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Absturz von russischem Urlaubsflieger
Rücken auch deutsche Urlauber ins Visier der IS-Terroristen?

War es der IS?: Bombe immer wahrscheinlicher
War es der IS?: Bombe immer wahrscheinlicher FOTO: dpa, am sh
Berlin. Geheimdienste stellen den Absturz des russischen Ferienfliegers in Ägypten als Folge einer Explosion dar. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte seine für Teile des Sinai bestehende Reisewarnung zwar vorerst nicht ausdehnen. Allerdings beklagt Berlin unzureichende Sicherheitskontrollen an Ägyptens Flughäfen. Generell wird Touristen zur Vorsicht geraten. Von Gregor Mayntz

Sollte der Absturz des russischen Airbus A321 am vergangenen Samstag tatsächlich auf eine Bombenexplosion zurückzuführen sein, sieht SPD-Innenexperte Burkhard Lischka sofort eine Parallele zum 4. Juli in Tunesien. "Das wäre innerhalb weniger Monate der zweite große islamistische Terroranschlag in Nordafrika auf touristische Ziele." In beliebten Touristenort Sousse waren damals auch zwei Deutsche unter den am Strand getöteten 38 Urlaubern.

Die europäischen Sicherheitsbehörden müssten als Konsequenz ihre Zusammenarbeit mit den südlichen Mittelmeer-Anrainerstaaten erheblich intensivieren, forderte Lischka. Auch Unions-Innenexperte Stephan Mayer empfindet die neuen Erkenntnisse, wonach höchstwahrscheinlich eine Bombenexplosion den Tod von 224 Menschen an Bord des russischen Ferienfliegers nach dem Start in Scharm el Scheich verursachte, "höchst besorgniserregend". Auch wenn es noch keine gesicherten Hinweise auf die Täter gebe, sei es verständlich, dass als Vorsichtsmaßnahme Flugverbindungen zum ägyptischen Badeort ausgesetzt worden seien. Zugleich warnte Mayer ausdrücklich vor "Überreaktionen".

Der Anschlag habe offenbar das Ziel, Ägypten und die westliche Welt zu erschüttern. "Wir dürfen es aber nicht zulassen, dass der sogenannte Islamische Staat erfolgreich ist, indem er uns aufzwingt, unsere Lebensgewohnheiten zu ändern", betonte Mayer. Der Tourismus spiele in Ägypten eine unverzichtbare wirtschaftliche Rolle.

Das zeigt sich momentan auch in Scharm el Scheich, wo mindestens 9000 Briten und 2000 Deutsche festsitzen sollen, nachdem viele Airlines ihre Flüge vorübergehend ausgesetzt haben. In diplomatischen Kreisen war von bis zu 20.000 betroffenen Urlaubern die Rede. Großbritanniens Premier David Cameron brachte die Geheimdienst-Erkenntnisse auf die Formel, eine terroristische Bombe als Absturzursache sei nicht sicher, aber es sehe "mit zunehmender Wahrscheinlichkeit" danach aus. In die Londoner Beurteilung flossen auch Selbstbezichtigungen des IS ein.

Hinweise gibt es auch aus amerikanischen Geheimdienstkreisen. Danach hätten Satelliten kurz vor dem Absturz auf Höhe des Airbus einen "Hitzeschwall" verzeichnet. Bei ersten Auswertungen der Aufzeichnungsgeräte in der Black Box waren "ungewöhnliche Geräusche" kurz vor dem Abbruch der Verbindung im Innern zu hören.

19 Flüge von Scharm el Scheich nach Großbritannien fielen allein am Donnerstag aus. Sie könnten zum Teil am heutigen Freitag nachgeholt werden. Dafür müssten aber besondere Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden, sagte eine Regierungssprecherin. Die Reisenden dürften etwa nur Handgepäck mitnehmen.

Das Auswärtige Amt in Berlin wollte seine für Teile des Sinai bestehende Reisewarnung zwar vorerst nicht ausdehnen, doch gibt der generelle Hinweis Aufschluss über mögliche Schwachstellen. "Die Sicherheitskontrollen an den ägyptischen Flughäfen sind teilweise unzureichend", kritisiert das Auswärtige Amt. In Kairo hätten sich Reisende beschwert, dass ihr Gepäck im Flughafen geplündert worden oder ganz abhanden gekommen sei.

Generell raten die Diplomaten deutschen Urlaubern zur Vorsicht in Ägypten, und zwar "einschließlich der Touristengebiete am Roten Meer". Für die ganz überwiegende Mehrheit der deutschen Urlauber verliefen Ägypten-Aufenthalte ohne Probleme. Doch vor der Tempelanlage von Karnak bei Luxor kamen diesen Sommer bei einem vereitelten Anschlagsversuch zwei Angreifer ums Leben, nachdem kurz zuvor bei einer Attacke in der Nähe der Giseh-Pyramiden zwei Polizisten erschossen worden waren.

Dringend rät das Auswärtige Amt von Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel und das ägyptisch-israelische Grenzgebiet ab. Davon betroffen ist auch der Reiseort Taba. Erst im Juli hatten Angriffe von IS-Terroristen auf Stellungen der ägyptischen Sicherheitskräfte im Raum Sheich Zuweid auf dem nördlichen Sinai zahlreiche Todesopfer gefordert. Wiederholt ist die nächtliche Ausgangssperre für die Region verlängert worden.

Quelle: RP
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