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Mallorca
Britischer Ballermann bekommt Benimmregeln

Mallorca: Britischer Ballermann bekommt Benimmregeln
FOTO: dpa
Palma de Mallorca. Wegen vieler Probleme mit trinkfreudigen Touristen hat die Urlauberhochburg Magaluf auf der spanischen Ferieninsel Mallorca striktere Benimmregeln eingeführt. Verboten sind neben öffentlichem trinken jetzt auch bestimmte Mutproben wie das Springen vom Hotelbalkon.

Jack rümpft die blasse Nase. Der Ballermann ist für ihn "ein lahmer Spielplatz für Kinder". "War mal da, kannste vergessen. Richtig abgefeiert wird nur hier bei uns", tönt der Supermarkt-Angestellte aus London mit erhobenem Zeigefinger.

Mit "bei uns" ist Magaluf gemeint. Die vor allem bei Briten beliebte Urlauberhochburg hat dank krasser Eskapaden trinkfreudiger Touristen den Ballermann als berüchtigtste Partymeile der spanischen Insel abgelöst. Doch Politiker, Hoteliers und Einwohner wollen jetzt die Notbremse ziehen. Sie haben gemeinsam neue, strenge Benimmregeln erarbeitet, die jetzt in Kraft treten.

Hier feiert man in Palma FOTO: Überblick Verlag

Als "Freizeitpark für Hooligans" bezeichnete Kolumnist Jorge Montojo Magaluf jüngst in der Zeitung "El Mundo". Nachbarn sprechen in Anlehnung an die der Sünde verfallenen Bibel-Städte von "Sodom und Gomorra". Am ersten Juni-Wochenende ging es auf jeden Fall wieder hoch her in der Straße Puerto Ballena, dem 600 Meter langen "Epizentrum" der wilden Feiern: Einige Urlauber prügelten sich im Suff, andere liefen kaum oder gar nicht bekleidet grölend durch die Straßen. Das Pinkeln auf offener Straße gehört ebenso zum Normalbild wie unzählige Touristen, die den Rausch auf Straßenbänken oder dem Bürgersteig ausschlafen.

Die 4000-Einwohner-Gemeinde, die an der entgegengesetzten Seite der Bucht um die Inselhauptstadt Palma liegt, geriet im vergangenen Jahr wegen eines Sex-Videos international in die Negativschlagzeilen. "Wir sind es leid, dass wegen des schlimmen Verhaltens einer relativ kleinen Gruppe von Touristen unser aller Ruf ruiniert wird", sagte der Präsident des Hotelierverbandes von Palmanova und Magaluf, Sebastián Darder. Er sei sehr zuversichtlich, dass die am 21. Mai vom Gemeinderat von Calvià erlassenen Verordnungen dem "wilden Treiben" schnell ein Ende setzen.

Mit den Benimmregeln folgt man dem Beispiel von Palma, das im vorigen Jahr für die Gegend um den Ballermann Saufgelage unter freiem Himmel verboten hat. Künftig soll es in Magaluf zwischen 22 und 8 Uhr untersagt sein, im Freien Getränke zu sich zu nehmen. Zudem soll ab Mitternacht der Verkauf alkoholischer Getränke verboten werden. "Oben ohne" soll nur an der Playa oder in Strandnähe geduldet werden. Auch die Wirte werden in die Verantwortung genommen: Für organisierte Kneipentouren werden Einschränkungen eingeführt. Und Lokalbesitzer müssen davon Abstand nehmen, "sexuelle Handlungen zu fördern", betont Darder.

Neben der Eindämmung von Trink- und anderen Exzessen will man auch das berüchtigte "Balconing" bekämpfen. Bei solchen Sprüngen oder Stürzen von Hotel-Balkonen starben 2014 sechs junge Leute, im Mai gab es das erste Todesopfer der Saison zu beklagen. In einer ersten Phase werde es in Magaluf keine Geldstrafen, sondern nur Verwarnungen geben, heißt es.

Palma de Mallorca: Die Sehenswürdigkeiten FOTO: shutterstock/ Anilah

Die meisten in Magaluf sind derweil skeptisch, dass die neuen Regeln greifen. Am Ballermann sei es ja auch nicht wirklich besser geworden, meinen nicht wenige. "Es wird leider alles beim Alten bleiben", sagt ein Polizist, der anonym bleiben möchte. Tourist Jamie und Kumpel Kevin denken genauso. "Wie will man so etwas wirklich durchsetzen? Da müsste schon die Armee hierherkommen", sagen die Mittzwanziger aus Schottland und Neuseeland unisono.

Darder hat jedoch einen Trumpf im Ärmel. Die Unruhestifter sollen nicht unbedingt erzogen werden, sie sollen vielmehr vertrieben werden - das lässt der Hotelpräsident durchblicken. Allein der große spanische Hotelkonzern, für den Darder arbeitet, hat in Magaluf in den vergangenen Jahren 120 Millionen Euro investiert, um das Niveau des Angebots zu erhöhen und zahlungskräftigere Besucher anzulocken. Wenn alles teurer wird, so hofft man, werden sich Jamie, Jack und Kevin anderswo austoben müssen.

Quelle: RP
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