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KwaZulu-Natal
Safari der anderen Art

Safari in Südafrika: Nationalparks in Provinz KwaZulu-Natal
Safari in Südafrika: Nationalparks in Provinz KwaZulu-Natal FOTO: dpa, zeh
Die Schönheit und die Vielfalt KwaZulu-Natals haben die Provinz zu einem führenden Urlaubs- gebiet in Südafrika gemacht. Eingebettet zwischen Indischem Ozean und den Drakensbergen finden sich kilometerlange Sandstrände und wilde Küsten mit einer einzigartigen Tiervielfalt. Von Antonia Kasparek

Kapstadt, Gartenroute oder Krüger Nationalpark: Die meisten Besucher zieht es in den Süden und Westen Südafrikas. Doch wir lassen diese Regionen im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und machen uns in den Osten des Landes auf - immer entlang der endlosen Strände des Indischen Ozeans. Der Küstenstreifen der Provinz KwaZulu-Natal, deren urbanes Aushängeschild Südafrikas drittgrößte Stadt Durban ist, zieht sich auf fast 600 Kilometern bis hoch zur Grenze nach Mosambik und ist beeindruckend unberührt.

Wildlife im Etosha-Nationalpark FOTO: Stephan Seeger

KwaZulu-Natal, was "Ort der Zulu" bedeutet, ist mit über zehn Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Provinz nach Johannesburg/Gauteng. Unglaublich, denn wenn man die Route immer weiter nach Norden fährt, trifft man kaum einen Menschen. Drei Stunden braucht man mit dem Auto von Durban nach Santa Lucia. Der kleine Ort ist ein idealer Ausgangspunkt für Tagesausflüge entlang der wilden Küste. Früher verirrte sich selten ein Tourist hierhin. Heute zieht die St. Lucia-Mündung - das größte Flussmündungssystem Afrikas, das mehrere Tierparks beherbergt - viele Naturliebhaber an.

Die Mündung ist Teil des zum Indischen Ozean gelegenen, über 3000 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiets iSimangaliso Wetland Park - das ist eine Fläche, die weit größer als das Saarland ist. Der Zulu-Name bedeutet wundervolles Feuchtgebiet und soll so schon die wunderbare Natur dieses Reservates im Namen hervorheben. Gemeint sind damit die verschiedenen Ökosysteme, die hier auf kleinstem Raum zusammenkommen: der Ozean mit dem südlichsten Korallenriff der Welt, das Sumpfgebiet, die Sanddünen und vor allem der 40 Kilometer lange Lake St. Lucia, Südafrikas größter See. Über 2000 Krokodile und rund 1600 Flusspferde sind hier zu Hause - so viele wie nirgendwo sonst im südlichen Afrika. Dazu leben hier 120 Fisch- und über 500 Vogelarten. Das bereits vor 100 Jahren angelegte Reservat steht seit 1999 auf der Liste des Weltnaturerbes der Unesco und kann mit einem Guide per Jeep durchfahren werden. Rund 50 Kilometer westlich von St. Lucia, befindet sich auch der älteste Nationalpark Afrikas, der 1897 zum Schutz der letzten Nashörner gegründet wurde: der Hluhluwe Umfolozi Park.

Hier jagten einst die Zulu-Könige. Mitte des 20. Jahrhundert waren die Breitmaulnashörner im südlichen Afrika fast ausgerottet. Heute lebt im Park die größte Nashornpopulation der Welt. Neben den Big Five findet man im Reservat, das man entweder mit einem Guide oder alleine mit seinem Auto durchfahren darf, auch Geparden, Krokodile, Gnus, Impalas, Zebras, Antilopen, Hyänen und Giraffen, die unversehens auch mal die Straße kreuzen können. Aber Achtung: Aus dem Auto aussteigen ist absolut verboten und wer an seinem Leben hängt, hält sich auch besser daran.

Nach dem Abstecher ins Innere des Landes, fahren wir wieder zurück an die Küste. Genauer gesagt nach Maputaland, im südafrikanischen Grenzgebiet zu Mosambik. Der Küstenabschnitt Kosi Bay zieht sich durch tiefe tropische Wälder und über hohe Sanddünen. Unser Ziel: das Rocktail Beach Camp. Mitten im Nirgendwo liegen die Luxuszelte erhöht im Küstenwald mit Blick auf einen kilometerlangen Traumstrand. Die vorgelagerten Riffe bieten beste Schnorchel- und Tauchbedingungen. Erreichbar ist das Camp nur mit dem Geländewagen. Wir selbst sind nicht mehr erreichbar. Hier gibt es kein Internet, auch kein Telefonnetz. Kosi Bay ist vor allem bekannt für seine gigantischen Meeresschildkröten, denen man in Rocktail Bay ganz nah sein kann. Die Lodge bietet Nachttouren zum Strand an, auf denen die Gäste je nach Saison Schildkröten beim Eierlegen beobachten oder die Babys schlüpfen sehen können. Diese Touren bescheren nicht nur unvergessliche Eindrücke, sie schaffen auch ein Bewusstsein für den Schutz dieser einmaligen Lebewesen.

Impressionen aus Namibia FOTO: namibia-tourist.com

Unser Touristenführer Mbongeni, der sich kurz MB nennt, holt uns mitten in stockfinsterer Nacht zu dieser Safari der anderen Art ab. Auf dem Weg zum Jeep sollen wir auf Skorpione achten. Doch die sind nichts gegen die Massen an weißen Krebsen, die im Lichtkegel der Lampen des Jeeps am Strand auftauchen. Am Tag war hier nicht einer zu sehen. Unbeeindruckt davon, gibt MB Gas. Wir sind auf der Suche nach einer anderen Meeresbewohnerin - und finden sie. Eine riesige Lederschildkröte - fast zwei Meter lang und an die 700 Kilo schwer. Sie gräbt und gräbt stundenlang und mühevoll im Sand, um ihre Eier genau an der Stelle abzulegen, wo sie selbst vor Jahren geschlüpft ist. Faszinierend, denn obwohl sie mit allen Strömungen einige Male um die Welt geschwommen ist, findet sie immer an ihren Geburtsort zurück. Bis zu 120 Eier legt ein Weibchen pro Nacht ab. Nur eine von Hundert der geschlüpften Schildkröten erreicht das Erwachsenenalter. Wer eine Schildkrötengeburt oder den Wettlauf der frisch geschlüpften Babys ins Wasser erlebt hat, kann danach kaum widerstehen, eine Schildkröte zu adoptieren - genau wie MB. Sein Patenkind heißt "Ntombi", das bedeutet "Lady".

MB hat die Königin des Meeres markiert, ehe sie den Rückweg in den Indischen Ozean antritt. Das Rocktail-Bay-Schildkröten-Projekt gibt es seit 1963 - es ist eines der ältesten der Welt. Früher töteten die Zulus die Schildkröten und verkauften die Eier - heute profitieren die Einheimischen von den lebenden Schildkröten und ein Umdenken setzte ein. Die Zahl der Tiere ist angestiegen und das Projekt konnte auf die Zählung von weiteren bedrohten Schildkrötenarten ausgeweitet werden.

Die Redaktion wurde von South African Tourism zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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