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Prora bekommt Jugendherberge und Hotel
Nazi-Seebad soll Touristen-Magnet werden

Prora bekommt Jugendherberge und Hotel: Nazi-Seebad soll Touristen-Magnet werden
FOTO: ddp
Rostock. Das ehemalige Nazi-Seebad Prora will wieder Touristen anlocken. In den gigantischen Häuserblocks direkt am Strand sollen eine Jugendherberge und ein Drei-Sterne-Hotel entstehen.

Die Jugendherberge ist bereits im Bau und wird voraussichtlich 2011 mit zunächst 400 Betten eröffnen. Als Baubeginn für das Hotel ist das Frühjahr 2011 vorgesehen, die Eröffnung ist für 2013 geplant. Es soll 300 Zimmer mit einer Größe von mindestens 25 Quadratmetern haben, teilt der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern mit.

Für die Nutzungspläne der Proraer Projektentwicklungs GmbH und die Firma Johann Christian Haas Immobilien und Finanzierung wurde nun Baurecht für die Umgestaltung der Blöcke 1 und 2 geschaffen. In den Blöcken, die zusammen eine Länge von über 1000 Metern haben, soll der Hotelkomplex entstehen.

"Wir wollen die Zimmer im Drei-Sterne-Segment anbieten und diejenigen Gäste ansprechen, die ansonsten einen All-inclusive-Urlaub in Spanien machen", so Geschäftsführer der Prora Projektentwicklungs GmbH Ulrich Busch. Zum anderen sollen Wohnungen und Ferienwohnungen entstehen, 200 pro Block. Das Gesamtinvestitionsvermögen beträgt 100 Millionen Euro.

Zwischen 1993 und 1999 befand sich in Prora schon einmal eine große Jugendherberge. Der Grundstein für die neue Jugendherberge wurde im Sommer 2009 am Block 5 des einstigen Kraft-durch-Freude-Seebades (KdF) gelegt. Bis 2011 sollen in einem Teil des 500 Meter langen Komplexes, in dem einst Spatensoldaten und Fallschirmjäger kaserniert wurden, jugend- und familiengerechte Unterkünfte für 400 Gäste entstehen. Mehr als 16,3 Millionen Euro investieren EU, Bund, Land und DJH in das Projekt.

Jahrelang hatten Experten gestritten, wie mit dem denkmalgeschützten Erbe umzugehen ist. Eine in den 90er Jahren für umgerechnet eine Million Euro erstellte Studie empfahl schließlich, das zweieinhalb Kilometer lange Ensemble am Strand von Prora als Einheit zu erhalten und schrittweise unter Leitung eines professionellen Projektentwicklers einer Nachnutzung zuzuführen. Doch stattdessen habe der Bund als Eigentümer die Anlage scheibchenweise an Investoren verkauft, kritisierten Denkmalschützer.

Überreginal bekannt ist das Dokumentationszentrum, das sich mit der Vergangenheit von Prora und der Sozialgeschichte der NS-Diktatur auseinandersetzt und allein 2008 rund 82.000 Besucher zählte.

Infos Prora: Das Seebad Prora entstand auf Betreiben der Nazi-Organisation Kraft durch Freude (KdF) zwischen 1936 und 1939 auf Rügen zwischen Sassnitz und Binz. Nach seiner Fertigstellung sollten hier 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können. Nach Kriegsbeginn wurden die Bauarbeiten eingestellt. Heute bildet der so genannte Koloss von Prora den Kern des Komplexes. Dabei handelt es sich um acht auf einer Länge von etwa 4,5 Kilometer entlang der Küste aneinandergereihte baugleiche Häuserblocks.

Weitere Infos: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Platz der Freundschaft 1, 18059 Rostock (Tel.: 0381/40 30 500, E-Mail: info@auf-nach-mv.de). Dokumentationszentrum Prora: www.dokumentationszentrum-prora.de

(tmn/ddp, mais, rpo)
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