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Seebad Prora auf Rügen
Neue Ferienapartments in alter Nazi-Ruine

Nazi-Seebad wird Hotelanlage
Nazi-Seebad wird Hotelanlage FOTO: ddp
Das "Kraft durch Freude"- Seebad Prora auf Rügen verfällt seit Jahrzehnten. Ein mutiger Berliner Investor saniert einen Teil der Ruine nun zu Ferienwohnungen. Von Arne Lieb

Sie gilt als eine der berühmtesten Ruinen in Deutschland – und wird nun Ort für ein spektakuläres Bauprojekt: Ein Berliner Investor baut Teile des verfallenen Nazi-Seebads Prora auf der Ostseeinsel Rügen in luxuriöse Wohnungen und Hotel-Apartments um.

Im ersten Abschnitt des mehr als drei Kilometer langen Plattenbau-Kolosses laufen bereits die Arbeiten, Besucher können sich in Musterwohnungen auf dem Gelände ein Bild vom neuen Erscheinungsbild des Gebäudes machen. Die historische Fassade bleibt im Grundsatz erhalten, von innen wird das verfallene Gebäude komplett erneuert. Die Wohneinheiten werden für den Eigenbedarf und als Kapitalanlage verkauft.

Mit dem Bau enden mehr als 20 Jahre Stillstand in der denkmalgeschützten Ruine am Rande des Ortes Binz. Lange Zeit war über die Zukunft der Ruine diskutiert worden. Das Seebad Prora, das 20000 Menschen billigen Massenurlaub ermöglichen sollte, wurde 1938/1939 von den Nationalsozialisten erbaut, ging aber nie in Betrieb.

In der DDR diente es unter anderem als Unterkunft für Wehrdienstverweigerer, die sogenannten Bausoldaten. Prora ist eines der beliebtesten Touristenziele auf der Insel. Ein Dokumentationszentrum erinnert an die Vergangenheit des Gebäudes, außerdem sind in der weitläufigen Ruine weitere Museen untergebracht. In einem Block ist kürzlich eine Jugendherberge entstanden. Der größte Teil des Betonklotzes, der ursprünglich sogar 4,5 Kilometer lang war, verfällt jedoch. Die Türen sind verrammelt, die Fenster eingeschlagen.

Die Prora-Ruine hat einen großen Wert: ihre Lage. Als der Verkauf der Ruine anstand, hat dies bei mehreren Investoren Interesse geweckt. Das Gebäude befindet sich direkt am Ostseestrand. Als der erste Teil der Anlage 2011 ausgeschrieben wurde, bekam der Berliner Investor Gerd Grochowiak den Zuschlag. Er hatte sich bei einem Ortsbesuch in das Anwesen verliebt – und sieht großes wirtschaftliches Potenzial.

Für 2,75 Millionen Euro erwarb seine Projektentwicklungsfirma Irisgerd den ersten Riegel der Ruine, der am nächsten zur Innenstadt von Binz liegt. Auch dieser kleine Teil ist bereits ein Koloss: Er ist 450 Meter lang und 20 Meter breit. Für 50 Millionen Euro sollen dort nun 240 bis 280 Eigentums- und Ferienwohnungen entstehen. Der erste Teil soll bis 2015 fertiggestellt werden. Die Sanierung soll Altes mit Neuem verbinden:

Die Architektur mit den symmetrischen Treppenhäusern soll bestehen bleiben. Allerdings werden Balkons angebracht. Den Charme einer Ruine soll Prora aber verlieren: Der Investor verspricht stilvolle Eigentumswohnungen. Sie sind zwischen 43 und 100 Quadratmeter groß und kosten von 2309 bis 3916 Euro pro Quadratmeter.

Einen Teil der Investition sollen die Käufer als Denkmalschutz abschreiben können. Auch das Umfeld soll umgestaltet werden. Dafür ist viel zu tun: Wer dort derzeit einen Spaziergang macht, kann sich noch nicht vorstellen, dass dort wirklich bald eine luxuriöse Ferienanlage entstehen soll.

Der Umbau ist auf der Insel nicht unumstritten. Die Lokalpolitik in der Gemeinde Binz ist unglücklich, dass weitere Ferienbetten in dem Ort entstehen und befürchtet ein Überangebot. Der Bebauungsplan erlaubt bis zu 3000 Betten. Auch die ungewisse Zukunft des Dokumentationszentrums sorgt für Protest; dessen Mietvertrag wird nur jahrweise verlängert – Historiker befürchten, dass die Erinnerung an die Geschichte der berühmten Ruine verloren geht.

Quelle: RP
 
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