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Hoch zu Ross
Mallorca mit dem Pferd erleben

Mallorca mit dem Pferd erleben
Die Insel mit dem Pferd zu erleben ist etwas ganz Besonderes – und dafür muss man gewiss kein Reitprofi sein. Fernab der Touristenwege lernt man Gegenden kennen, die man sonst nie gesehen hätte. Schöner Nebeneffekt: Im Sattel schaltet man schnell vom Alltag ab und erntet jede Menge Glücksgefühle. Von Jutta Christoph

Auf dem Reiterhof Son Menut in Felanitx, inmitten weiter Olivenhaine, züchtet Antonio Barceló reinrassige spanische Pferde. Für den Mallorquiner ist die Pura Raza Española die perfekte Rasse. Die Pferde haben ein feuriges, aber nicht zorniges Temperament, gepaart mit einer psychischen Ausgeglichenheit. Auf solche Tiere können sich seine Reiter zu 100 Prozent verlassen, ist Barceló überzeugt. Auf Son Menut geht es solide und handfest zu, jeder Reiter, ob Anfänger oder fortgeschritten, ist willkommen. Gerne auch in Jeans und festem Schuhwerk statt perfektem Reitoutfit. Denn im Vordergrund steht der Spaß. Das Ziel ist es, auf dem Pferderücken ein Stück unberührter Natur zu entdecken. Die nähere Umgebung erreitet man sich auf einem zweistündigen Ausritt. Wer Erfahrung mit Pferden hat, bucht einen Tagesritt mit Guide über die Insel.

Los geht's um Punkt 9 Uhr, wir sind sechs Reiter, auf dem Programm steht das Santuari de la Consolació, ein verlassenes Kloster in der Nähe von S'Alqueria Blanca. Ein Prinzip von Son Menut heißt: selbst anpacken. Oder sich zeigen lassen, wie man sein Pferd striegelt, die Hufe auskratzt, es aufsattelt und aufzäumt. So haben wir Zeit, unseren Vierbeinern "Guten Morgen" zu sagen, die Spuren der Nacht aus dem Fell zu putzen und uns beim Hufeauskratzen und Satteltragen ein bisschen aufzuwärmen. Danach hilft uns unser Guide Jo nacheinander aufs Pferd und erklärt dabei die Regeln für den Tag: "Getrabt und galoppiert wird immer in einer Reihe, im Schritt dürft ihr auch nebeneinander reiten."

Zunächst bewegt sich die Gruppe gemütlich auf den nächsten Feldweg zu, roter Klatschmohn säumt die Straßenränder. Jo hebt den Arm und trabt an. Zwölf wippende Pferdeköpfe und sechs hüpfende Reiter folgen ihm. Wir kommen an Wiesen und ausgetrockneten Flüssen vorbei, ducken uns unter tief hängende Äste, passieren alte Mühlen und Bauernhäuser. Dann treiben wir unsere Pferde zum Galopp an und schweben an Wiesen und Weizenfeldern vorbei, aus denen Blumen ihre bunten Köpfe strecken. "Schaut mal die hübschen rosafarbigen Blüten hier links", sagt Jo. "Das ist wilder Knoblauch. Der wächst hier überall, genau wie der wilde Fenchel. Über den freuen sich vor allem die Bauern, weil Fenchel gefräßige Schnecken fernhält." Im Laufe des Vormittags wird klar, dass Jo sich nicht nur hervorragend mit Pferden auskennt, sondern in den vergangenen 25 Jahren, so lange lebt der Deutsche bereits auf der Insel, auch viel Wissen über Mallorca gesammelt hat.

Es geht zügig weiter Richtung S'Alquería Blanca. Die Pferde laufen ruhig an der mäßig befahrenen Straße zum Dorf entlang, keines scheut oder wirkt verschreckt. Später erklärt Jo, dass PREs, wie man die Pura Raza Española kurz nennt, ein überdurchschnittliches Erinnerungsvermögen besitzen und daher leicht auszubilden sind. Spanische Rösser gelten auch als sehr trittsicher. Was sie beim Anstieg auf den Klosterberg unter Beweis stellen dürfen. Es geht einen steilen Geröllhang hinauf und gleich danach wieder bergab. Nach einer weiteren Kurve erreichen wir einen asphaltierten Weg zum Kloster. Wie eine Karawane bewegen wir uns im Schritttempo nach oben.

Direkt unterhalb der dicken Steinmauern schlagen wir das Mittagslager auf. Jo holt ein Seil aus einem Pferdeanhänger von Son Menut, der hier wie zufällig parkt, und befestigt es zwischen zwei Bäumen. Wir binden die Pferde unter den Steineichen fest, nehmen ihnen Sättel und Trensen ab. "Im Anhänger befinden sich Schwämme und Wasser, damit könnt ihr den Pferden den Schweiß vom Rücken reiben", ruft unser Guide. Anschließend bekommen die Vierbeiner einen Eimer Futter vor die Nase gesetzt.

Jetzt sind wir an der Reihe. Im Pferdeanhänger, der hier natürlich nicht zufällig parkt, sondern für uns abgestellt wurde, befindet sich eine mobile Picknickgarnitur. Jo rollt einen runden Tisch heraus, wir packen mit an und tragen Stühle und Kisten auf die schattige Wiese. In fünf Minuten ist die Tafel gedeckt, mit selbst gemachter Tortilla, Brot, Oliven, Käse, Salami und einer großen Schüssel Salat. Dazu gibt's Wasser, Bier und Rotwein, gekeltert aus Son-Menut-Trauben. Was für ein Festmahl!

Nach Kuchen, Obst und Kaffee fehlt eigentlich nur noch die Hängematte. "In einer halben Stunde brechen wir auf", ruft Jo und zerreißt mit seiner Stimme blitzartig den Traum von der "Siesta".

Gestärkt und erholt machen wir unsere Pferde für den Rückweg klar. Picknicktafel und Futtereimer sind wieder im Anhänger verstaut, es heißt aufsitzen. "Adiós, schöner Picknickplatz! Und hoffentlich auf ein nächstes Mal." Die Pferde steigen der Reihe nach den Pilgerweg bergab. Wir kommen an einer alten, restaurierten Windmühle vorbei, auf der Wiese nebenan stehen acht Ponys. Jo erklärt, dass die Mallorquiner ein Volk von Pferdenarren sind, mehr als 30.000 Pferde leben auf der Insel, die höchste Pferdedichte Europas.

Ein letztes Mal treiben wir unsere Rösser zum Galopp an, die schmerzenden Beine sind noch einmal vergessen. Ein kurzer Trab und wir erreichen den Hof. Wir satteln ab, tauschen Trense gegen Halfter und bringen unsere Schützlinge in den Stall. Danach staksen zwölf Reiterbeine etwas steif zur Getränkebar. Mit einem kühlen Bier in der Hand machen wir es uns auf der Terrasse bequem, jeder hängt seinen Gedanken nach. Mit vielen neuen Eindrücken geht ein Tag in Mallorcas Natur langsam zu Ende, sorgenfrei und ohne ein einziges Handyklingeln. Wir sind uns einig: Wir kommen wieder und reiten im nächsten Mallorca-Urlaub mit Jo zum Strand.

Dieser Artikel stammt aus Mallorca Geht Aus, dem Magazin für Genuss- und Gourmet-Urlaub aus dem Hause der Rheinischen Post Mediengruppe. Noch mehr spannende Artikel rund um die beliebte Balearen-Insel finden Sie im aktuellen Heft. Bestellen Sie hier