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Berlin
Pergamonmuseum - Berlins schönstes Panorama
Das antike Pergamon in 360 Grad
Das antike Pergamon in 360 Grad FOTO: dpa
Berlin. Eine Sonderausstellung im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel ist derzeit der Publikumsmagnet. Mehr als eine Million Besucher schauten sich das gigantische Panorama der antiken Königsstadt Pergamon des Künstlers Yadegar Asisi bereits an. Bis Ende September ist es noch zu sehen. Von Christian Spolders

Die Zeitreise nach Pergamon beginnt in zehn Baucontainern, die auf der Berliner Museumsinsel stehen. Wer sehen will, wie es in der ehemals griechischen Stadt im Jahr 129 n. Chr. zuging, der muss die Stufen im Inneren dieser gestapelten Container bis auf 15 Meter hochsteigen. Wer das geschafft hat, der bekommt das Gefühl, dass er auf einem Hügel in einer antiken Stadt steht. Es ist schwül. Das Tonband spielt eine Harfenmelodie. Zwischendurch lachen Männer, die ihre Pferdewagen über Kopfsteinpflaster führen. Und in einem 360-Grad-Panorama um den Turm aus Baucontainern erstreckt sich die gigantische Szenerie eines Frühjahrstages in der Königsstadt Pergamon.

Der Künstler Yadegar Asisi war noch ein Junge, als er die Idee hatte. Mehr als 40 Jahre später hat er die Möglichkeiten gefunden, sie umzusetzen. In einer Rotunde, die im Ehrenhof des Pergamonmuseums auf der Museumsinsel steht, hat er das etwa 24 Meter hohe und 103 Meter lange Panorama installiert. Es ist das Prunkstück der Ausstellung, die derzeit im benachbarten Pergamonmuseum läuft. Das Haus besteht aus drei Museen: die Antikensammlung, das Vorderasiatische Museum und das Museum für Islamische Kunst. Aufgrund der imposanten Rekonstruktionen archäologischer Bauensembles ist das Museum weltweit bekannt.

Auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern werden derzeit im Nordflügel und in den zentralen Architektursälen im Ostflügel gut 450 zum Teil noch nie gezeigte Exponate aus dem Bestand der Antikensammlung präsentiert. Mit mehr als einer Million Besucher ist sie bereits eine der beliebtesten Ausstellungen in Deutschland – dabei läuft sie noch bis Ende September.

Asisi hat Pergamon anhand der archäologischen Grabungen der vergangenen 130 Jahre rekonstruiert. Für das monumentale Panorama dienten ihm Rekonstruktionszeichnungen von Bauten, Fotos von Ausgrabungsfunden sowie das erste Pergamon-Panorama von 1886 als Orientierung. In den vergangenen beiden Jahren fotografierte Asisi auf dem Ruinenfeld im heutigen Bergama in der Türkei (80 Kilometer nördlich von Izmir) von einem etwa 30 Meter hohen Turm aus die Topographie rund um die antike Stadt. Anschließend erstellte er eine Entwurfsskizze des historischen Stadtbildes. In ihr verortete er szenische Fotoaufnahmen mit Statisten in antiken Kostümen. Aus dem gesammelten Material von mehr als 5000 Aufnahmen bastelte er am Computer das Rundbild, das er in 34 Teilen ausdrucken ließ.

Wer in der Berliner Rotunde oben auf dem Turm aus Baucontainern steht, der sieht die Stadt Pergamon, ihre Gebäude und ihre Einwohner im Maßstab 1:1. Der imposante Athena-Tempel gegenüber, vor dem sich die Menschen tummeln, und die Theaterbesucher zu ihren Füßen grüßen. Die Steinmetzwerkstatt, neben der die Griechen sitzen und Arbeit Arbeit sein lassen – es könnte ein Sonntag sein. Ebenso nur zehn Meter vom Auge des Besuchers entfernt, aber optisch deutlich weiter in der Ferne, der Grabhügel am Stadtrand, noch dem Amphitheater.

Wer sich das Panorama von unten und aus der Nähe ansieht, der verpasst die Tiefe des Bildes. Dafür bekommt er einen Blick für die Details: Die Jungs, die auf einem Vordach albern. Die Katzen, die zwischen den Steinmauern schleichen, in denen Kräuter wachsen. Die Männer, die mit ihren Frauen noch den Weg ins Theater suchen.

Der gesamte Rummel wäre nichts ohne die Musik, die Filmkomponist Eric Babak erstellt hat. Der Besucher erlebt in etwas weniger als zehn Minuten – in Zusammenspiel mit dem Licht der hinter dem Panorama versteckten Scheinwerfer – immer wieder den gleichen 24-Stunden-Tag. Erst ist es dunkel, die Stadt schimmert bläulich, und es ist so ruhig, dass er nur Insekten und einen Bachlauf hört. Sobald die Hunde und die Vögel wachwerden, geht die Sonne auf – und mit ihr beginnt das Schauspiel des frühsommerlichen Tages. Kinder kreischen, Frauen quatschen, Männer feixen. Tag für Tag, aber es wird nicht langweilig. Die Geräuschkulisse macht die Ausstellung zu dem, was sie ist: eine Zeitreise nach Pergamon.

Quelle: RP/anch
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