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Mörsdorf
Längste Hängebrücke hängt im Hunsrück

Fotos & Infos: Hängebrücken sind nichts für schwache Nerven
Fotos & Infos: Hängebrücken sind nichts für schwache Nerven FOTO: Shutterstock.com/ Alexander Chaikin
Mörsdorf. Mit 360 Metern soll die "Geierslay-Hängeseilbrücke" die längste nördlich der Alpen sein. Im September soll sie eröffnet werden. Von Jessica Kuschnik

Für Wanderfreunde und Radfahrer wird der Saar-Hunsrück-Steig im Saarland immer attraktiver: Das bisher 218 Kilometer lange Wegenetz wurde im April um 190 Kilometer erweitert. Nun ist auch der östliche Hunsrück zu entdecken. Bislang verlief der Saar-Hunsrück-Steig von Perl an der Mosel quer über den Hunsrück bis nach Trier. Er ist vom Deutschen Wanderinstitut als Premiumweg zertifiziert. Derzeit wird an einer weiteren Attraktion gearbeitet: Eine 360 Meter lange Hängebrücke - laut Initiatoren die längste für Fußgänger erbaute Hängeseilbrücke Deutschlands - entsteht in den kommenden Monaten über dem Mörsdorfer Bachtal in einer Höhe von rund 80 Metern. Sie soll künftig die Gemeinden Mörsdorf und Sosberg miteinander verbinden und in das regionale und überregionale Rad- und Wanderwegnetz eingebunden werden.

Die erste Hängebrücke zwischen zwei Gipfeln FOTO: dpa, lg bjh sh

Dass das Projekt nicht nur die Attraktivität der Region steigert, sondern damit auch wieder mehr Touristen anlockt, hoffen die Initiatoren des Projektes rund um Mörsdorfs Bürgermeister Marcus Kirchhoff. Denn nach Angaben des Statistischen Landesamtes sind die Übernachtungszahlen in der Region rückläufig. Im vergangenen Jahr zog es 279 572 Gäste in den Hunsrück - 7,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Sie brachten es auf 779 228 Übernachtungen - was einem Minus von 2,7 Prozent entspricht. Im Schnitt blieb damit jeder Gast drei Nächte. Laut einer Machbarkeitsstudie könnte die neue Hängeseilbrücke dem Hunsrück 180 000 Besucher jährlich und 50 000 zusätzliche Übernachtungen bescheren. Das soll jährlich rund zwei Millionen Euro an Umsatz bringen.

Die Idee für die Brücke ist nicht neu. Sie entstand bereits vor sieben Jahren. "Damals hat sich das Dorf mit der Frage beschäftigt, wie wir es attraktiver machen könnten", erzählt Kirchhoff. "Wir waren auf der Suche nach Möglichkeiten, unser Dorf im abgeschiedenen Hunsrück zu beleben. So ist die Idee entstanden, eines der nahe gelegenen Moselseitentäler mit einer Hängeseilbrücke im tibetanischen Stil zu errichten." Doch der Vorschlag wurde als Aprilscherz abgetan und verschwand dann in den Akten. Erst vor fünf Jahren wurde er wieder aus der Schublade geholt und seitdem von Ortsbürgermeister Kirchhoff und zwei weiteren "Brückenträumern" vorangetrieben. Eine Machbarkeitsstudie, zahlreiche Gutachten und Genehmigungen später stand endlich auch die Finanzierung. Rund 1,14 Millionen Euro soll das Bauwerk kosten. 460 000 Euro kommen aus einem EU-Fördertopf (Leader), weitere 240 000 Euro steuert das Land Rheinland-Pfalz bei. "Mit einer ,Betteltour' durch die benachbarten Gemeinden haben wir weitere rund 100 000 Euro gesammelt, den Rest trägt die Gemeinde Mörsdorf als Bauherr", sagt Kirchhoff.

Die schönsten Baumwipfelpfade Deutschlands FOTO: http://www.baumkronenweg.at/

Seit März liegt die Baugenehmigung vor, und damit geht das Projekt in die heiße Phase. Geplant und gebaut wird die Hängeseilbrücke von Spezialisten aus der Schweiz. Passend, denn solche Brücken kennt man sonst nur aus den Alpen und anderen Hochgebirgen. Verantwortlicher Ingenieur ist Hans Pfaffen aus Chur in der Schweiz. Die ersten Bohrungen erfolgten bereits im Dezember, im Mai folgte der symbolische Spatenstich. Jetzt sind die Profis gefragt. Als nächstes müssen die Verankerungen für die Windabstandseile in den Fels gebohrt werden, anschließend werden die Tragseile über die Schlucht bis auf die Sosberger Seite gespannt. Dazu benötigen die Schweizer Profis große Winden, denn die Seile bringen einige Tonnen auf die Waage. Wenn die Tragseile erst einmal gespannt sind, montieren die schwindelfreien Experten die einzelnen Brückenelemente. Schon im September soll die "Geierslay-Hängeseilbrücke", wie sie offiziell getauft werden soll, für die Besucher zugänglich sein. "Das wird dem Saar-Hunsrück-Steig noch einmal wahnsinnig Auftrieb geben, wenn die Leute hier über die Brücke gehen können", sagt Kirchhoff.

Mit der Hängebrücke wird dann auch das neue Besucherzentrum mit Gastronomie in Mörsdorf mit ausreichend Parkmöglichkeiten eröffnet werden.

Quelle: RP
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