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Norwegen
Naturparadies mit neuem Gesicht

Wandern in den norwegischen Trollheimen
Wandern in den norwegischen Trollheimen FOTO: dpa, pla
Norwegen investiert überproportional stark in die kulturelle Infrastruktur der Städte wie Lillehammer und Oslo. Von Cornelia Höhling

War das gerade eine Sinnestäuschung? Nein, da sitzt ein riesiger Troll. Er ist deutlich von der Autostraße aus zu sehen. Als 17 Meter hohe Betonfigur begrüßt er die Besucher des Freizeitparks Hunderfossen nördlich von Lillehammer. Viele kommen, um die Stätten der Olympischen Winterspiele 1994 zu sehen. Dass das idyllisch am Nordostufer des Mjøsa-Sees, Norwegens größtem See, gelegene Lillehammer im 19. Jahrhundert als "Stadt der Maler" galt, erfahren die meisten erst im Kunstmuseum neben dem Rathaus. Immer wieder hatte das hier beginnende faszinierende Gudbrandstal Künstler inspiriert. Auch der Dichter Henrik Ibsen (1828-1906) fand den Stoff für seinen 1867 geschriebenen "Peer Gynt" in eben diesem Tal. Und Trolle gibt es überall, nicht zuletzt in den Souvenirläden.

Ob als Riese oder in Zwergengestalt, die Zauberwesen der nordischen Märchenwelt werden jeden Sommer lebendig, wenn Ibsens Drama, das längst zum Nationalepos avanciert ist, vor der atemberaubenden Kulisse des Rondanegebirges am Gålå-See aufgeführt wird. Zusammen mit Edvard Grieg (1843-1907), der die musikalische Untermalung für Peer Gynt schuf, empfängt der Dichter - gut zu erkennen am Pappmaché-Kopf - höchst-"persönlich" die Gäste. Es sind Tausende, die bei jedem Wetter immer wieder begeistert zu der seit 1967 stattfindenden Open-Air-Veranstaltung strömen, erzählt Fred Gerkum bei der deutschsprachigen Einführung. Der gebürtige Bonner ist seit Jahren einer der vielen Freiwilligen, die das Peer-Gynt-Festival hinter den Kulissen und bei den Massenszenen unterstützen und dafür Urlaub nehmen. Nun hat er selbst drei kleine Rollen in dem Stück, das 2017 sein 150. Jubiläum feiert.

Zweifellos ist Norwegen ein Ziel für Naturliebhaber. Auch in dieser Region finden Wassersportler und Wanderer ein Paradies, weiß Gerkum aus eigener Erfahrung. Neuerdings würzen aber immer mehr Urlauber ihre Naturerkundungen mit kulturellen Höhepunkten. Und tatsächlich hat das Land, das überproportional stark in die Kulturinfrastruktur investiert, auch jenen, die ihrem Urlaub ein Upgrade in Sachen Kultur geben wollen, Außergewöhnliches zu bieten. In vielen alten Industrieanlagen durften sich Künstler ansiedeln und werden gefördert. So lockt etwa die alte Papierfabrik Kistefos nicht nur als Industriemuseum, sondern auch mit einem Outdoor-Skulpturenpark. Es fällt nicht schwer, den ganzen Tag zwischen den Kunstwerken zu verbringen.

In der Hadeland Glasmanufaktur von Jevnaker kann der Besucher sogar selbst zum Künstler werden. Eigenes Glas zu blasen, ist für viele der Höhepunkt einer Führung durch den seit seiner Gründung 1762 ununterbrochen bestehenden Handwerksbetrieb, erzählt René Redanz. Der 49-Jährige ist einer der 15 Glasbläser und kam vor Jahren aus dem brandenburgischen Doberlug-Kirchhain hierher.

In Lillehammer sollte man sich Zeit für einen Abstecher in das 1904 gegründete Freilichtmuseum Maihaugen nehmen, das mit seinen 200 aus allen Landesteilen hierher versetzten historischen Gebäuden eines der größten und ältesten Europas ist. Wer in Ruhe die vielen Eindrücke verarbeiten und die faszinierende Landschaft auf dem in der Sonne glitzernden Wasser genießen will, ist auf dem 160 Jahre alten Skibladner richtig. Dieser älteste noch in Betrieb befindliche Schaufelraddampfer - mit Bordrestaurant versteht sich - kreuzt den Mjøsa-See.

Fast jeder dritte Norweger wohnt heute im Großraum von Oslo. Die Hauptstadt zwischen Meer und Gebirge hat wohl als einzige in Europa innerhalb des Stadtgebietes Wasser- und Wintersportmöglichkeiten sowie noch echte Wildnis zu bieten. Und fast an jeder Ecke wartet zeitgenössische Kunst. Auch die künstlerische Laufbahn des Malers Edvard Munch (1863-1944) begann hier. Immer wieder schießen die Touristen vor seinem berühmten Bild "Der Schrei" Selfies. Ob Nationalmuseum, Munch-Museum oder das Atelier in Ekely - seine Meisterwerke sind allgegenwärtig. Lohnenswert ist der Panoramablick vom Skulpturenpark Ekeberg auf Oslo mit der neuen Oper, die sich wie ein Eisberg aus dem Oslofjord erhebt, und der man aufs Dach steigen kann.

Spektakuläre Opern-Aufführungen erleben Musikfreunde auch auf der Inselfestung Oscarsborg weiter südlich im Oslofjord. Im Zweiten Weltkrieg schrieb sie Militärgeschichte, als im April 1940 von dort aus der deutsche Kreuzer "Blücher" versenkt wurde. Heute laden Ausstellungen, ein Restaurant und eine Open-Air-Bühne in die alten Festungsmauern ein.

Von Drøbak aus, dem bekanntesten Badeort am Oslo-fjord, braucht die Fähre nur fünf Minuten. Auch Drøbak hat eine eigene Künstlerkolonie und ist mit seinem ganzjährig geöffneten "Julehus" Weihnachtsstadt, die den Weihnachtsbaum für den Platz am Brandenburger Tor in Berlin liefert und Trolle als Souvenir verkauft.

Die Redaktion wurde von Visit Norway zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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