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"Fare Choices"
Air Berlin ändert Tarifsystem und schränkt Vielflieger ein

Air Berlin ändert Tarifsystem und schränkt Topbonus Vielflieger ein
Wer mit Air Berlin fliegt, muss sich auf Änderungen einstellen. FOTO: AP, AP
Düsseldorf. Air Berlin baut sein Tarifmodell um und verabschiedet sich von der preiswerten "FlyDeal"-Option mit Freigepäck. Wer künftig ein größeres Gepäckstück mitnehmen will, muss in eine teurere Ticketkategorie wechseln. Vielflieger müssen auf Leistungen verzichten. Von Daniel Fiene

Zum 12. Juli 2016 führt Air Berlin ein neues Tarifsystem ein. Auf den ersten Blick ist es übersichtlicher, aber wer auf Freigepäck Wert legt oder häufig mit der Airline fliegt, muss sich auf Nachteile einstellen. So können Inhaber der "Silver"-Karte künftig nicht mehr die Fastlane vor dem Sicherheitscheck nutzen. In einem Schreiben an die Vertriebspartner erklärt Air Berlin das neue Tarifsystem. Darin heißt es, man wolle sich Branchenstandards anpassen und ein einfacheres System bieten.

Tatsächlich gibt es künftig wie beim größten deutschen Konkurrenten Lufthansa (dazu gehört auch Eurowings) drei Tarife. Bei den Namen kopiert Air Berlin sogar die Bezeichnung von Lufthansa. Wer nach Mitte Juli bucht, kann auf Kurz- und Mittelstreckenflügen zwischen "Economy Light", "Economy Classic" und "Economy Flex" wählen. Damit verabschiedet sich Air Berlin vom "FlyDeal"-Tarif, der besonders für Passagiere mit Gepäck attraktiv war, oder wenn sie schnell in einen besseren Vielfliegerstatus wechseln wollten. 

Aus "JustFly" wird "Economy Light". Wer einen Koffer mit bis zu 23 Kilogramm aufgegeben möchte, muss einen Aufpreis zahlen. Dies ist künftig nur noch gegen Aufpreis möglich. Für einen innerdeutschen Flug gibt es weiterhin 125 Meilen und für einen europäischen Flug 250 Meilen. Bisher ließen sich mit dem "FlyDeal"-Tarif für viele Kunden attraktive Tickets finden, da Sie Freigepäck mitnehmen durften. Wer künftig Freigepäck nutzen möchte, muss in die nächst teurere Kategorie wechseln. Dies gilt auch, wenn man eine gewisse Flugzahl erreichen möchte, um in einen besseren Vielflieger-Status zu wechseln.

Aus "FlyClassic" wird "Economy Classic". Die Leistungen bleiben in diesem Tarif bestehen, allerdings reduziert Air Berlin auch hier die Meilen. Für innerdeutsche Flüge gibt es 500 statt bisher 750 Meilen. Für europäische Flüge gibt es 1000 Meilen statt bisher 1500 Meilen. Für eine Übergangsphase bietet Air Berlin für seine Vielflieger zum Trost mehr Meilen an: Auf innerdeutschen Flügen gibt es bis zum Jahresende 650 Meilen und auf europäischen Verbindungen 1250 Meilen. 

Aus "FlyFlex+" wird "Economy Flex". Passagiere in dieser Kategorie dürfen künftig nur noch ein Handgepäck mit bis zu 8 Kilogramm an Bord nehmen. Bisher waren in dieser Kategorie zwei Koffer oder Taschen erlaubt. Alle weiteren wichtigen Leistungen bleiben erhalten. Auf innerdeutschen Flügen gibt es nur noch 750 Meilen statt wie bisher 1000 Meilen. Auf europäischen Flügen gibt es nur noch 1500 Meilen statt wie bisher 2000 Meilen. 

Auch bei den Langstreckenflüge, zum Beispiel in die USA, verändert sich das Preismodell. Dort werden die Tarife als "Economy Saver", "Economy Classic" und "Economy Flex" bezeichnet. Eine größere Änderung gibt es bei den Meilen: Es gibt keine pauschalen Meilen mehr, sondern sie richten sich nach der tatsächlichen Distanz des Fluges. Im "Saver"-Tarif gibt es mindestens 500 Meilen oder ab 1000 Kilometern dann 50 Prozent der Distanzmeilen. Im "Classic"-Tarif gibt es mindestens 1000 Meilen oder ab 1000 Kilometern dann 100 Prozent der Distanzmeilen. Im "Flex"-Tarif gibt es mindstens 1500 Meilen oder ab 1000 Kilometer dann 150 Prozent der Distanzmeilen.

Die Businessklasse erhält bei deutschen Verbindungen 1000 statt bisher 2000 Meilen. Auf europäischen Strecken bleiben 2000 Meilen erhalten. Auf der Langstrecke gibt es auch drei bekannte Kategorien: "Business Saver"-Ticketinhaber bekommen 175 Prozent der Distanzmeilen. In der Kategorie "Business Classic" gibt es 200 Prozent und in der Kategorie "Business Flex" 250 Prozent der Distanzmeilen.

Es gibt aber auch einen Vorteil des neuen Tarifsystems. Die unterschiedlichen Ticketkategorien können in Zukunft miteinander kombiniert werden. Es ist als zum Beispiel möglich, mit "Economy Light" den Hinflug und mit "Economy Classic" den Rückflug einer Verbindung zu absolvieren. Das war bisher nicht möglich, die unterschiedlichen Tarife waren nicht kombinierbar.

Die neuen Tarife gelten für Ticketbuchungen ab dem dem 12. Juli 2016. Um die Nachteile für Vielflieger auszugleichen, erhöht Air Berlin den Executive Bonus für Kunden mit "Silver"-Status von 20 auf 25 Prozent. Bei ihnen reduziert sich die Meilenzahl demnach nicht so stark, wie bei anderen Meilensammlern. Außerdem können alle Vielflieger ein weiteres Gepäckstück kostenlos aufgeben.

Die neue Tarifstraktur wird von Air Berlin als "Fare Choices"-Konzept bezeichnet, welches auch schon von der Airline Etihad Airways eingesetzt wird. Etihad wurde 2011 der größte Einzelaktionär von Air Berlin.

Update: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass "Economy Light" den Tarif "JustFly" ersetzt. Dabei ersetzt "Economy Light" den Tarif "FlyDeal". Dies haben wir angepasst. Die dazu beschriebenen Leistungen verändern sich jedoch nicht.

(RPO)
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