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Streik bei der Lufthansa
Jeder zweite Langstrecken-Flug fällt aus

Die Lufthansa-Tarife in der Economy-Class
Die Lufthansa-Tarife in der Economy-Class
Düsseldorf. Seit acht Uhr streiken die Lufthansa-Piloten. Weil die Fluggesellschaft viele Freiwillige finden konnte, fallen am Dienstag nur 84 Langstrecken-Flüge aus. Trotzdem zerrt der Dauer-Streit an den Nerven der Passagiere. Zumal die Piloten am Mittwoch auch noch die Kurz- und Mittelstrecke bestreiken. Von Susanne Hamann und Thomas Reisener

Der Konzern könne den ausgearbeiteten Sonderflugplan "bisher stabil so fliegen wie geplant", sagte ein Lufthansa-Sprecher am Dienstagmorgen der Nachrichtenagentur AFP.

Nicht einmal ein halbes Jahr Pause lassen die Lufthansa-Piloten den gebeutelten Passagieren nach ihrem dreitätigen Streik im März - nun beginnt das Drama aufs Neue. Ab acht Uhr bestreiken die Piloten die Langstrecke, am Mittwoch auch Kurz- und Mittelstrecke, wie die Piloten-Gewerkschaft Cockpit gestern mitteilte. Außerdem gebe es Ausstände bei allen Flügen von Germanwings, "die zum Ziel haben, Lufthansa-Flüge zu ersetzen", so Cockpit. Dies ist die 13. Streikrunde seit April 2014.

  • Welche Flüge sind heute betroffen? Die gute Nachricht: Die Piloten werden ihr Ziel nur teilweise erreichen. "Von 1300 geplanten Flügen am Dienstag sind 84 gestrichen - dank freiwilliger Piloten können 90 Interkont-Passagierflüge sowie alle Frachtflüge starten", teilte die Lufthansa mit. Betroffene Kunden, die ihre Handynummer bei der Lufthansa hinterlegt haben, werden per SMS informiert. Unter der kostenfreien Hotline 0800/8 50 60 70 sowie unter www.lufthansa.com können die Informationen ebenfalls abgefragt werden. In Düsseldorf wird voraussichtlich nur ein Flug nach New York am Mittag betroffen sein. In Köln läuft vermutlich sogar alles nach Plan. Schwerpunkt des Streiks sind München und Frankfurt. Kurz- und Mittelstrecken-Verbindungen auch der Tochter Germanwings sind heute nicht betroffen.
  • Welche Rechte haben Passagiere? Wer streikbedingt umbuchen muss, bekommt die Mehrkosten von der Lufthansa erstattet. Auch wenn der Flug von einer anderen Gesellschaft durchgeführt wird. Wer am Flughafen festsitzt, muss von der Lufthansa versorgt werden. In welchem Umfang, hängt von der Wartezeit und der Flugstrecke ab. Ab zwei Stunden Verspätung dürfen Gäste, die bis zu 1500 Kilometer fliegen, zwei Telefonate führen und zwei E-Mails schreiben und müssen außerdem verpflegt werden.
  • Müssen Passagiere ihre Kosten auslegen? Vorgesehen ist die kostenlose Versorgung der Fluggäste. Wenn das organisatorisch nicht machbar ist, müssen Passagiere ihre angemessenen Auslagen für Getränke, Restaurantbesuche oder ein Hotel vorstrecken und die Belege später einreichen.
  • Muss die Airline Ersatztickets für Bahn oder Mietwagen stellen? Die Lufthansa bemüht sich selbst um alternative Transportmöglichkeiten für vom Streik betroffene Passagiere. Wer sich auf eigene Faust auf die Suche nach einem Ersatztransport macht, sollte das erst nach Rücksprache mit der Fluggesellschaft tun.
  • Gibt es das Geld fürs Ticket zurück? Entschädigungszahlungen für streikbedingt ausfallende Flüge sind schwer zu bekommen. Anders als bei üblichen Verspätungen, bei denen den Passagieren ab einem bestimmten Verspätungsumfang feste Entschädigungssummen zustehen, fallen Streiks nicht unter die typischen Entschädigungsfälle. Nur, wenn nachweisbar ist, dass die Airline nicht alles unternommen hat, um den Passagiere an den Zielort zu bringen, kann es unter Umständen Schadenersatz geben.
  • Worum geht es in dem Streik ? Formal um die Vorruhestands-Bezüge für Lufthansa-Piloten. Der Streit wird aber deshalb so erbittert geführt, weil Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Kranich mehr und mehr zum Billigflieger umbaut. Dabei werden Teile des Geschäfts ins Ausland verlagert oder an Tochterunternehmen abgegeben, die mit billigeren Tarifen arbeiten. Die klassischen Lufthansa-Mitarbeiter werden inzwischen weit über dem Durchschnitt der Branche bezahlt.
  • Leidet die Lufthansa? Ja. Die bisherigen zwölf Streikrunden haben den Konzern 300 Millionen Euro gekostet. Hinzu kommt der Image-Schaden: Je öfter die Piloten streiken, desto mehr leidet der Ruf der Airline als pünktliches Reisemittel.
Quelle: RP
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