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Zagreb
Sprach-Lektionen im "grünen Hufeisen"

28 Bilder, die Lust auf Urlaub machen
28 Bilder, die Lust auf Urlaub machen FOTO: shutterstock/ Samot
Wer mit Dora Fila Butkovic Kroatiens Hauptstadt Zagreb erkundet, bekommt nicht nur einen spannenden Rundgang voller Geschichten, sondern auch einen Crashkurs in Kroatisch. Von Stephan Brünjes

Mitten in Zagreb, auf der Straße zwischen Hauptbahnhof und dem Reiterdenkmal des ersten Kroaten-Königs Tomislav: Strahlend überreicht Dora Fila Butkovic jedem Teilnehmer ihres hier startenden Rundgangs ein kleines weißes Heft. "Do you speak Croatian?" steht drauf. Keiner antwortet mit "Ja". Dafür legt Dora gleich los: "Bok", sagt sie erwartungsvoll in den Gruppen-Halbkreis. "Ja, watt denn, Bock hab ich schon", brummelt Jürgen aus Unna in seinen Schnäuzer, "aber watt sachste drauf, wenn die bok sacht?" "Auch Bok", antwortet Dora ihm in akzentfreiem Deutsch. Die Teilnehmer lernen: "Bok" heißt auf Kroatisch "Grüß Gott" oder "Hallo". "Bitte ins Heft schreiben", sagt Butkovic. Während die Kulis übers Papier huschen, verrät das Mienenspiel einiger Rundgang-Teilnehmer, dass sie heute noch fest mit einem Vokabeltest rechnen.

Doch vorher geht's ins "grüne Hufeisen" der 780 000-Einwohner-Stadt, ein U-förmiges Ensemble von Parks, eingerahmt von Palästen und Straßenzügen, die stuckverziert und kuppelgekrönt aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammen, als Kroatien Teil des Königreichs Österreich-Ungarn war. "Klein-Wien nennen die Leute diesen Stadtteil", erklärt Butkovic. Schön restauriert und vielerorts in Habsburger Gelb gestrichen sind der beeindruckende Weltausstellungs-Pavillon von 1889 und Fassaden, stellenweise aber auch noch arg angenagt von sozialistischem Fugen- und Putz-Karies. Ein Anblick, der Butkovic zu einer Vorwende-Geschichte animiert - über Zagrebs alte Straßenbahnen-Waggons. Die seien aus Prag importiert worden, leider mit unpassender Spurbreite für hiesige Schienen. Also wurden schmalere Achsen unter die Waggons montiert, wodurch diese vor allem in Kurven bedrohlich schaukelten und in der Bevölkerung sofort ihren Spitznamen weghatten: "Betrunkener Tscheche".

Höchste Zeit für die nächste Kroatisch-Lektion, diesmal auf dem Dolac-Platz, wo täglich ein Fußballfeld großer Markt abgehalten wird. Jabuka (Äpfel), Krumpir (Kartoffeln) und Luk (Zwiebeln) - reichlich Voce (Obst) und Povrce (Gemüse) fast ausschließlich aus der Umgebung Zagrebs bieten die Händler dort auf langen, verwitterten Holztresen unter einem Himmel aus roten Sonnenschirmen an. Erleichterung in der Gruppe beim Blick auf Seite 9 des Kroatisch-Heftchens: Die schwierigen Wörter stehen alle schon da. Nun sieht man den einen oder anderen Unterkiefer beim Versuch, die sperrigen Vokabeln zunächst tonlos vor sich hin zu modellieren. Nebenan, in der Markthalle, zwischen Fisch- und Brotständen, steht Nada - und zwar schon seit 45 Jahren. Die 73-Jährige verkauft ihr Sauerkraut aus dem Eimer, das Kilo für gut zwei Euro.

Vorbei an der Kathedrale und den sie umgebenden mittelalterlichen Wehrtürmen mit roten Zipfelmützendächern geht's über die verwunschen eingewachsene Strossmayer-Promenade - bei 1a-Panoramablick über die Stadt - hoch zum Lotrscak-Turm aus dem 13. Jahrhundert. Butkovic erklärt, was hier gleich passieren wird, nur Jürgen ist gerade nicht bei der Sache, weshalb er im nächsten Moment vor Schreck zusammenfährt, denn oben aus dem Turm feuert Kanonier Alen einen Schuss ab - mit reichlich Pulverdampf und Getöse. Seit über 100 Jahren geht das so. "Warum, ist unklar", sagt Dora. Als Erinnerung an in die Flucht geschlagene türkische Belagerer, meinen die einen. Damit die Zagreber ihre Uhr stellen können, behaupten andere.

Über Zagrebs Café- und Kneipenmeile, die Tkalciceva, geht es runter zum pulsierenden Zentrum, dem Ban Jelacica-Platz. Hier soll der Name der Stadt entstanden sein - an einem immer noch vorhandenen Brunnen, aus dem die Menschen Wasser schöpften - auf kroatisch "zagrebi". Beherrscht wird der Platz vom Reiterstandbild des Volkshelden Jelacic aus dem 19. Jahrhundert. Jugoslawiens Staatschef Tito ließ es 1947 erst mit blickdichten Planen verkleiden, dann dahinter heimlich demontieren - weg mit kroatischem Nationalstolz im jugoslawischen Einheitsstaat.

1990, gleich nach der Abspaltung Kroatiens von Belgrad, stellten die Zagreber den Reiter wieder auf, aber andersherum: Nun schwingt er - rein zufällig - seinen Säbel Richtung Serbien...

Quelle: RP
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