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Moskau
Moskau verkauft "Hotel Metropol"
Moskau. Für rund 220 Millionen Euro hat die Stadt Moskau das berühmte Hotel an seinen bisherigen Pächter verkauft. Das "Metropol" blickt auf eine ruhmreiche Historie zurück, doch die einstige Top-Adresse hat eine Renovierung nötig. Von Martin van der Pütten

Auf seiner Internetseite präsentiert das Moskauer "Hotel Metropol" stolz eine Auswahl seiner bekanntesten Gäste: US-Präsident Barack Obama lächelt dort auf einem kleinen Foto mit goldenem Rahmen genauso wie Musiker Elton John, Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko oder Königin Beatrix der Niederlande. Das Haus ist stolz auf seine mehr als 100-jährige Historie, doch der Ruhm der Geschichte schien zuletzt immer mehr unter dem Staub der Gegenwart zu verblassen.

Um die dringend benötigten Investitionen zu ermöglichen, entschied sich die Stadt Moskau, ihr Schmuckstück zu privatisieren. Rund 220 Millionen Euro flossen durch die Versteigerung des Fünf-Sterne-Hotels in die Stadtkassen. Zwei Tatsachen deuten allerdings darauf hin, dass es kein leichter Weg wird, das "Metropol" wieder an die Spitze der Moskauer Hotels zu führen: Es gab insgesamt nur drei Interessenten, und auch das Startgebot von umgerechnet 215 Millionen Euro wurde nur minimal überschritten.

Seit der letzten Sanierung des Hotels in den Jahren 1986 bis 1991 sind bereits wieder zwei Jahrzehnte vergangen, und es mehren sich die kritischen Stimmen der Gäste. Mit der Überschrift "Mehr Schein als Sein" brachte es ein Gast im Bewertungsportal "holidaycheck.de" auf den Punkt und empfiehlt dem "Metropol" dringend eine Renovierung.

Die Hoffnungen liegen jetzt auf dem neuen Eigentümer Aleksander Klyachin. Der Chef der russischen Hotelkette "Azimut" und bisheriger Pächter des "Metropol" erhielt bei der Versteigerung den Zuschlag für das Gebäude. Ausgenommen von der Versteigerung waren die zum Teil mehr als 200 Jahre alten Einrichtungsstücke. Diese bleiben damit im Besitz der Stadt.

Die geschichtsträchtige Aura, die das Hotel umgibt, wird wohl ebenfalls erhalten bleiben. Schließlich ist es ein Faustpfand des "Metropol", das einst Lenin von den Balkonen des damals größten Hotels Russlands mehrere Reden hielt. 1917 wurde das Luxushotel von den Bolschewisten beschlagnahmt und zweckentfremdet. Statt Gästen wohnten und arbeiteten nach der Oktoberrevolution dort die Kader der Partei. Als "Zweites Haus der Räte" fungierte das Hotel auch als Sitzungsort der jungen Sowjetunion.

Schon bald wurden im "Metropol" kommunistische Staatsgäste wie Ernst Thälmann oder Mao Zedong empfangen. Glasnost und Perestroika fielen mit der letzten großen Renovierung zusammen. Als das Hotel 1991 wieder eröffnete, gab es die Sowjetunion nicht mehr. Die Gäste wurden schillernder: So wird von Michael Jackson überliefert, dass er versuchte, dem Hotel eine Lampe in Bärenform abzukaufen. Vergeblich: Das "Metropol" behielt die Lampe und war gleichzeitig um eine Episode reicher.

Quelle: RP
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