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Was Luxus auf der Kreuzfahrt bedeutet

Das sind die neun schönsten Kreuzfahrtrouten
Das sind die neun schönsten Kreuzfahrtrouten FOTO: Phoenix Reisen
Hamburg. Bei Kreuzfahrten denken viele an Luxus. Ob Champagner, Kaviar oder einfach nur viel Platz - Was genau damit gemeint ist, das definieren Reedereien unterschiedlich und anders als früher.

Kaum eine Branche ist so mit dem Begriff Luxus verbunden wie die Kreuzfahrtindustrie. Wer von Reiseplänen mit dem Schiff berichtet, kennt das Echo. Es wird vielsagend genickt und gerne die Augenbraue hochgezogen. Die Frage lautet oft: "Ist das nicht ganz schön teuer?" Seltener kommt: "Wohin geht es denn?" Mit einer Kreuzfahrt verbinden viele Menschen Saus und Braus zu einem hohen Preis. Doch was genau ist Luxus an Bord?

"Luxus ist immer auch ein abgrenzender Begriff", sagt Karl J. Pojer, Geschäftsführer von Hapag-Lloyd Kreuzfahren in Hamburg. Er weiß, wovon er spricht: Für die Gesellschaft fahren die zwei Schiffe, die weltweit als einzige vom "Berlitz Cruising & Cruise Ships Guide" mit Fünf-Sterne-Plus bewertetet wurden: die "Europa" und die "Europa 2".

"Das Verständnis, was Luxus ist, hat sich verändert", hat Pojer beobachtet. Früher seien Statussymbole der Maßstab gewesen. "Heute wird als Luxus empfunden, Zeit für sich zu haben, und Raum." Das Erleben sei wichtiger geworden als das Besitzen.

Begründet wurde der Mythos "Kreuzfahrt gleich Prachtentfaltung" in den Gründungsjahren der Branche. Bereits das erste reine Kreuzfahrtschiff der Welt, die 1900 gebaute "Prinzessin Victoria Luise" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG) in Hamburg, setzte Maßstäbe. Optisch eine Privatjacht, bot das 122 Meter lange Schiff luxuriös ausgestattete Kabinen, Tea Time sowie Galaabende mit Austern und Champagner in Abendgarderobe - all das blieb Standard für gut 100 Jahre.

Die deutsche Kreuzfahrt-Branche in Zahlen FOTO: AIDA CRUISES/DPA/TMN

Gutes Essen und teure Getränke gehören heute immer noch zum Luxus an Bord. Selbst auf der "Sea Cloud", dem eher sportlichen kleinen Traditionssegler von Sea Cloud Cruises in Hamburg, wird dem Gast bei der Ankunft ein Glas Champagner gereicht. Lange gab es auf den meisten Schiffen im Luxussegment bis zu sieben Mahlzeiten am Tag. Die Tendenz ist inzwischen abnehmend. Selten geworden ist etwa die 11.00 Uhr-Brühe an Deck, früher vor allem auf britischen Schiffen wie den Cunard-Linern ein Muss. Auch das Mitternachtsbüfett stirbt aus. Heute profilieren sich die hochpreisigen Schiffe eher durch Sushi-Bars oder vegane Komplettverpflegung.

Zu luxuriösen Kreuzfahrten gehörte lange Zeit formelle Kleidung zum Dinner, jeden zweiten oder dritten Abend auch Abendgarderobe. Anfangs wurden die Anzüge der Herren sogar jeden Tag dunkler, bis am letzten Abend der Kreuzfahrt Schwarz getragen wurde - zum Zeichen der Trauer über das Ende der Reise. An die ausgerufene Kleiderordnung hielt man sich besser und auch an unausgesprochene Regeln wie "Keine Shorts in den Restaurants". Auf der legendären "Vistafjord" von Cunard schickten die Kellner noch 1995 Gäste in kurzen Hosen zum Umziehen, selbst wenn die Bermudas brav bis über das Knie reichten.

Heute rufen viele Reedereien das genaue Gegenteil als Luxus aus. So lautet das Motto auf der 2013 in Dienst gestellten "Europa 2" von Hapag Lloyd Kreuzfahrten "21 Knoten und keine Krawatte". Auf den Schiffen der französischen Reederei Ponant wird ebenfalls keine formelle Kleidung benötigt. Adressiert wird damit der gestresste Geschäftsmann, der wenigstens im Urlaub den Anzug zu Hause lassen möchte. Dass Luxus an Bord deshalb überhaupt kein Thema ist, wäre übrigens eine Fehlinterpretation. Es gibt ja bequem zu tragende Statussymbole - etwa teuren Schmuck.

Ein Indiz für Luxus ist auch das Verhältnis von Passagier zu Crew. Das erste Kreuzfahrtschiff "Prinzessin Victoria Luise" erreichte fast die Traumquote 1:1 mit 161 Mann Besatzung für 192 Passagiere. Für Kreuzfahrtschiffe im 5-Sterne-Bereich setzte sie damit für Jahrzehnte Maßstäbe. Hilfreiche Technik verringerte das Verhältnis über die Jahre auf etwa 3 zu 4. Ein Beispiel: Auf der "Seabourn Odyssey" der britisch-amerikanischen Reederei Seabourn Cruise Line und ihren beiden Schwesterschiffen "Sojourn" und "Quest" kümmern sich heute 330 Crewmitglieder um 450 Passagiere.

Das sind die verrücktesten Themenkreuzfahrten FOTO: Holidaycheck.de

"Auf jeden Fall braucht Luxus Platz", sagt auch Karl J. Pojer von Hapag-Lloyd. Die "Europa 2" bietet derzeit weltweit den meisten Platz pro Passagier. Früher waren die Kabinen klein, weil man sich in den Gesellschaftsräumen, an Deck oder in den Restaurants aufhielt. Auch Balkons waren eher unüblich. Heute sind die Kabinen auf teuren Schiffen für einen 24-Stunden-Aufenthalt geeignet, inklusive begehbarem Kleiderschrank, Zimmerbar oder eigener Sauna.

Zeit zu haben, ist ein weiterer Statusfaktor. Und so wurde die Weltreise auf einem Kreuzfahrtschiff zum Inbegriff von Luxus. Im Durchschnitt dauert eine Weltumrundung per Schiff rund 120 Tage. Der Gast kann aber auch für ein ganzes Jahr an Bord gehen, etwa 2016 bei Hapag-Lloyd für eine Weltumrundung in 337 Tagen.

Auch das Reiseziel kann Luxus sein: Die Antarktis ist ein Beispiel. Die "Fram" von Hurtigruten ist mit vier Sternen kategorisiert, bietet aber alles, was ein Naturliebhaber sich wünscht. Ähnliche Ziele, wo das Naturerlebnis mehr zählt als das Wohlleben an Bord, sind Fahrten durch die Nordwest-Passage mit der "Bremen" oder "Hanseatic" von Hapag-Lloyd oder eine Fahrt um die Galapagos-Inseln mit einer der kleinen Motorjachten in der Region.

Ein Trend zeichnet sich aber deutlich ab: Für viele Passagiere ist mittlerweile ungewöhnliche Unterhaltung an Bord das Größte. Hier ist die amerikanische Reederei Royal Caribbean Cruise Line mit Sitz in Miami ganz vorne. Auf der "Oasis of the Seas" etwa gibt es den mit 5,4 Metern tiefsten Pool auf See für Tauchlehrgänge und mit 692 Metern die längste Joggingbahn. Auf der "Voyager of the Seas" steht die erste Eislaufbahn und auf der "Liberty of the Seas" die höchste Kletterwand. Wer möchte, kann an Bord der "Anthem of the Seas" sogar im Windkanal Fallschirm springen oder sich auf der "Quantum of the Seas" von Roboter N1-C an der Bar einen Drink mixen lassen.

Kreuzfahrten: Variantenreiches Reisen FOTO: gms

Etwas distinguierter wird Luxus auf den zehn eleganten Schiffen der Reederei Celebrity Cruises mit Sitz in Miami definiert. Hier finden die Passagiere beispielsweise echten Rasen für ein Picknick unter freiem Himmel, persische Gärten im Spa und eine Eisbar für die Martinis. Die Disney Cruise Line aus Florida dagegen verzaubert auf ihren vier Dreamlinern die Gäste mit Fantasie: Goofy und Donald Duck empfangen die Gäste an Bord. Das empfindet sicher der Nachwuchs als Luxus, auch wenn die Schiffe "nur" vier Sterne haben.

Im vergangenen Jahr buchten nach einer Studie des Deutschen Reiseverbandes (DRV) 1,77 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt. Im Schnitt gaben sie dafür 1530 Euro aus. Das lässt sich im Luxussegment leicht toppen, dort bezahlt man diese Summe nicht selten für einen Tag an Bord. "Der Preis kann ein Indiz für Luxus sein", sagt Pojer. "Aber er allein reicht nicht aus." Das sehen die Passagiere offenbar ähnlich.

(dpa)
 
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