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Warum deutsche Hotels die Minibar abschaffen

Warum deutsche Hotels die Minibar abschaffen
FOTO: shutterstock.com/ Vereshchagin Dmitry
Düsseldorf. Koffer abstellen, Schuhe aus, Minibar plündern - so sehen bei vielen Reisenden die ersten Minuten im Hotelzimmer aus. Doch nicht mehr lang. Immer mehr Hotels schaffen die Privatkühlschränke ab.

War die Anreise lang oder der Arbeitstag hart, freuen sich viele darauf, in ihrem Hotel die Beine hochzulegen und sich an der Minibar gütlich zu tun. Immer häufiger finden Gäste jedoch statt eines kleinen Kühlschranks auf dem Zimmer den folgenden Hinweis an der Rezeption: "Gästen steht in unserem Haus ein Kühlschrank in der Empfangshalle zur Verfügung, eine private Minibar gibt es nicht."

"Wir verzeichnen seit einigen Jahren einen Trend zur Abschaffung der Minibar", sagt Christopher Lück, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). "Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich, beruhen aber meist auf hohen Unterhaltskosten, geringer Nachfrage oder darauf, dass die Kühlschränke nur kaum ökologisch effizient sind."

Gerade erst kündigte die Kette "Event Hotel" an, aus wirtschaftlichen Gründen nur noch in Zimmern der Superior-Kategorie Minibars anzubieten. Die Kette stellt mit ihren 59 Hotels immerhin über 11.000 Hotelzimmer in ganz Europa.

Welche Hotels eine Minibar anbieten müssen

Verpflichtend waren Minibars in Hotels der Kategorien vier und fünf Sterne. 2015 wurden die Bestimmungen für 4-Sterne-Hotels allerdings gelockert. Das beschleunigte den Trend zum Aussterben der Hotelkühlschränke bestätigt der Dehoga-Sprecher Lück: "In Sachen Minibar gibt die Sterneklassifizierung seit 2015 jedenfalls mehr Freiräume: Neben der Minibar auf dem Zimmer sind im 4-Sterne-Bereich auch eine Maxibar auf dem Flur akzeptiert, oder aber der Room-Service bedient die Gäste auf den Zimmern 16 Stunden individuell."

Hotels der Kategorien ein bis drei Sterne sind nicht verpflichtet, eine Minibar zu stellen – weshalb gerade viele Traditionshäuser die Strom- und Platzfresser nach und nach ausrangieren. Wie viele Hotels genau die privaten Kühlmaschinen schon abgeschafft haben, ist aber unklar: "Während die einen die Minibars auf dem Zimmer weiterhin als wichtigen Wettbewerbsvorteil ansehen, schaffen sie andere Unternehmen nach und nach ab", sagt Lück. 

Aber die Stromkosten sind nicht das einzige Problem der Hoteliers. Auch die Unehrlichkeit der Gäste sorgt für finanzielle Verluste. Viele geben es nicht an, wenn sie etwas aus der Minibar hatten. Andere öffnen die Flaschen mit einem Trick und füllen Wodka und Limo dann mit Wasser nach.

In den USA schaffen deswegen immer mehr große Hotels intelligente Minibars an. Im Ceasar's Palace in Las Vegas beispielsweise erkennt die Minibar automatisch, wenn eine Flasche aus der Halterung genommen wird und schickt ein entsprechendes Signal an das Rechnungssystem der Rezeption. Das Getränk muss dann bezahlt werden – egal ob der Gast die Flasche ausgetrunken hat oder nicht. Weil diese Geräte aber mit hohen Investitionen verbunden sind, lohnen sie sich vor allem für große Hotels und 5-Sterne-Häuser. 

(ham)
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