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Dschungeltour
Kuba zu Fuß entdecken
Kuba: Zwischen Verfall und Moderne
Kuba: Zwischen Verfall und Moderne FOTO: Ministerio de Turismo de Cuba, gms
Düsseldorf. Koloniale Prachtbauten, Salsa und Traumstrände - das sind die Kuba-Klassiker. Doch die Karibikinsel hat noch mehr Facetten, und die kann man auf Wanderungen entdecken: tropisches Grün, wilde Berge und den kleinsten Vogel der Welt. Von Karin Kura

Einen sanften Einstieg in kubanisches Landleben bietet das Tal von Viñales, westlich von Havanna: Graue Ochsen ziehen im Zeitlupentempo den Pflug durch rote Erde. Daneben führen Pfade die Wanderer über bucklige Wiesen, vorbei an Tabakfeldern, Bananenstauden und Ananaspflanzen. Vor dem Panorama der Sierra de los Organos wächst Kubas bester Tabak.

Die Türen der Tabakbauern stehen offen, eine Stippvisite gehört zum Programm geführter Wandertouren im Tal von Viñales. Während auf dem Herd der starke, kubanische Kaffee köchelt, draußen gackernde Hühner herumlaufen, erfahren die Besucher, wie der Tabak gerollt wird. Und manch ein Gastgeber verrät noch sein Rezept zur Veredelung des Tabaks, etwa mit Honig. Ein Schuss Rum kommt meist noch hinzu. Neunzig Prozent der Ernte gehen an den Staat, den Rest darf der Tabakbauer behalten.

25 Prozent Wald

Auf Kuba sind rund 25 Prozent der Fläche bewaldet, ein großer Teil davon liegt im Osten. Wie ein Paradiesgarten wirkt der Humboldt-Nationalpark: ein rund 700 Quadratkilometer großes Schutzgebiet mit Regenwäldern und Mangroven an der Küste - Lebensraum für über tausend seltene Pflanzen und Heimat der Bienenelfe aus der Kolibri-Familie, dem mit maximal sieben Zentimetern kleinsten Vogel der Welt.

Die Gründung des Nationalparks in den 90er Jahren wurde von der deutschen Tropenwaldstiftung "Oro Verde" unterstützt. Heute zählt dieses letzte große Regenwaldgebiet Kubas zum Unesco-Weltnaturerbe. Nur ein kleiner Teil des Nationalparks ist für Wanderer begehbar. Auf Buschpfaden begleitet die Wanderer der Gesang des "Tocororo", des Nationalvogels Kubas. Zum Trällern gesellt sich das plätschernde Geräusch von frischem Quellwasser.

Genug Wasser für die Kakaopflanzen, aus denen Kubas beste Schokolade hergestellt wird - in einer Schokoladenfabrik nicht weit von Baracoa. Die Stadt am östlichen Zipfel Kubas liegt rund 1000 Kilometer von Havanna entfernt. Gern erzählt man dort, Christoph Kolumbus wäre 1492 genau an dieser Stelle angekommen. Wie ein Schatz wird das "Kolumbuskreuz" in der Kathedrale gehütet. Ein Holzkreuz, das der Eroberer aus Spanien mitgebracht haben soll. Doch wo Kolumbus tatsächlich an Land gegangen ist, das weiß keiner.

Als sicher gilt indes, dass Baracoa die erste von den Spaniern gegründete Stadt auf Kuba ist. Fahrrad-Rikschas und Pferdekutschen bestimmen das Bild. Sie bringen Kinder zur Schule, fahren Leute mit Gegenständen wie Stühlen und Fernsehern nach Hause. Die Zeit scheint, wie so oft auf Kuba, stehengeblieben zu sein.

Ungefähr in den 50er Jahren, als im Hotel "La Rusa", Fidel Castro und Che Guevara Gäste von Prinzessin Mima Rubenskaya waren, die 1917 vor der Oktoberrevolution aus Russland geflohen war. Noch heute gibt es das kleine Hotel direkt am Malecón, dem Hausstrand von Baracoa. Das Che-Guevara-Zimmer ist beliebt bei Touristen. Wer dort nächtigt, schaut dem berühmten Revoluzzer in die Augen: Er lächelt von einem Foto an der Wand herab. Zur gleichen Zeit krachen vor dem Fenster die Wellen mit Wucht gegen die Felsen. Eine Prise Revolutionsromantik tröstet über die häufig etwas heruntergekommenen Hotels hinweg.

Ordentlich durchgerüttelt wird man auf dem Weg zum nächsten Wandergebiet, der Sierra Maestra im Südosten der Insel. Dort im Nationalpark Turquino geht es steil zur Sache. Das mächtigste Gebirge Kubas wartet zugleich mit dem höchsten Gipfel der Insel, dem Pico Turquino, auf. Er liegt auf 1974 Meter Höhe und ist Ziel einer dreitägigen Trekkingtour.

Hinter dem Küstenort Chivirico beginnt die Wanderung durch den grünen Dschungel. Man bewegt sich über hohe Treppenstufen vorwärts: Stufen vom Feinsten, aus Edelhölzern, in Fels und Erde geschlagen. Es geht geradewegs steil nach oben, und genauso steil runter. Eine harte Nummer für Knochen und Knie. Irgendwann gelangt man zu der Überzeugung: Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es mehr Treppen als an diesem Ort! Ein bisschen Leidensfähigkeit im Gepäck kann da nicht schaden. Der Schweiß kommt von selbst. Geier kreisen am Himmel. Am zweiten Tag dann, endlich, ist der Gipfel erreicht. Pico Turquino - auf fast 2000 Meter Höhe.

Die traumhafte Aussicht, die lässt sicher alle Mühsal vergessen. Hofft man. Aber: Fehlanzeige. Das Gipfelglück bleibt versagt. Alles zugewachsen, das Grün hat keine Lücke gelassen. Zu betrachten gibt es das Denkmal des kubanischen Nationalhelden José Martí. Nichts Ungewöhnliches, Kuba ist mit Denkmälern gut bestückt. Und doch, diese steinerne Büste auf dem Pico Turquino, die ein paar Meter in die Höhe ragt, sie hat etwas Beneidenswertes: einen schönen Ausblick auf das blaue Meer!

Quelle: chk/rm
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