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Florida
Miami – Sonne, Partys und Kunst

Miami - Partymeile und Kunststadt
Miami - Partymeile und Kunststadt FOTO: Visit Florida
Düsseldorf (RP). Erst Drogensumpf, dann Rentneridyll mit Sonnengarantie, schließlich Party-Metropole: Miami mausert sich. Seit einiger Zeit rückt die Kunstszene in den Mittelpunkt. Von Jan Schnettler

Quietschbunte Lichteffekte sind das Erste, das viele Deutsche dank der Krimiserie "CSI: Miami" mit Floridas bekanntester Stadt verbinden. Doch wer einmal einen echten Sonnenuntergang am Ocean Drive von Miami Beach erlebt hat, sieht anhand der Farb-Opulenz, wie überflüssig Weichzeichner und Kunstlicht sind, wenn es darum geht, die Stadt in Szene zu setzen. Andererseits ist es genau diese Gratwanderung zwischen Kunst und Künstlichkeit, die einen Aufenthalt in Amerikas vielleicht wandlungsfähigster Großstadt zu einer besonderen Erfahrung macht.

In den 80ern galt Miami als Drogenhölle. Filme wie "Scarface" und die Serie "Miami Vice" (vice heißt Laster) prägten das Bild von der hitzigen Stadt, deren Durchschnittstemperatur selbst im Januar bei 23 Grad liegt. Je sicherer Miami in der Folgezeit wurde, desto attraktiver wurde sie zunächst für betuchte Rentner, schließlich für Szenegänger und Anhänger der Jugendkultur. Und seit einiger Zeit versucht die erst 1896 gegründete Stadt nun auch, sich als Metropole für Kunst und Kultur einen Namen zu machen – mit erstaunlichen Resultaten.

Ein quirliger Mikrokosmos ist South Beach auf der vor Miami gelagerten Halbinsel Miami Beach. Hier schlägt nicht nur jeden Dezember das Herz der "Art Basel", hier liegt auch das "Art Deco District", die mit 960 Gebäuden größte zusammenhängende Ansammlung von Art-Deco-Bauten der Welt. Die Architektur wurde beibehalten, in den historischen Bauten haben sich viele Hotels und Geschäfte angesiedelt. Bestes Beispiel dafür ist die "Versace-Villa": Die frühere Residenz des italienischen Modeschöpfers, auf deren Stufen Versace 1997 erschossen wurde, beinhaltet seit diesem Monat ein Edel-Hotel samt Restaurant des Event-Kochs Barton G. Weiss.

Mit dem Bass-Museum (Kunst) und dem Wolfsonian (Design) sind in South Beach zudem zwei renommierte Häuser angesiedelt.

Hotels mit millionenschwerer Kunst

Auch in manchem Hotel hängt inmitten einer zehn Millionen Dollar schweren Sammlung mal ein Mirò in der Lobby – etwa im Ritz-Carlton. Das Miami City Ballet unter Federführung von Edward Villella, der als einer der besten amerikanischen Tänzer gilt und auch mit 73 noch kleine Gastauftritte in Ballett-Aufführungen hat, ist in South Beach zu Hause. Ebenso die "New World Symphony", die einzige vollwertige Orchester-Akademie der USA, die vom achtfachen Grammy-Gewinner Michael Tilson Thomas geleitet wird.

Klotzen statt Kleckern lautete die Devise beim Bau des Adrienne Arsht Centers in Downtown Miami: Der von Star-Architekt César Pelli entworfene und 2006 eröffnete Gebäudekomplex ist das drittgrößte Zentrum für Bildende Künste in den USA. Neben den vier ortsansässigen Ensembles (darunter die Florida Grand Opera) ist jedes Jahr das Cleveland Orchestra für mehrere Wochen zu Gast.

Wuseliger geht es einige Straßen weiter nördlich im Wynwood Arts District zu, das aus mehreren Gründen einer der spannendsten kulturellen Orte der Stadt ist. Wo noch vor zehn Jahren Obdachlose in leerstehenden Gebäuden hausten, floriert mittlerweile die Street-Art-Szene. Viele kleine Gallerien haben sich angesiedelt, großflächige Graffiti prägen das Straßenbild, und aufstrebende Künstler arbeiten vor Ort, etwa im Bakehouse Art Complex. Die ehemalige Großbäckerei enthält 70 Ateliers für Künstler aller Richtungen sowie mehrere Ausstellungsräume.

Wynwood ist darüber hinaus auch aus Sicht der Stadtentwicklung einen Besuch wert – denn anschaulicher als hier kann der Prozess der so genannten Gentrifizierung, die gezielte Aufwertung eines Stadtteils mit dem Ziel, eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur herbeizuführen, kaum sein. Noch sind viele Ateliers hinter schweren Eisentüren versteckt, noch siedeln sich Restaurants und Lebensmittelgeschäfte nur spärlich an, noch fehlen Hotels und Ladenketten, doch das Bild des Viertels ändert sich fast täglich. Umgekrempelt wird Wynwood, wie Jahrzehnte zuvor schon das heute hippe South Beach, von einem Projektentwickler. Das treibt bisweilen für den Beobachter seltsame Blüten – etwa, wenn Arbeiter vor einem scheinbar spontan entstandenen Wandgemälde Grünflächen und Gehwege anlegen.

Bunter Kulturenmix

Neben der Vielfalt der Kultur hat Miami noch einen weiteren Pluspunkt zu bieten: die Vielfalt der Kulturen. Stadtteile wie Little Haiti und Little Havana heißen nicht zufällig so, besonders die Exil-Kubaner zelebrieren ihre Lebensart. Im Maximo Gomez Park spielen alte Männer jeden Tag in aller Seelenruhe Domino, in zahlreichen kleinen Fabriken, von denen jede einen Besuch wert ist, werden Zigarren "Cuban Style" gerollt. Und die "Calle Ocho", der Walk of Fame für lateinamerikanische Künstler, ist gleich um die Ecke.

Neben Luxus-Shopping-Möglichkeiten, der legendären Clubszene und seinen Stränden besticht Miami als Ganzjahresziel auch durch seine fantasievolle Gastronomie. Die reicht von japanisch-brasilianischer Crossover-Küche im "Sushisamba" auf der Lincoln Road bis hin zu Ziegenkäse-Eiscrème im Restaurant des Mandarin-Oriental-Hotels.

Noch reizvoller wird dieses Angebot durch zusätzliche Ideen: mal spielerische (LED-beleuchtete Speisekarten im Restaurant des "The Hotel"), mal alberne (der erste und einzige Bräunungs-Butler der Welt im Ritz-Carlton). So wird der Dreiklang von Kunst, Künstlichkeit und Kitsch, der in Miami an jeder Ecke angestimmt wird, zu einem gelungenen Gesamtkunstwerk.

Auskünfte Visit Florida Versandhaus c/o PELA Touristikservice, Postfach 1227, 63798 Kleinostheim, Fax: 06027-9796982, FloridaInfo@t-online.de  www.visitflorida.com/deutsch  

Quelle: RP
 
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