200 Kilometer langen Millstätter-See-Höhensteig eine hervorragende Route: In acht Etappen führt der Steig von 600 bis 2600 Höhenmetern rund um den See. 13 Tage mit Gehzeiten von bis zu acht Stunden veranschlagen die Experten für den ganzen Weg, aber auch nur eine Etappe oder Teile davon geben die schönsten Ausblicke auf den See frei - und bei schönen Wetter auf den Großglockner, Österreichs höchsten Berg.

Aber die verschiedenen Seen, der Ossiacher See als Camping-Hochburg, der kinderfreundliche Faaker See mit seinem türkisblauen Wasser, der fast mittelmeerwarme Klopeiner See und der vergleichsweise flache Pressegger See, sind nicht die einzigen Pfunde, mit denen Kärnten wuchern kann. Die Städte Klagenfurt und Villach sind bei gutem wie schlechtem Wetter einen Besuch wert. Sport in allen Varianten gibt es zum Selbermachen und zum Zuschauen - dazu gehört etwa der Triathlon am Wörthersee, der Ausscheidungswettkampf für den legendären Ironman auf Hawaii ist.

Für die Großen ist eines der ungewöhnlichsten Angebote das sogenannte Dinner for two auf einer schwimmenden Insel im Millstätter See. Dabei platschen Wellen an die Holzinsel, die im See verankert ist, Platz bietet der Ponton nur für einen Tisch, zwei Palmen und zwei Menschen. Der Kellner kommt per Motorboot, serviert die Gänge und verlässt seine Gäste wieder, so dass ihnen alle Zeit der Welt bleibt, den Sonnenuntergang zu genießen, die Zukunft zu planen - oder den nächsten Urlaub.

Quelle: dpa/tmn/anch/das
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