| 20.07 Uhr

Ein Exot unter allen Pubs
London – eine Kneipe für Prinz Poldi

Dieses Image haben Europas Metropolen
Dieses Image haben Europas Metropolen FOTO: AFP
London. Einen Anlaufpunkt hat Lukas Podolski schon, wenn er vom 1. FC Köln zu Arsenal London wechselt: Im Pub "Zeitgeist" gibt es Kölsch vom Fass, und über dem Tresen hängt ein FC-Schal. Von Martin Beils

Im Juli hatte Jürgen Männel (40) Ärger mit der Polizei. 850 Leute, so zählten die "Bobbys", drängelten sich in seinem Pub. Dabei ist die Kneipe an der Black Prince Road nur für 300 Besucher zugelassen. Die Begeisterung um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erreichte während der Fußball-WM in Südafrika auch das "Zeitgeist", die einzige deutsche Wirtschaft in London.

Deutscher Fußball, das ist auch heute noch die Attraktion im Südwesten der englischen Hauptstadt. Die Theke steht in der Mitte der Kneipe. Auf der einen Seite läuft am Wochenende die Konferenzschaltung der Fußball-Bundesliga, auf der anderen Seite das Topspiel. Und das ist meistens das des 1. FC Köln. "Wo mir sinn, is Kölle" - Männel bringt die kölsche Lebensart auf die Insel.

Gaffel vom Fass

Es gibt gut gekühltes Gaffel-Kölsch vom Fass, und im Kühlschrank steht eine ganze Batterie Früh-Kölsch-Flaschen. An der Theke hängt ein rot-weißer Schal mit Geißbock und der Aufschrift: "Danke Papa, dass ich kein Fohlen geworden bin."

Der Schal der damit gepiesackten Mönchengladbacher hängt allerdings gleich daneben. "Was tut man nicht alles für die Kunden", sagt Männel. Nur einen Wunsch erfüllt der kölsche Lokalpatriot den Kunden in der Fremde nicht: "Altbier kommt mir nicht ins Haus."

Auf der Karte finden sich 24 Fass- und 30 Flaschenbiersorten, vom Pils über Weizen bis zu Bamberger Rauchbier. Nur das Dunkle aus Düsseldorf fehlt. Vor vier Jahren hat Männel den Pub übernommen. In Frankfurt, Paris und London hatte er an der Börse gearbeitet. Doch der Job wurde ihm zu öde, als alle Transaktionen nur noch mit der Tastatur des Computers vollzogen wurden.

Das "Zeitgeist" ist zwar ein Anlaufpunkt für einige der rund 150.000 Deutschen, die im Raum London leben, doch Kundschaft aus der alten Heimat macht nicht einmal 20 Prozent aus. Viele Engländer wissen den deutschen Fußball, das deutsche Bier und die deutsche Küche zu schätzen. Bratwurst und Schnitzel stehen auf der Speisekarte, auch Currywurst, Käsespätzle und Leberkäs. Das Buffet am Mittag gibt es für 6,95 Pfund - kein schlechter Preis in zentraler Lage (bis Big Ben sind es zu Fuß höchstens zehn Minuten).

Zwei weitere Niederlassungen geplant

Der Laden läuft so gut, dass Männel gern zwei weitere Niederlassungen in der britischen Hauptstadt eröffnen möchte: einen vor allem mit Brot und Wurst aus Deutschland. Dass Lukas Podolski irgendwann bei ihm vorbei guckt, schließt er nicht aus. "Er würde gut zum FC Arsenal passen", sagt der Kölner.

"The Jolly Gardeners", die lustigen Gärtner, hieß die Gaststätte, bis Männel und seine Frau sie übernahmen und ganz dezent in Schwarz, Rot und Gold strichen. Und sie hat - so ist das ja bei vielen Pubs auf der Insel - eine mehr als 120-jährige Geschichte. Charlie Chaplins Vater hat hier im Stadtteil Kennington einst Klavier gespielt haben. Es heißt, der spätere Stummfilmstar habe seinen Vater als Zwölfjähriger hier zum letzten Mal lebend gesehen.

 

(csr)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Ein Exot unter allen Pubs: London – eine Kneipe für Prinz Poldi


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.