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"The Shard"
Londons neues Wahrzeichen

Das ist der Ausblick von "The Shard"
Das ist der Ausblick von "The Shard" FOTO: dapd, Alastair Grant
London. London ist um eine Sehenswürdigkeit reicher - am Freitag wird die Aussichtsplattform des Wolkenkratzers "The Shard" eröffnet. Aus 244 Meter Höhe bekommen Besucher des höchsten Gebäudes Westeuropas eine grandiose Aussicht geboten.  Von Alexei Makartsev

Die Londoner City lebt seit Monaten nach einer neuen, riesigen Sonnenuhr. Um sie in Aktion zu sehen, muss man 24 Pfund bezahlen, das mulmige Gefühl im Bauch ignorieren und mit pfeilschnellen Aufzügen zu einer Aussichtsplattform in 244 Meter Höhe fahren, wo sich der Lärm der Millionenmetropole zu einem sanften Rauschen abschwächt.

Dort, in der zackenförmigen Spitze des Wolkenkratzers "The Shard" sieht man bei gutem Wetter, wie ein langer, spitzer Schatten allmählich über die Dächer der Wohnhäuser, Hotels, Banken und Kirchen im quirligen Finanzviertel an der Themse wandert. Tausende Menschen haben bereits Tickets gekauft, um nach der heutigen Eröffnung der schwindelerregenden Touristenattraktion diesen meditativen Fluss der Zeit aus der Vogelperspektive erleben zu können.

"Antwort auf das Empire State Building"

Vieles sprach dagegen, dass der "Shard" (Glasscherbe), mit 309,6 Metern das höchste Gebäude Westeuropas, jemals gebaut werden würde. Denkmalschützer und Anwohner protestierten. Und dann kam noch die Finanzkrise. Doch nach und nach hatten sich die Wogen geglättet, und zum Glück für die Baufirma Sellar Property sprang die Zentralbank des Ölstaats Katar als Geldgeber ein, wodurch 2009 das Scheitern des 550 Millionen Euro teuren Projekts abgewendet wurde. Heute sind die Londoner stolz auf den gläsernen Turm, den sie ihre "Antwort auf das Empire State Building" nennen. Die Tourismusexperten glauben, dass der "Shard" mit mehr als einer Million erwarteter Besucher pro Jahr das beliebte Riesenrad London Eye (135 Meter) in den Schatten stellen wird.

Die Bezwinger der "Scherbe" müssen strikte Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen, die den Checks im Flughafen Heathrow in nichts nachstehen. Größere Taschen, Lebensmittel und Getränke in Plastikflaschen sind tabu. Jeder Besucher wird fotografiert, während er den Metalldetektor im Erdgeschoss passiert. Um die Besucherplattform zu erreichen, ist ein Umsteigen im 33. Stock notwendig, wo die Gäste des Wolkenkratzers eine auf den Boden gezeichnete "Rätselkarte" Londons betreten.

Aussicht mit Soundtrack

Beim Rundgang durch die von Licht durchflutete 360-Grad-Galerie im 68. Stock blickt man an klaren Tagen bis zu 60 Kilometer weit über die Stadtgrenzen hinweg. Es ist keine Halluzination, wenn man dabei zarte Engelsstimmen hört. Um die Panorama-Wirkung zu verstärken, ließen die Betreiber der Attraktion extra einen ätherischen Soundtrack komponieren, der vom Londoner Symphonie-Orchester in Begleitung eines Kammerchors aufgeführt wird. Der Gipfel des "Shard"-Abenteuers ist der Aufstieg zur halboffenen Plattform im 72. Stock, auf der man im Himmel zu stehen scheint.

In der "Scherbe" darf jeder von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bleiben, denn die Tickets sind nicht zeitlich begrenzt. Von dem Anblick Londons aus der Vogelperspektive kann man sich auf jeden Fall kaum losreißen.

(RP/anch/das)
 
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