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Paris
Au revoir, Liebesschlösser

Zu viele Liebesschlösser auf der Pont des Arts in Paris
Zu viele Liebesschlösser auf der Pont des Arts in Paris FOTO: afp, MR
Paris. Für Tausende Paare sind sie ein Symbol der Treue, für die Behörden nur ein Sicherheitsrisiko: die Liebesschlösser an der Seine-Brücke Pont des Arts. Nun macht Paris Ernst und montiert ganze Brückengeländer mit den Schlössern ab. Von Maren Jentschke

Die "Stadt der Liebe" geht energisch gegen die sogenannten Liebesschlösser vor. Unter den Blicken von zahlreichen Schaulustigen und Touristen haben gut zwei Dutzend Arbeiter in dieser Woche damit begonnen, Hunderttausende Vorhängeschlösser von der Seine-Brücke Pont des Arts in der Nähe des weltbekannten Museums Louvre zu entfernen.

Die kleinen Schlösser als Liebesbeweis sind in den vergangenen Jahren weltweit zum allseits beliebten Brauch geworden, in Deutschland zum Beispiel besonders populär an der Hohenzollernbrücke in Köln. Doch mit geschätzten mehr als 50 Tonnen Gewicht sind die Liebesschlösser in Paris zum Sicherheitsproblem geworden: Unter der Last der beliebten Treue-Symbole brach vor einem Jahr ein knapp zweieinhalb Meter langes Geländerteil der Brücke Pont des Arts zusammen.

Die Pariser Studentinnen Léa Darnigny (19) und Laura De Natos (21) beurteilen die Demontage aber skeptisch. Auch bisherige Bemühungen, Alternativen zu schaffen, seien gescheitert, sagen die beiden unter Hinweis auf die Internet-Kampagne "love without lock". Damit versucht Paris seit Monaten, Paare zu einem verliebten Selfie zu bringen - weg vom Liebesschloss-Trend. Doch gerade einmal ein paar Hundert Fotos sind bisher auf der Seite gelandet, während gleichzeitig die Brückengeländer vor lauter Schlössern überquollen. Die metallenen Brückengeländer, an denen die Schlösser hingen, sollen nun durch Plexiglasscheiben ersetzt werden. Die beiden Studentinnen sehen in den geplanten Glasscheiben an den Geländern der Seine-Brücke bereits eine gute Grundlage für die bunte Arbeit von Graffiti-Sprayern. Ob das besser aussieht als die Schlösser, sei dahingestellt.

Doch es gibt auch Befürworter der Abbauaktion: Die 88-jährige Madeleine Bourdoiseau etwa erinnert sich noch genau an den Pont des Arts, bevor im Jahr 2008 erlaubt wurde, dort Liebesschlösser anzubringen. Der Brauch schädigt aus ihrer Sicht den Anblick der im 18. Jahrhundert unter Napoleon erbauten Brücke. Sie wird den Liebesschlössern nicht hinterhertrauern und freut sich darauf, bald wieder die Brücke in ihrer puren Pracht sehen zu können.

Für manche Verkäufer der Vorhängeschlösser geht mit dem Verbot auch ein wichtiger Markt verloren. Im Umkreis der Pariser Brücken werden sie fast überall angeboten. Auch der Souvenirhändler Gil Volle hatte sie im Sortiment. Der 61-Jährige bedauert, dass nun Schluss mit den Schlössern sein soll. Er und seine Frau haben selbst eines angebracht - und zudem gut an dem Trend verdient.

Der 52 Jahre alte Eric Le Ouez ist einer der vielen Arbeiter, die derzeit damit beschäftigt sind, die Brückengeländer mit den Schlösser abzumontieren. Eigentlich findet er die Zerstörung der Liebesbeweise schade. Doch es ist nun einmal sein Job. Und er sagt: "Sicherheit geht vor Romantik." Was genau mit den Schlössern passieren soll, ob und wie lange sie aufbewahrt werden, ist unklar.

(dpa)
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